30 logo

Beiträge

Neue Studie aus Jena: Diskriminierung macht krank und schwächt das Demokratievertrauen

Das Logo des IDZErfurt/Neudietendorf, 18. Dezember 2017. Benachteiligt, herabgewürdigt oder sogar angegriffen zu werden, nur weil man einer bestimmten Gruppe zugeordnet wird, geht anden Betroffenen nicht spurlos vorbei. Das hat jetzt eine neue Untersuchung des in Jena beheimateten Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft in Thüringen unterstrichen. Diskriminierung macht krank und schwächt das Vertrauen in demokratische Institutionen und das Sicherheitsgefühl, so das zentrale Ergebnis dieser Untersuchung. Diese Auswirkungen verstärken sich, wenn Betroffene zusätzlich Opfer von Hasskriminalität werden. Die Daten zeigen, dass auch in Thüringen Sexismus sehr viel stärker angegangen werden muss.


167 von Diskriminierung Betroffene hatten an der Studie teilgenommen. Von ihnen berichteten 80 Prozent über Ausgrenzung und Beleidigungen in persönlichen Begegnungen, 59 Prozent von sexualisierten Kommentaren und 46 Prozent von Hasssprache im Internet (Mehrfachantworten waren möglich). 77 Prozent fühlten sich von einer herabwürdigenden Darstellung ihrer sozialen Gruppe in den Medien betroffen.

Von institutioneller Diskriminierung fühlten sich über ein Drittel der Teilnehmenden betroffen: 35 Prozent erlebten eine diskriminierende Ablehnung bei einer Bewerbung, 32 Prozent fühlten sich ohne Verdacht kontrolliert (z.B. von Polizei, Einlasspersonal). Auf die Frage, aufgrund welches Merkmals sich die Teilnehmenden diskriminiert fühlten, antworten unter anderem 46 Prozent „Geschlecht“, 41 Prozent „Weltanschauung“, 21 Prozent „Herkunft“ und 20 Prozent „sexuelle Orientierung“. Nur 27 Prozent gaben ein einziges Merkmal als Diskriminierungsgrund an, 21 Prozent vermuteten zwei und 27 Prozent vermuteten drei Merkmale.

Korrelationsanalysen zeigen zum einen die Zusammenhänge zwischen der ansteigenden Häufigkeit erlebter Diskriminierung mit dem sinkenden Vertrauen in politische Institutionen (wie Landesregierung, Polizei), dem abnehmenden Sicherheitsgefühl im Bundesland und der schlechteren Gesundheit auf. Auch die Anzahl der Merkmale aufgrund derer Betroffene Diskriminierung erleben, wirkt sich negativ aus.
Dr. Janine Dieckmann vom idz weist noch auf ein anderes Merkmal der Studie hin: „Wir waren überrascht von der Menge der sexualisierten Übergriffe, die Frauen in unserer Umfrage berichteten. Unsere Ergebnisse zeigen, dass auch in Thüringen das Problem Sexismus auf verschiedenen Ebenen stärker angegangen werden muss.“

Aus den Ergebnissen der Betroffenenumfrage leitet sich ab, dass öffentliche Debatten stärker auf mehrdimensionale Diskriminierung fokussieren sollten: Welche besonderen Herausforderungen haben Menschen, die mehreren Diskriminierungsgründen ausgesetzt sind, etwa homosexuelle Geflüchtete oder Frauen mit Behinderung. „Es ist höchste Zeit auf Landesebene über die gesamtgesellschaftliche Verantwortung gegenüber Betroffenen zu diskutieren. Bildungsmaßnahmen in Form von Workshops als einzige Antidiskriminierungsmaßnahme durchzuführen, reicht lange nicht aus. Vor allem individualisiert dieser Ansatz ein sozial generiertes Problem. Um die Betroffenen nicht allein zu lassen, ist die Einrichtung von niedrigschwelligen community-basierten Beratungsstellen mit professionellen Standards wichtig,“ empfiehlt Janine Dieckmann.

Über die Studie: 167 Personen aus Thüringen, die sich selbst als Betroffene von Diskriminierung wahrnahmen, nahmen an der Online-Befragung im Zeitraum Juli bis September 2017 teil. Die Stichprobe ist selbstselektiv und nicht repräsentativ für die unbekannte Grundgesamtheit aller in Thüringen von Diskriminierung Betroffenen.

Weitere Infos: http://www.idz-jena.de/

 

 

Tags: Diskriminierung,, IDZ Jena

Drucken

Diese Webseite verwendet Cookies, um die Bedienfreundlichkeit zu erhöhen. Weitere Informationen: