Pflege wird in Thüringen schlecht bezahlt: Freistaat bundesweit an viertletzter Stelle

Neudietendorf. Alten- und Krankenpflege wird in Thüringen noch immer viel zu schlecht bezahlt. Das geht aus einer neuen bundesweiten Studie des Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung hervor. Die Untersuchung, die jetzt von Staatssekretär Karl-Josef Laumann vorgelegt wurde, bestätigt die Forderungen des Paritätischen Thüringen nach einer deutlich besseren Entlohnung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege in Thüringen.

Nach dieser Untersuchung verdienen Fachkräfte in der Altenpflege in Thüringen im Schnitt 1982 Euro im Monat und liegen damit an viertletzter Stelle in der Bilanz der Bundesländer. Fachkräfte in der Krankenpflege kommen auf einen Durchschnittsverdienst von 2800 Euro und belegen damit auch den viertletzten Platz im Vergleich der Bundesländer.
Die weitere Abwanderung gut ausgebildeter Pflegefachkräfte aus Thüringen in benachbarte westliche Bundesländer ist damit weiter vorgezeichnet. In der Altenpflege liegt der durchschnittliche Verdienst beispielsweise in Hessen bei 2484 Euro, in Bayern sogar bei 2709 Euro und in Niedersachsen bei 2209 Euro. Damit liegen alle westdeutschen Bundesländern deutlich über den hier gezahlten Entgelten. Das Gleiche gilt für die Bezahlung in der Krankenpflege. Eine Fachkraft in Hessen erhält 3086 Euro im Schnitt, in Niedersachsen 3016 Euro und in Bayern 3135 Euro.
Insgesamt ist nach Meinung des Paritätischen in Thüringen das System Pflege seit Jahren unterfinanziert. Im 2012 abgeschlossenen Thüringer Pflegepakt hatten sich die daran Beteiligten auch darauf verständigt, dass die Entlohnung von Pflegefachkräften in Thüringen angehoben werden müsse. Hier sieht der Paritätische die Pflege- und Krankenkassen weiterhin in der Pflicht, für eine ausreichende Bezahlung zu sorgen. Die konsequente Umsetzung und Ausgestaltung des Pflegepaktes mahnt der Landesgeschäftsführer des Sozialverbandes, Reinhard Müller an „Wir brauchen ein attraktiveres Umfeld für die Pflege“ so Müller. Dazu zählt für ihn eine verbesserte Entlohnung ebenso wie eine Verbesserung der Ausbildungsbedingungen. Thüringen liege noch immer deutlich unter dem Bundesschnitt bei den Entgelten. Dies bestätigt auch die neue Studie aus dem Bundesgesundheitsministerium. Entsprechend hoch sei auch der Abstand bei der Entlohnung der Pflegekräfte. „Der Pflegepakt ist der Humus, auf dem das andere sprießen muss“, unterstreicht Müller, der allerdings auch von einer gewissen „Ungeduld“ bei der Umsetzung des Pflegepaktes redet.
Besonders dramatisch ist nach der Studie die Lage von angelernten Helfern in der Pflege: Sie kommen im Osten auf keine 1500 Euro, das liegt noch einmal ein Fünftel unter dem Gehalt von Fachkräften in der Altenpflege. Laumann appellierte an die Gewerkschaften, für „faire und angemessene Löhne“ in der Pflege zu sorgen. Die Arbeitgeber rief er auf, nicht über zu wenige Fachkräfte zu jammern. Sie sollten für eine angemessene Bezahlung sorgen und den Wunsch vieler Teilzeitkräfte nach Vollbeschäftigung ernst nehmen. Laumann: „Wir brauchen in der Altenpflege endlich flächendeckend faire und angemessene Löhne, die von den Sozialpartnern in Tarifverträgen vereinbart werden.“
Pflege-Experten in Thüringen fürchten, dass es ohne eine entsprechende Entlohnung immer schwieriger wird, Pflegefachkräfte zu finden. Mit der Kampagne „PFLEGE BRAUCHT HELDEN“ macht sich der Paritätische gemeinsam mit vielen anderen Partnern für gute Bedingungen für die Pflege in Thüringen stark. Ziel ist es, das Image der Pflegeberufe in Thüringen zu verbessern.

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