„Sozialwirtschaft muss lernen, sich besser zu verkaufen“, Fachtag am 24. Februar 2016

Autorin Cornelia Heider-Winter Neudietendorf, 28. Januar 2016. Die Arbeitgeber in der Sozialwirtschaft streichen die Vorteile der Sozialwirtschaft nicht angemessen heraus. Die Sozialwirtschaft müsse lernen, sich besser zu verkaufen, meint Cornelia Heider-Winter, Autorin des Buches „Employer Branding in der Sozialwirtschaft. Wie Sie als attraktiver Arbeitgeber die richtigen Fachkräfte finden und binden“ und Referentin bei einem Fachtag des Paritätischen am 24. Februar. Bei dieser Tagung geht es genau um die Frage, die Cornelia Heider-Winter seit langem umtreibt: Wie können Unternehmen in der Sozialwirtschaft für Fachkräfte attraktiv(er) werden. Über die Fachtagung sprach Hartmut Kaczmarek mit Cornelia Heider-Winter.

Sie schreiben, der Fachkräfte- und Führungskräftemangel ist das alles durchdringende Thema in der Sozialwirtschaft. Gleichzeitig weisen Sie auf die strategischen Vorteile der Branche mit Nachhaltigkeit, gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein etc. hin. Warum werden diese Vorteile nicht ausgespielt und offensiver genutzt?
Die Sozialwirtschaft ist es traditionell gewohnt, stets ihre Rahmenbedingungen wie Gehalt oder Personalschlüssel zu kritisieren, um Verbesserungen bei den Kostenträgern und der Politik zu erreichen. Da heißt es gern: Mit dem Beruf kann man keine Familie ernähren, hat man keine Zeit für die Klienten und kann nichts werden. Beim Employer Branding gilt es, radikal umzudenken und das ist gar nicht so einfach. Jahrelang hat man propagiert, dass man unter den jetzigen Bedingungen nicht professionell arbeiten kann und auf einmal soll man seiner Zielgruppe erklären, warum es so toll ist, hier tätig zu sein. Ein Dilemma, das überwindbar ist und dem man sich stellen sollte.

Streichen zu wenig Arbeitgeber in der Sozialwirtschaft diese Vorteile angemessen heraus?
Definitiv. Die Vorteile in der Sozialwirtschaft wie etwa sinnstiftende Aufgaben, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder die Berücksichtigung von Überstunden werden einfach als selbstverständlich angesehen und dementsprechend nicht als besondere Vorteile gegenüber anderen Branchen erkannt. Dabei gibt es ganze Generationen, die besonders nach Sinnstiftung und Work-Life-Balance streben.

Sie schreiben, die Sozialwirtschaft muss lernen, sich besser zu verkaufen. Warum gelingt das Arbeitgebern in anderen Branchen besser als denen in der Sozialwirtschaft? Gibt es noch immer ein zu großes fehlendes Selbstbewusstsein und was kann man dagegen tun?
Über dem sozialen und Bildungsbereich hängt seit jeher das Damoklesschwert, Kosten zu sparen. Hier wird nicht produziert, hier gibt es keinen Return on Investment wie in anderen Branchen. Hier wird mit Menschen gearbeitet! Dass das Geld kostet, wird nur zähneknirschend und misstrauisch akzeptiert. So muss sich die Sozialwirtschaft immer wieder rechtfertigen, warum ihre Leistungen nicht günstiger bis gratis sind. Dass daraus kein gesundes Selbstbewusstsein entstehen kann, sondern eher ein Minderwertigkeitsgefühl, ist eigentlich logisch. Andere Branchen haben zudem viel mehr Erfahrung mit Angebot und Nachfrage, Wettbewerb und Konkurrenz, sodass sie mit Themen wie Image und Selbstdarstellung viel besser vertraut sind. In der Sozialwirtschaft waren diese Bereiche eher Selbstgänger und sind es zum Teil immer noch.

Was ist aus Ihrer Sicht das Ziel der Fachtagung am 24. Februar?
Wir wollen Begeisterung für das Thema Arbeitgebermarke wecken, um die Mitglieder des Paritätischen fit für die Zukunft zu machen. Wir arbeiten für die Menschen, können das aber nicht allein. Wir brauchen dringend qualifizierte Fach- und Führungskräfte.

Zu dem Fachtag „Willkommen in der Sozialwirtschaft – Wie Unternehmen für Fachkräfte attraktiv(er) werden sind noch bis zum 2. Februar Anmeldungen möglich. TeilnehmerInnen-Beitrag: 20 Euro
Weitere Infos: oder in der beigefügten Einladung

Tags: Fachtag

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