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Ausbildungsmarkt: Jugendliche Migranten und Hauptschüler benachteiligt – Experten: Ausbildungsbarrieren für Geflüchtete abbauen, Lernschwache stärker fördern

Verstärkte Integrationsbemühungen auf dem AusbildungsmarktNeudietendorf, 19. Dezember 2017. Zwei Gruppen von jungen Menschen sind am Thüringer Ausbildungsmarkt aktuell deutlich benachteiligt: Das sind zum einen Jugendliche mit Hauptschulabschluss und zum anderen ausländische Jugendliche. Das geht aus einer neuen Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung hervor, die den Ausbildungsmarkt in Deutschland und in Thüringen unter die Lupe genommen hat.


Die Empfehlung der Experten: Die Anstrengungen der Integration von ausländischen Jugendlichen in den Ausbildungsprozess müssen verstärkt werden. Außerdem müssen durch gezielte Förderungsmaßnahmen die ungünstigen Abschlussquoten im dualen Ausbildungssystem verändert werden. 30 Prozent aller Azubis lösen ihren Ausbildungsvertrag in Thüringen vorzeitig, mit 72 Prozent liegt die Zahl derjenigen, die eine Ausbildung erfolgreich abschließen, deutlich unter dem Bundesschnitt. Die Autoren der Studie erkennen zwar an, dass Thüringen schon einiges unternommen hat, um diesem Trend entgegenzuwirken, sehen aber trotzdem noch Handlungsbedarf.

Insgesamt beurteilen sie die Lage am Thüringer Ausbildungsmarkt optimistisch, führen das vor allem aber auf die demografische Entwicklung zurück. In den letzten zehn Jahren hat sich zwar das Angebot an Ausbildungsplätzen halbiert, gleichzeitig ist aber auch die Nachfrage noch stärker geschrumpft. Hier bahnen sich empfindliche Engpässe in der Sicherung des Fachkräftenachwuchses an, so die Studie. Von diesem Trend ist auch die Sozialwirtschaft nicht ausgenommen. Deshalb sind auch hier verstärkte Anstrengungen nötig, um den Fachkräftebedarf weiter decken zu können. Mit verschiedenen Projekten ist hier der Paritätische Thüringen schon seit längerem unterwegs.

Vor diesem Hintergrund sieht die Studie große Chancen, wenn es gelingt, die in den letzten beiden Jahren zugewanderten Personen in Thüringen in den Ausbildungsmarkt zu integrieren. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Ausbildungsbarrieren für diese Gruppen weiter abgebaut werden.

Thüringen steht nach Meinung der Experten deshalb vor zwei Problemen: Zum einen muss die Qualität der beruflichen Ausbildung verbessert werden. Das gilt für eine schnellere Integration von jugendlichen Migranten, aber auch für eine stärkere Förderung von lernschwächeren Schülerinnen und Schülern. Vorgeschlagen werden Maßnahmen zur Verbesserung der Berufsorientierung sowie die Unterstützung erfolgreicher Ausbildungsprozesse von Politik und den Akteuren selbst. Eine zweite Herausforderung sehen die Fachleute in der Bereitstellung von attraktiven Ausbildungsplätzen im oberen Berufssegment, damit leistungsstarke potenzielle Ausbildungsbewerber nicht in andere Bundesländer abwandern.

Tags: Ausbildung, Ausbildungsmarkt

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