„Die Auseinandersetzung mit dem Thema Tod und Sterben aushalten“ - Internationales Projekt „Belief“

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projektes "Belief" in Thüringen

 

Neudietendorf, 13. Februar 2017. Katrin Knechtel weiß aus ihrem beruflichen Alltag, dass man sich gerade als junger Mensch auf das Thema Tod und Sterben erst einmal persönlich einlassen muss. „Ohne eigene Auseinandersetzung geht das nicht“, sagt die Lehrerin für Psychologie und Kommunikation bei der INNOVA in Altenburg. Dort vermittelt sie das Themenfeld über ein mehrtägiges gemeinsames Projekt in der Altenpflege- , Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung. Die Schülerinnen und Schüler haben unterschiedliche Aufgabenstellungen zu bewältigen. Sie müssen beispielsweise kleine Impulsvorträge über die Rechte Sterbender halten oder sich Gedanken machen, inwiefern die hochtechnisierte Medizin hilfreich ist oder einem Sterben in Würde eher im Wege steht.


Bei etwa einem Drittel der jungen Menschen stellt sie zunächst emotionale Befindlichkeiten bei dem Thema fest. „Es ist immer wieder eine Herausforderung, diese eigene Auseinandersetzung auch auszuhalten“, sagt sie. Deshalb sind ihr die Erfahrungen, die sie jetzt im Rahmen des transnationalen Projektes „Belief“ sammelt, so ausgesprochen wertvoll. In dem Projekt arbeiten Partner aus Frankreich, Italien, Litauen und der Türkei noch bis August 2017 gemeinsam mit parisat am Thema „Umgang mit Sterben und Tod.“

„Belief“ steht als Abkürzung für „Better Live the end of life“ und soll den Blick zu dem Thema Tod und Sterben auf andere Länder und andere Kulturkreise weiten. Knechtel beispielsweise ist sehr neugierig auf die Auseinandersetzung mit Thema in der Türkei. „Dort gibt es religiös und aus den familiären Strukturen her bedingt einen ganz anderen Umgang mit der Thematik als in Deutschland, wo das Thema gesellschaftlich gerne verdrängt wird“, hat sie schon aus den ersten Begegnungen erfahren. Als „Denkansatz“ findet sie es auch spannend, wie dort Familien Angehörige bei einem Pflegefall finanziell unterstützen. Auch der Blick nach Litauen, in dieses hochtechnisierte baltische Land, eröffnet neue Blickwinkel für die Frage, ob wirklich alle Möglichkeiten, die die High-Tech-Medizin bietet, bei einem sterbenden Menschen ausgeschöpft werden müssen.

Als vor kurzem die internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projektes bei INNOVA in Altenburg waren, berichteten die Pflegeschülerinnen- und schüler über ihre Ausbildung. Katrin Knechtel ist sicher, dass sie auch für die künftige Ausbildung wertvolle Impulse aus dem transnationalen Projekt ziehen kann. Deutschland sei zwar auf einem guten Weg, aber in der Palliativpflege gebe es durchaus noch großen Nachholbedarf. Knechtel wünscht sich, dass das „Belief“-Projekt nachhaltig wirkt, dass es den internationalen Austausch von Fachkräften anstößt, um den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus zu weiten.

Dieser Erfahrungsaustausch ist auch für Petra Wesser wichtig. Sie ist Heilpädagogin in einer integrativen Kita des ASB im Unstrut-Hainich Kreis. Sie ist überzeugt: Tod und Sterben ist ein wichtiges Lebensthema, das man kindgerecht auch in einer Kita behandeln sollte. Dazu gibt es gutes und umfangreiches pädagogisches Material. Denn auch Kinder werden in ihrem Lebensumfeld mit dem Thema konfrontiert. Das fängt beim Tod eines geliebten Haustieres an – hier eröffnet sich für Wesser oft ein kindgerechter Zugang zu der Thematik.

Sie weiß auch, dass in den Familien mit Tod und Sterben sehr unterschiedlich umgegangen wird – in manchen Familien sehr offen, in manchen überhaupt nicht. Deshalb sieht sie es auch als eine wichtige Aufgabe an, die Eltern mit ins Boot zu holen, das Ganze bei Elternabenden zu thematisieren und mit den Eltern über die Art der Vermittlung zu reden.

Bei dem Besuch der Projektteilnehmer vor einigen Wochen in Thüringen (siehe Bild oben) ging es unter anderem um ehrenamtliches Engagement im Hospizbereich, um die Ausbildung von Pflegerinnen und Pflegern, um die Hospiz- und Palliativlandschaft in Deutschland, um gesetzliche Grundlagen, Finanzen und Strukturen. So sind beispielsweise Kinderhospize, wie es sie in Thüringen in Tambach-Dietharz gibt, in den anderen Ländern noch unbekannt. Auch über Leitfäden für Angehörige und einen Ländervergleich wurde bei dem Seminar gesprochen. „Anstrengend, ein straffes typisch deutsches Programm, aber sehr gut und beeindruckend“, so die Bilanz der internationalen Teilnehmenden.
„Ich habe schon bisher viel Wertvolles für meine tägliche Arbeit erfahren“ – in dieser Einschätzung sind sich Katrin Knechtel und Petra Wesser einig – und freuen sich schon auf die nächsten Runden im Rahmen von „Belief“.

Tags: BELIEF

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