In Thüringen sind 2021 acht Prozent der Rentner von Altersarmut bedroht – Risiko steigt stark an – Paritätischer fordert Kurswechsel in der Rentenpolitik

Wachsende Altersarmut auch in ThüringenNeudietendorf, 22. November 2017. Das Risiko, m Alter in Armut zu leben, steigt mit jedem neuen Rentenjahrgang dramatisch an. Das zeigen neue Berechnungen der Forschungsstelle des Paritätischen Gesamtverbandes. Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Anteilder älteren Menschen unter 70, die auf Grundsicherung im Alter angewiesen sind, verdoppelt. In Thüringen wird sich nach Berechnungen der Forschungsstelle die Anzahl der Rentner, die in Thüringen von Altersarmut betroffen sind, bis zum Jahr 2021 auf acht Prozent erhöhen. Im Jahr 2011 lag die Altersarmutsquote noch bei etwa drei Prozent in Thüringen. Besonders stark ist der Anstieg der Altersarmut bei Männern über 65 in Ostdeutschland, so die Experten des Paritätischen. Sie führen das vor allem auf die gebrochenen Erwerbsbiografien nach der Wende in Ostdeutschland zurück.


Nach den Zahlen der Forschungsstelle wird die Zahl der von Altersarmut betroffenen Rentner 2021 in Erfurt mit 11,8 Prozent, in Weimar mit 11,5 Prozent und in Gera mit 10,9 Prozent am höchsten sein. In Hildburghausen und Schmalkalden-Meiningen werden mit 4,2 bzw. 5,1 Prozent die geringsten Armutsquoten prognostiziert (eine nach Kreisen aufgeschlüsselte Liste finden Sie im Anhang).

„Die Zahlen und Berechnungen zeigen, dass ein sofortiger Kurswechsel in der Alterssicherungspolitik notwendig ist“, unterstreicht der Landesgeschäftsführer des Paritätischen, Stefan Werner. Dazu zählt insbesondere eine Anhebung des Rentenniveaus auf 53 Prozent und die Einbeziehung aller Erwerbstätigen in die gesetzliche Rentenversicherung. „Die Alterssicherung würde damit auf eine gerechtere, solidarischere und solidere Basis gestellt“, so Werner. Zeiten der Ausbildung, Erziehung und Pflege sollten bei der Rentenberechnung ebenfalls besser als bisher berücksichtigt werden. Mit Blick auf den aktuellen Rentenversicherungsbericht appelliert der Paritätische an die Politik, nicht auf Beitragssenkungen zu setzen, sondern stattdessen die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung zu verbessern.

Die gebrochenen Erwerbsbiografien nach der Wende führen zu niedrigeren Rentenansprüchen im Osten, die auch nicht durch private Vorsorge kompensiert werden kann. Für die private Vorsorge fehlt vielen Geringverdienern zum einen das Geld. Zum anderen fehlt den meisten Rentnern in Ostdeutschland auch eine Absicherung durch eine betriebliche Altersversorgung. In den neuen Bundesländern, so die Studie des Paritätischen, beziehen 99 Prozent der Rentnerinnen und Rentner Leistungen aus der Rentenversicherung, aber nur ein Prozent zusätzlich solche der betrieblichen Altersvorsorge. „Das Alterssicherungsniveau in Ostdeutschland steht und fällt deshalb mit der gesetzlichen Rentenversicherung, deren Leistungsfähigkeit nicht weiter geschwächt werden darf“, so Werner.

„Lange Zeit war das Armutsrisiko älterer Menschen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung unterdurchschnittlich. Die Menschen konnten darauf hoffen, dass sie im Alter in der Regel einigermaßen abgesichert sind. Dies hat sich in den vergangenen zehn Jahren drastisch verändert: Die Armut von Rentnerinnen und Rentnern ist so stark gestiegen wie bei keiner anderen Bevölkerungsgruppe. Altersarmut ist kein drohendes Problem am Horizont, sondern heute bereits bittere Realität“, so Dr. Joachim Rock, Rentenexperte des Paritätischen Gesamtverbands.

Tags: Rentenniveau, Rente, Altersarmut

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