Paritätischer warnt vor geplanten Ankerzentren für Asylbewerber – „Zunehmende Abkehr von der Willkommenskultur“

FlüchtlingeBerlin/Neudietendorf, 6. Juni 2018. Mit „einem Brandbrief“ – so die Frankfurter Rundschau – hat sich der Paritätische Gesamtverband an die Innenminister von Bund und Ländern gewandt. Der Verband betrachtet mit großer Sorge die jüngsten Pläne der Bundesregierung zur Etablierung so genannter „Ankerzentren“ für Asylbewerber. Diese geplanten Einrichtungen machten die zunehmende Abkehr von der Willkommenskultur in Deutschland besonders deutlich, heißt es in dem Schreiben.


Durch solche Maßnahmen würden populistische und rechte Stimmen zunehmend gesellschaftsfähig gemacht. Notwendig sei aber eine Diskussion um eine menschenrechtsorientierte und humane Aufnahmepolitik und Integration. Stattdessen werde der Fokus mehr und mehr auf Kontrolle, Abschreckung, Abschottung und Ausgrenzung verlagert

Der Paritätische kritisiert, dass die geplanten Ankerzentren bis zu 1500 Plätze umfassen sollen. Das sei äußerst problematisch und führe zu zunehmenden psychischen Belastungen, Erkrankungen und Konflikten. Die Forderung des Paritätischen: Unterbringung in kleineren, dezentralen Aufnahmeeinrichtungen sowie eine möglichst frühzeitige Unterbringung in Wohnungen.

Die Asylbewerber sollten sich höchstens drei Monate in den Erstaufnahmeeinrichtungen aufhalten. Es bestehe aber die Gefahr, dass sich die Asylbewerber jahrelang in diesen Einrichtungen aufhalten müssten – mit allen damit verbundenen Problemen. Sie wären ausgeschlossen von sozialen Kontakten, Beratungsmöglichkeiten, Integrations- und Partizipationsmöglichkeiten und dem Zugang zum Arbeitsmarkt. Das sei unzumutbar und bedeute bei Kindern und Jugendlichen einen Verstoß gegen die UN-Kinderrechtskonvention.

Der Zugang zu Regel-Kitas bzw. der Aufbau frühkindlicher Bildung, Regelschulen, lntegrationskursen, (berufsbezogenen) Sprachangeboten, Arbeits- und Ausbildungsförderung sowie dem Arbeitsmarkt sollte – so die Forderung des Paritätischen - spätestens drei Monate nach Ankunft unabhängig vom Aufenthaltsstatus oder der
vermeintlichen Bleibeperspektive erfolgen.

Der Verband fordert außerdem faire Asylverfahren. Eine unabhängige, flächendeckende Asylverfahrensberatung müsse gewährleistet sein.
Weitere Informationen:
http://www.fr.de/politik/flucht-zuwanderung/ankerzentren-paritaetischer-wohlfahrtsverband-ruegt-innenminister-a-1518225

 

Tags: Flüchtlinge, Asylsuchende, Asylrecht, Asylanerkennung, Ankerzentren

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