Armut ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen

Der Paritätische Gesamtverband stellt den diesjährigen Armutsbericht vor

2018 ArmutsberichtIn Thüringen sind laut den Zahlen der Statistikämter des Bundes 16,3 % Menschen von Armut betroffen. Damit liegt der Freistaat bundesweit im Mittelfeld. Im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich ein Rückgang um 0,9 %. Rein rechnerisch bedeutet dies aber immer noch, dass rund 350.000 Bürgerinnen und Bürger in Thüringen als arm gelten.
„Die Zahlen sind – auch bei leichtem Rückgang – alarmierend“, sagt Landesgeschäftsführer Stefan Werner.
Und sie sagen noch nichts über die Menschen dahinter aus. Genau das nimmt der diesjährige Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes in den Blick. Wer sind die rund 13,7 Millionen armen Menschen in unserem Land? Sicherlich, wir wissen, es gibt Bevölkerungsgruppen, die ein besonders hohes Armutsrisiko tragen. Es sind, wenig überraschend, Arbeitslose (62,9 %), Alleinerziehende (40,2 %), kinderreiche Familien (30,0 %), Migrierende (27,5 %) oder Menschen mit niedrigen Bildungsabschlüssen (28,8 %).
Betrachtet man allerdings die Gesamtheit der Armen in Deutschland unter verschiedenen Gesichtspunkten, zeichnet sich noch ein anderes, zuweilen unerwartetes Bild. So gehen erwachsene arme Menschen zumeist einer Erwerbstätigkeit (33,2 %) nach oder sind in Rente beziehungsweise Pension (24,8 %). Lediglich 21,0 Prozent der einkommensarmen Erwachsenen sind arbeitslos. Bei den Alleinerziehenden ist auffällig, dass etwa die Hälfte (49,9 %) erwerbstätig ist und rund drei Viertel (75,4%) über ein mittleres oder hohes Bildungsniveau verfügt. Die Mehrheit der Armutsbetroffenen ist nicht arbeitslos. Ihre Armutslage hat keine individuellen Ursachen, sondern strukturelle. Sie resultiert aus einem Mangel an Einkommen. „Es sind eben nicht nur sogenannte „Randgruppen“ von Armut gefährdet, sondern es ist ein gesamtgesellschaftliches Thema“, sieht Stefan Werner mit dem nun vorgelegten Bericht bestätigt. „Entsprechend müssen wir nicht nur unser Verständnis von Armut korrigieren, sondern auch die politischen Maßnahmen zur Bekämpfung daran anpassen.“ Werner plädiert für steuerpolitische Maßnahmen und eine ausreichende Existenzsicherung für von Armut betroffene Kinder und Jugendliche im Freistaat. Der Paritätische Thüringen fordert, mit politischen Maßnahmen die soziale Ausgrenzung abzubauen, um allen Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.

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