Gesetz zur Reform der Pflegeberufe - wie kann es gelingen?

Alexander Raths - fotalia.comNeudietendorf, 14. September 2018. Die Zeit drängt: Bereits im Jahr 2020 tritt das Gesetz zur Reform der Pflegeberufe in Kraft. Dieses vereint die bisher getrennten Ausbildungen in der Gesundheits- und Krankenpflege, Altenpflege sowie Kinderkrankenpflege. Damit sich sowohl Schulen als auch Einrichtungen in der verbleibenden Zeit auf die damit verbundenen Veränderungen vorbereiten können, braucht es baldige Sondierungsgespräche mit allen Beteiligten.


Der Paritätische Thüringen begrüßt grundsätzlich die Reform der Pflegeausbildung, sieht allerdings auf Landesebene dringenden Handlungsbedarf bei der Ausgestaltung des Gesetzes. „Was in Thüringen bisher fehlt, sind Antworten seitens des Sozialministeriums auf elementare Fragen zur inhaltlichen und organisatorischen Umsetzung“, sagt Stefan Werner, Landesgeschäftsführer des Paritätischen. „So ist weder geklärt wie ein gemeinsames Curricula für die bislang eigenständigen Berufsbilder aussieht, noch wie die Umstellung in Thüringen erfolgen kann.“ Das Bundesgesetz gibt den Rahmen vor, die konkrete Ausgestaltung obliegt den Ländern. Zu bedenken ist etwa: Die Schulen müssen zukünftig drei Bereiche parallel (generalistische Ausbildung, Altenpflege und Pädiatrie) ausbilden. Hierfür braucht es, wenn schon nicht eigenes Lehrpersonal, doch zumindest Ausbildungs- und Kooperationsverbunde. Dies ist in einem Jahr, das bis zum Inkrafttreten des Gesetzes bleibt, fast nicht mehr realisierbar – insbesondere dann, wenn von politischer Seite die Grundzüge der künftigen Anforderungen und Ansprechpartner nach wie vor nicht benannt sind. Und auch dann werden sich einige Schulen überlegen müssen, ob sie ihren Lehrbetrieb aufrechterhalten können.

Für die Ausbildungseinrichtungen besteht ebenfalls Handlungsbedarf. Die in der Gesetzesnovellierung vorgesehene intensivere Praxisanleitung soll die Qualität in der Pflege erhöhen. Zudem bietet eine enge Begleitung die Chance, besser auf individuelle Bedarfe und Probleme bei Auszubildenden einzugehen und so die Abbruchquote zu verringern. Um diese engmaschige Betreuung jedoch vorhalten zu können, müssen Einrichtungen ihren Praxisanleitern die zeitlichen Ressourcen schaffen und gleichzeitig die personelle Lücke füllen, die dann in der Pflege durch den fehlenden Kollegen entsteht. Schon heute ist erkennbar, dass es zusätzliche Praxisanleiter braucht. Auch hier wäre eine zeitnahe Konkretisierung der gesetzlichen Vorgaben wünschenswert. Fragen wirft auch der Aspekt der Finanzierung der Reform auf. Auch hier ist noch nicht klar, wie diese konkret erfolgen soll, welche Anschubfinanzierung es für die Schulen und Träger zur Umsetzung der Reform gibt.
Dies sind nur einige Fragen, die es alsbald zu klären gilt, um die Umsetzung der Reform der Pflegeberufe auf einen guten Weg zu bringen. „Denn unser gemeinsames Ziel sollte es sein, am Ende mehr junge Menschen für eine Ausbildung in der Pflege zu gewinnen und dafür entsprechende, funktionierende Strukturen vorzuhalten“, so Stefan Werner. Genau dafür braucht es Kommunikation - mit allen am Prozess beteiligten.

Zum Hintergrund:
Die stetig wachsende Anzahl an pflegebedürftigen Menschen mit zum Teil komplexer werdenden Pflegebedarfen stellt Einrichtungen der Altenpflege, aber auch Krankenhäuser vor vielfältige Herausforderungen. Hinzu kommt eine zunehmende Professionalisierung in der Pflege. Nicht zuletzt deshalb gilt es, die Attraktivität und die Qualität der Ausbildung in der Pflege zu steigern. Attraktive Rahmenbedingungen in der Ausbildung und die Durchlässigkeit zwischen späteren Einsatzgebieten sind elementar, um auch künftig Nachwuchs für den Bereich der Pflege zu gewinnen. Denn nur eine ausreichende Zahl an Pflegekräfte kann perspektivisch eine qualitativ gute Pflege und Betreuung leisten. Das Pflegeberufereformgesetz soll die Voraussetzungen für eine möglichst lange Berufskarriere, für lebenslanges Lernen und nicht zuletzt für Durchlässigkeit in den Pflegeberufen schaffen. So werden die Ausbildungen der Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege in einer zweijährigen gemeinsamen generalistische Pflegeausbildung zusammengeführt. Danach können sich die Pflegeschüler auf Kinderkranken- oder Altenpflege spezialisieren oder einen generalistischen Pflegeabschluss erlangen. Die Ausbildung dauert, wie bisher auch, drei Jahre. Mit dem generalistischen Abschluss kann man in allen Bereichen der Pflege tätig werden. Zudem sieht das Gesetz die Schuldgeldfreiheit und eine erhöhte Praxisanleitung vor.

Foto: fotolia - Alexander Raths

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