Paritätischer: Rentenniveau muss stabilisiert werden - Jeder achte Rentner in Thüringen ist 2021 von Altersarmut bedroht

Reinhard Müller, Landesgeschäftsführer des ParitätischenNeudietendorf/Erfurt, 24. Mai 2016. Für immer mehr Menschen reicht die Rente allein nicht mehr aus, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. 2014 bezog fast jeder Zweite eine Rente, die geringer als 750 Euro im Monat war. Das belegt das neue Jahresgutachten des Paritätischen zur sozialen Lage in Deutschland. Weitere Absenkungen des Niveaus der gesetzlichen Rentenversicherung werden vor allem in Ostdeutschland immer mehr Rentnerinnen und Rentner in die Altersarmut führen. „Viele Ostdeutsche, die in den nächsten Jahren in Rente gehen, haben gebrochene Erwerbsbiografien durch Zeiten der Arbeitslosigkeit“, so Reinhard Müller, der Landesgeschäftsführer des Paritätischen. Das führt zu niedrigeren Rentenansprüchen, die auch nicht durch private Vorsorge kompensiert werden kann. Für die private Vorsorge fehlt vielen Geringverdienern zum einen das Geld. Zum anderen fehlt den meisten Rentnern in Ostdeutschland auch eine Absicherung durch eine betriebliche Altersversorgung.

In den neuen Bundesländern, so die Studie des Paritätischen, beziehen 99 Prozent der Rentnerinnen und Rentner Leistungen aus der Rentenversicherung, aber nur ein Prozent zusätzlich solche der betrieblichen Altersvorsorge. „Das Alterssicherungsniveau in Ostdeutschland steht und fällt mit der gesetzlichen Rentenversicherung, deren Leistungsfähigkeit nicht weiter geschwächt werden darf“, so Müller.

Eine Prognose der Paritätischen Forschungsstelle weist aus, dass die Zahl der armen Rentner in Thüringen sich von 3,3 Prozent im Jahre 201 auf 8,0 Prozent im Jahre 2021 erhöhen wird. Etwa jeder achte Rentner in Thüringen wird dann in Thüringen von Altersarmut betroffen sein (die exakte nach Kreisen und kreisfreien Städten aufgegliederte Prognose finden Sie im Anhang).

Der Paritätische sieht die fortschreitende Erosion der Schutzfunktion der Sozialversicherungen mit großer Sorge. Das betrifft nicht nur die Rentenversicherung, sondern auch die Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung. Nicht einmal mehr ein Drittel der Menschen, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind, haben auch Anspruch auf Leistungen der Arbeitslosenversicherung, weist die Studie des Paritätischen nach. Über zwei Drittel sind demgegenüber auf Hartz IV oder auf die Unterstützung von Familienangehörigen oder Partnern angewiesen. „Eine Versicherung, die im Versicherungsfall nur jedes dritte Mal auch greift, droht ihre Legitimation zu verlieren“, so der Vorsitzende des Paritätischen Gesamtverbandes, Rolf Rosenbrock.

Der Paritätische gibt als Konsequenz aus dieser wachsenden Ungleichheit in Deutschland Handlungsempfehlungen an die Politik und fordert u.a. den Ausbau öffentlich geförderter Beschäftigung, eine bedarfsgerechte Anhebung der Regelsätze in Hartz IV sowie eine durchgreifende Rentenreform: Das Rentenniveau sei anzuheben und zu stabilisieren, die staatliche Förderung der Riester-Rente und die Entgeltumwandlung einzustellen und die Altersgrundsicherung armutsfest auszugestalten.

Tags: Reinhard Müller, Rentenniveau, Rente, Altersarmut

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