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Crystal Meth-Konsum beginnt immer früher: 50 Prozent der Abhängigen unter 18 Jahren -- 13-Jährige suchte in Eisenach Hilfe

Erfurt. Der Konsum der Droge „Crystal Meth“ beginnt immer früher. 50 Prozent derjenigen, die sich derzeit in Sachsen in Therapie begeben, haben ihren Drogenkonsum während der Schulzeit begonnen. Diese Zahlen sind nach Einschätzung von Experten in ähnlicher Dimension auch in Thüringen zu erwarten. Ein drastisches Beispiel schilderte ein Suchtberater aus Eisenach beim „Runden Tisch Crystal Meth“ im Landtag: In der Wartburgstadt suchte erst vor kurzem ein 13-jähriges Mädchen Hilfe. Sie war gekommen, weil sie selbst den Eindruck hatte, zu viel von der Droge zu konsumieren. „Ich schreie nach dem Kultusministerium“, sagte ein Berater, der beklagte, dass an vielen Schulen das Thema Drogenkonsum und die Gefahren durch Crystal Meth noch immer ein tabuisiert seien.

In Thüringen wollen bei der Bekämpfung von Crystal Meth alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Darauf verständigten sich Vertreter des Landes, von Hilfseinrichtungen, von Kranken- und Rentenversicherung sowie der Polizei bei dem „Runden Tisch“, der über Konsequenzen aus dem kürzlich von Sozialministerin Heike Werner (Linkspartei) vorgestellten Thüringer Rahmenkonzept zu der synthetischen Droge beriet. Die Vorsitzende der Thüringer Landesstelle für Suchtfragen, Renate Rupp, sprach von einer „Herkulesaufgabe“, die sich allen mit dem Thema Befassten stelle. Sozialministerin Heike Werner lobte zwar die „gut ausgebaute Hilfelandschaft“ in Thüringen, räumte aber zugleich ein, dass die Einrichtungen an ihre Grenzen stoßen.
Die Zahl der Nutzer von Crystal Meth steigt nach den Berichten der Beratungsstellen auch in Thüringen rasant. Allerdings gibt es für den Freistaat keine konkreten Zahlen. Die Drogenberatungsstelle Knickpunkt in Erfurt berichtet davon, dass 2012 von den 550 Patienten ein Drittel Crystal Meth konsumiert hatten. Das Hainich-Klinikum in Mühlhausen spricht von etwa 250 bis 300 Crystal-Patienten im Jahr.
Dabei kristallisieren sich in der Therapie noch einmal besondere Problemgruppen heraus. Eine davon sind Mütter, die von Crystal Meth abhängig sind. Sie zeigen eine auffällig geringe Bindung an ihr Kind. Das gilt auch bei Schwangeren. Neugeborene von Crystal-abhängigen Müttern müssen erst einmal regelrecht entgiftet werden, so Helmut Bunde vom Diakonischen Werk in Sachsen. Manuela Hochstein vom „Wendepunkt e.V.“ in Wolfersdorf berichtete in der Runde, dass 80 Prozent der Bewohnerinnen ihrer Einrichtung mittlerweile Crystal Meth-Abhängige seien. Das Durchschnittsalter der Klienten sei 27,7 Jahre.
Sorgen macht sich Bunde auch um die wachsende Gruppe von Crystal-Abhängigen im Alter von über 25 Jahren. Dort wird die Droge oft als Problemlöser angesehen, weil die Betroffenen mit der Doppelbelastung Ausbildung oder Beruf und Familiengründung nicht zurechtkommen. Bunde fürchtet, dass der Anteil dieser Betroffenen in Sachsen in diesem Jahr die 10-Prozent-Grenze überspringt.
Einig waren sich alle Beteiligten, dass eine engere Verzahnung der Hilfsangebote und eine größere Kooperation zwischen Renten- und Krankenversicherung sowie der Jugendhilfeträger notwendig ist. In entsprechenden Arbeitsgruppen soll jetzt weitergearbeitet werden. Die wichtigsten Herausforderungen, die es dabei anzugehen gilt, sind nach Einschätzung von Sozialministerin Heike Werner eine gesundheitsbezogene Beratung, die Bereitstellung von spezifischen Angeboten für die unterschiedlichen Konsumtypen der Droge, besondere Hilfestellungen für die Zielgruppe Mütter mit Kindern, ein Ausbau der praktischen Hilfsangebote und mehr Offerten in der Weiter- und Fortbildung.

Tags: Drogen, Crystal Meth, TLS, Thüringer Landesstelle für Suchtfragen

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