Auch Menschen mit Behinderung beteiligen sich am 6. Februar in Weimar am Protest gegen Rechtsextremisten

Weimar/Neudietendorf, 3. Februar 2016. Ein breites Bürgerbündnis hat für den 6. Februar zu Protesten gegen einen geplanten Aufmarsch von Rechtsextremen in Weimar aufgerufen. Auch Menschen mit körperlicher oder geistiger Einschränkung wollen sich an den Protesten beteiligen. Sie alle leben, lernen oder arbeiten in Einrichtungen des Lebenshilfe-Werkes Weimar/Apolda.

Für die Menschen mit Behinderung wurden extra Aufklärungsmaterialien in einfacher Sprache erstellt. Außerdem findet eine Plakatmalaktion zur Herstellung von Transparenten zur Demonstration statt, zu der alle eingeladen sind. Der Workshop zum Herstellen von Transparenten findet am Freitag, 5. Februar, von 16 bis 18 Uhr in der Galerie LebensArt am Palais in Weimar statt. Matthias Felscher weiß noch nicht, ob er dieses Mal gegen die Rechten
auf die Straße geht. Der 52jährige arbeitet im Kunstladen „LebensArt am Palais“ und repariert dort kunstvoll das Flechtwerk alter Stühle: „Im Oktober habe ich mich an den Protesten beteiligt. Ich habe selbst Bekannte
aus Syrien und dem Iran. Doch die Polizei hat mich am Ende nicht durch die Sperre gelassen, obwohl ich direkt am Demonstrationsort wohne. Sie hätten mich doch begleiten können.“ So musste der Mann, der auf den Rollstuhl angewiesen ist, einen Umweg von über einer Stunde auf sich nehmen. Prinzipiell hat er kein Verständnis für die rechtsextremen Umtriebe: „Wenn man ein wenig intelligent ist, hinterfragt man die Geschichte. Vor allem die dumpfen Parolen sind nicht tragbar. Die Ausländer würden uns die Arbeit wegnehmen und so. Was für ein Mist.“
Rola Zimmer, Geschäftsführerin des Lebenshilfe-Werkes Weimar/Apolda, nimmt die Sorgen ernst und ergänzt: „Im Gedankengut der Rechtsradikalen ist kein Platz für Menschen anderer Herkunft oder anderer Fähigkeiten. Zudem erleben wir den Wunsch der Menschen im Lebenshilfe-Werk, sich aktiv gegen solche Tendenzen zu engagieren."
Das Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda ist seit längerem Mitglied im „Bürgerbündnis gegen Rechts“ und engagiert sich in der Flüchtlingshilfe. Menschen mit Behinderung und Fachkräfte haben im vergangenen Jahr unter anderem für die Aktion „Weimar hilft“ gesammelt.

„Menschen mit Beeinträchtigung erfahren auch täglich die Entwicklungen, die gerade in Deutschland vor sich gehen. Unsere Aufgabe ist es, diese in leichter Sprache zu erklären, damit gesellschaftliche Beteiligung möglich ist. Das ist gemeint, wenn wir von Inklusion sprechen“, erklärt Rola Zimmer. Deshalb werden inzwischen die meisten Informationen zusätzlich in Leichter Sprache formuliert oder publiziert, bis hin zu Geschäftsberichten. Und auch
der Aufruf zum Protest wurde übersetzt und im Lebenshilfe-Werk ausgehängt.

Das Motto des vom Bürgerbündnis vorbereiteten Protestes heißt „Weimar für alle! Alle für Weimar!“ Derzeit wird ein buntes Programm vorbereitet. Der diesjährige Slogan soll die aktuelle Flüchtlingsdebatte aufgreifen und deutlich machen, dass sich Weimar seine Geschichte nicht verdrehen lässt.

Eröffnet wird der Tag mit dem Mahn- und Gedenkgang zum 71. Jahrestag des Bombenangriffs am 9. Februar 1945, der in diesem Jahr um 9.15 Uhr auf dem Theaterplatz beginnt und nach mehreren Stationen am Hauptbahnhof endet. Dort gibt es ab 11 Uhr Musik, Redebeiträge und Straßentheater. Im vergangenen Jahr standen 130 Neonazis 1.500 WeimarerInnen gegenüber.

Tags: MO-Veranstaltung, Rechtsextremismus, Protest

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