Museumkoffer „Vergissmeinnicht“ – Vorschul- und Grundschulkinder werden mit den Themen Sterben und Tod, Trauern und Erinnern vertraut gemacht

Das Logo des Museums für SepulkralkulturNeudietendorf, 19. Juni 2017. Beim Fachtag „Sterben und Tod – ein Thema mitten im Leben?!“ zum Abschluss des Erasmus-Projektes „Belief“ in Neudietendorf an diesem Dienstag wird auch ein Museumskoffer vorgestellt. „Vergissmeinnicht“ heißt er und ist eine didaktische Einheit zu den Themen Sterben und Tod, Trauern und Erinnern, entwickelt für Vorschul- und Grundschulkinder.

Der Koffer richtet sich an Kinder im Alter von 5 bis 12 Jahren, kann aber auch gut im Konfirmanden- oder Firmunterricht eingesetzt werden. Die Kinder werden in spielerischer Weise an die Themen Sterben, Bestatten, Trauern und Gedenken herangeführt. Dadurch sollen Ängste abgebaut, Hilfen zur Krisenbewältigung angeboten und wichtige soziale Fähigkeiten erlernt werden, z. B. die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, oder die Fähigkeit, zu trauern. Der Koffer kann künftig auch bei parisat ausgeliehen werden.

Der Museumskoffer „Vergissmeinnicht“, entwickelt vom Museum für Sepulkralkultur in Kassel, enthält Bilder, Arbeitsblätter, Objekte, Filme und Musikstücke, die den Einstieg in das Thema eröffnen. Stethoskope, Federn und Taschenlampen beleuchten den Tod von der medizinischen Seite. Und weil durch spielerische Elemente Berührungsängste mit dem Thema leichter überwunden werden, kann mit Schminke, Sonnenbrille und schwarzem Damenhut mit Schleier eine Beerdigung als Rollenspiel nachgespielt werden.

Entwickelt wurde „Vergissmeinnicht“ vom Museum für Sepulkralkultur in enger Zusammenarbeit mit Kaleidoskop e.V. Mitmachprojekte Frankfurt. Dank der finanziellen Unterstützung durch den Bund deutscher Friedhofsgärtner im Zentralverband Gartenbau e.V., das Kuratorium Deutsche Bestattungskultur e. V., den Bundesinnungsverband des Deutschen Steinmetz, Stein- und Holzbildhauerhandwerks und den Verband der Friedhofsverwalter Deutschlands e. V. konnte das Projekt realisiert werden.

Der Museumskoffer ist gefüllt mit Objekten, Büchern, Filmen und Vorschlägen für den kreativen Umgang mit den Themen Sterben und Tod, Bestatten, Trauern und Erinnern. Mit dem Inhalt des Museumskoffers und den Anregungen im Handbuch können kleine und große Projekte umgesetzt werden, die sich mit den unterschiedlichen Facetten dieser schwierigen und ernsten Themen auseinandersetzen.

Der Zeitpunkt für die Arbeit mit dem Museumskoffer „Vergissmeinnicht“ kann sehr unterschiedlich sein. Er hängt sehr davon ab, ob das Thema in der Klasse bzw. Kindergruppe akut ist, zum Beispiel durch einen Trauerfall in einer Familie, durch eine große Katastrophe oder den Tod einer bekannten öffentlichen Figur. Ausgangspunkt aller Bearbeitung wird dann das aktuelle Geschehen sein, der Themenkomplex „Tod und Trauer“ wird thematisch im Vordergrund stehen.

Wenn die allgemeinen Trauertage (Totensonntag, Allerseelen, Volkstrauertag) zum Anlass genommen werden, so können die Themenblöcke „Trauern“ und „Erinnern“ als Einstieg dienen.
Es wäre für die Kinder sicher günstig, wenn die Auseinandersetzung mit Sterben und Tod zu einem Zeitpunkt stattfinden könnte, der nicht durch Vorgänge wie die oben geschilderten geprägt ist. So können sie unbelasteter ein tragfähiges inneres Fundament aufbauen, auf das in akuten Trauer- und Abschiedssituationen zurückgegriffen werden kann.

Falls eine Projektwoche ohne speziellen äußeren Anlass geplant ist, so kann es hilfreich sein, die Kinder zu bitten, Objekte/Fotos oder ein selbst gemaltes Bild mitzubringen, das für sie mit dem Thema Tod, Abschied, Trauern und Erinnern in Verbindung steht.

Die Sammlung der Kinder wird durch Objekte, Fotos und Bücher aus dem Museumskoffer ergänzt. In der Schachtel „Einstimmung und allgemeines Ambiente“ befinden sich hierfür einige Objekte, die zu Gesprächen und Assoziationen anregen, bzw. eine ruhige Stimmung unterstützen können.
Der Museumskoffer kann bei parisat ausgeliehen werden. Weitere Informationen unter der E-Mail-Adresse

Die Fachtagung in Neudietendorf steht am Ende einer europäischen Lernpartnerschaft. In ihr wurden die Fragen einer guten Hospiz- und Palliativversorgung am Ende des Lebens angesprochen. Die Teilnehmenden informierten sich über Erfahrungen in verschiedenen europäischen Ländern und sprachen über Strukturen und Entwicklungen. Im Dialog untereinander spielten kulturelle Aspekte eine wichtige Rolle. Klar wurde, dass auch in diesem Feld auf unterschiedlicher Ebene voneinander gelernt werden kann.

Allen gemeinsam ist die Erkenntnis, dass Sterben und Tod wichtige Teile eines erfüllten Lebens sind, von denen wir uns aber im Ringen um fortdauernde Gesundheit, Schönheit und hohem Lebensalter immer weiter entfernen. Das Sterben gehört nicht mehr zum integrierten Leben – je mehr wir uns von unseren historischen Wurzeln entfremden. Es wird immer mehr zu einem tabuisierten Thema – und ist doch mitten unter uns.

Informationen zum Fachtag unter www.parisat.dewww.parisat.de

 

Tags: BELIEF, Museum für Sepulkralkultur, Museumkoffer Vergissmeinnicht

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