"Jeder, der eine Spur auf seinem Papier entstehen lässt, ist perfekt" - Sarah Pohl berichtet beim Krügerverein über das Konzept ihres "Malortes" in Erfurt

2016 02 09 malortNeudietendorf, 25. Januar 2016. Keine Angst vor Farbe und Pinsel. Denn „Jeder, der eine Spur auf seinem Papier entstehen lässt ist perfekt und ebenso die Spur.“ So umschreibt Sarah Pohl in einem TLZ-Interview das Konzept ihres Malortes, den es seit vergangenem Herbst in Erfurt gibt. „Es bedarf beim Malenden keiner Korrektur oder gar Verbesserung. Im Malort ist jeder ein spielendes Kind. Hier kann jeder wieder Kind sein, spielfähig werden, seines Könnens bewusst, inmitten der anderen Spielgefährten. Man kommt zu seinem Ursprung, zu seiner Unbefangenheit zurück und ist beglückt davon“, so Sarah Pohl.  Das Konzept ihres Malortes stellt Sarah Pohl am 17. Februar, 18 Uhr, in der Krügervilla in Neudietendorf vor unter dem Titel „Ökologie der Kindheit und der Malort“. An ihrem Malort in Erfurt kommt alles aufs Blatt, was den Teilnehmenden spontan einfüllt. „Alle erleben dieselbe Bedienung, hier erlebt jeder das Kollektive (der Malort, der Palettentisch sind Orte des gemeinsamen Spiels) und das Individuelle (das Blatt Papier, auf dem jeder sich seine Welt nach Maß anlegt), hier erlebt jeder im Gleichgewicht Spielregeln und bedingungslose Freiheit. Freiheit, welche nicht maßlos ist, wo gleich sie jedoch weiter geht, als woanders“, so Sarah Pohl auf ihrer Homepage.


„Der Mensch, der in den Malort kommt, wird wieder spielfähig und erlebt sein Spiel auf die ursprünglichste Weise aus seinem wahren Bedürfnis heraus, wie es nur überhaupt geschehen kann. Er kommt in den Genuss des Spiels und Bedientwerdens, ist beglückt davon, erprobt seine Fähigkeiten, wird sich seines Könnens inmitten der Anderen bewusst und findet zu seinem Ursprung zurück. So kommt jeder Mensch zu sich selbst- was anderes braucht er nicht.“

Sarah Pohl mit ihrem Vorbild und Lehrer Arno SternDie Bedingungen an dem Malort sind schon außergewöhnlich:
Er ist fünf Meter lang, vier Meter breit und drei Meter hoch. Es gibt außerdem
• 4 Wände, auf denen unzählige Pinselstriche, die über den Rand der Blätter hinausgehen, ein buntes Muster weben.
• Gleichmäßige Beleuchtung mit Tageslichtspektrum
• Den Palettentisch mit 18 Farben
• Stufen, Schemel, Leitern und Kissen: Sie sind unentbehrlich, damit es für den Malenden in jeder Position bequem zum Malen ist.
Maximal 10 Malende unterschiedlichen Alters malen gleichzeitig. Die Verschiedenheit der Malenden schließt das übliche Vergleichen, den Wettbewerb und das Konkurrenzdenken aus.
„Den Malenden wird das beste Papier, die sorgfältig angefertigten Pinsel und diese ansprechenden Farben gegeben, damit sie sehr anspruchsvoll werden und ihre würdevollen Fähigkeiten erproben. Ungenauigkeiten gibt es nicht, so wie ein wahrer Musiker nicht auf einem verstimmten Instrument spielen könnte“, so Sarah Pohl.
Und wie kam Sarah Pohl auf die Idee des Malorts? 2013 erschien der Film „Alphabet – Angst oder Liebe“ von Erwin Wagenhofer, in dem unter anderem Arno und Andre‘ Stern als Protagonisten auftreten. Sarah Pohl, heute 28 Jahre jung, sah diesen Film und war tief bewegt. Im Sommer 2015 besuchte sie Arno Stern in seinem Malort in Paris und nahm an dem Intensiv- Ausbildungskurs zur dienenden Rolle im Malspiel teil. Bis ins Detail war es ihr möglich, alles über das Malspiel und den Malort zu erfahren. Begeistert und überglücklich eröffnete sie im September 2015 ihren Malort in Erfurt.

Und was bedeutet „Ökologie der Kindheit“? Sarah Pohl beantwortet diese Frage so: „Wenn ein Kind auf die Welt kommt, dann ist es perfekt. Wenn man dem Kind in einer Haltung gegenüber tritt, dass es, so wie es ist, perfekt ist, entstehen Vertrauen und Respekt. Diese Haltung wird im Malort gelebt.“

Der Vortrag und das Gespräch richtet sich an alle Eltern, alle, die pädagogisch, therapeutisch, kreativ oder pflegerisch mit Menschen zusammenarbeiten und alle, die sich mit Bildung und Bildungssystem im weitesten Sinne beschäftigen.

Der Eintritt beträgt 5 €. Weitere Infos erhalten Sie im Frauen- und Familienzentrum des Krügervereins bei Doreen Sammler, 036202 – 26-217 und Christin Merten, 036202 – 26232.

(Fotos: Lydia Werner, TLZ und privat)

Tags: Krügerverein, Sarah Pohl

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