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ASB Sömmerda: Ein Refugium für die Flüchtlinge

Im Sommer wurde das Refugium in Sömmerda eröffnetSömmerda, 14. September 2015. Wenn Christian Karl in diesen Tagen nach der größten Herausforderung für den ASB Sömmerda gefragt wird, ist die Antwort eindeutig: Die Betreuung der Flüchtlinge, die im Landkreis Sömmerda Schutz und Hilfe und eine neue Heimat suchen.
„Refugium“ steht in großen Lettern über der Eingangstür des ASB Sömmerda. Hier hat der Verband einen Zufluchtsort, ein Refugium im besten Sinne des Wortes geschaffen – einen Platz, an dem sich Einheimische und Flüchtlinge begegnen können. In vielen Sprachen gibt es dort Wegweiser für Flüchtlinge, aber auch für deutsche Besucher, die sich für Flüchtlinge engagieren wollen. „Refugees welcome“ (Flüchtlinge willkommen) ist das Motto der Arbeit des ASB in Sömmerda, der seit mehr als einem Jahr die Betreuung der Flüchtlinge im Landkreis übernommen hat.


Vor zwei Wochen waren es noch 350 Flüchtlinge, die betreut werden mussten, die Zahl ist seither weiter gestiegen, Ende des Jahres rechnet ASB-Geschäftsführer Christian Karl mit 600 geflüchteten Menschen, die in Sömmerda Hilfe brauchen – oder noch mehr. „Jeder Tag ist herausfordernd“, sagt Karl. Der ASB-Geschäftsführer ist jemand, der gern die Ärmel hochkrempelt und anpackt. „Wir versuchen, das Bestmögliche zu erreichen“, sagt er. Mit Hauptamtlichen allein ist die Arbeit aber nicht zu stemmen – das ist in Sömmerda nicht anders als an vielen anderen Orten in Thüringen auch. „Wir haben viele ehrenamtliche Helfer“, sagt Karl und lobt deren Arbeit und Engagement für die Menschen in Not. Die bieten sich als Übersetzer an oder auch als Stadtführer, die den neu angekommenen Menschen gerne ihre neue Heimat näher bringen wollen.
Vier Sozialbetreuer und Sozialbetreuerinnen sind für die Flüchtlinge hauptamtlich tätig, kümmern sich um sie, besorgen Wohnraum, sind bei Behördengängen dabei oder organisieren Kita- oder Schulanmeldungen. Vorrangig bei der Hilfe ist für Karl auch die Organisation von Sprachkursen. Bei den vier Hauptamtlichen kann es angesichts der vielen Flüchtlinge, die täglich neu hinzukommen, nicht bleiben, so Karl. Wenn die Prognosen auf dem derzeitigen Stand bleiben, dann geht er zum Jahresende von sechs Mitarbeitenden in diesem Bereich aus. Eine Stelle kommt derzeit auf 150 zu betreuende Flüchtlinge – auch hier wünscht sich Karl Veränderungen am Personalschlüssel. . „Je mehr Personal wir haben, um so entspannter ist die Situation“, sagt er ebenso wie die vielen anderen, die in Thüringen die Betreuung der Flüchtlinge organisieren.
Der ASB Sömmerda ist vor 25 Jahren gegründet worden. Er ging hervor aus dem ASB Buttstädt, den 1990 engagierte Bürgerinnen und Bürger der Stadt ins Leben riefen. Sie bauten einen Rettungsdienst auf. Mit dem Umzug 1992 von der alten Ambulanz in Buttstädt ins Kulturhaus nach Rastenberg wurde der Behindertenfahrdienst entwickelt, es wurden Ehrenamtliche gewonnen, die Seniorenbetreuung wurde aufgebaut, Essen auf Rädern und der Mittagstisch für Senioren ins Leben gerufen. 1993 wurde der Verein zum ASB-Kreisverband Sömmerda. „Nach 25 Jahren Vereinsgeschichte ist aus der Initiative in Buttstädt eine gemeinnützige Wohlfahrtsorganisation geworden, die ein breites Leistungsspektrum bietet, ehrenamtliches Engagement befördert und einen attraktiven Arbeitgeber der Region darstellt. Im Mittelpunkt aller Aktivitäten steht jedoch der Mensch“, bilanziert Karl. Deshalb wird im Jubiläumsjahr um Spenden für die Flüchtlinge, die im Landkreis Sömmerda betreut werden, gebeten.
Das Angebotsspektrum des ASB Sömmerda ist breit gefächert. Sieben Kitas sind in der Trägerschaft des ASB, ein Rettungsdienst an drei Standorten, es gibt umfangreiche Angebote für Senioren und Kinder, Beratung für Familien und einen Betreuungsverein, sowie einen breit aufgestellten Fahrdienst. Mit den Fahrzeugen werden Menschen, die nicht so mobil sind, zum Arzt, in die Apotheke, zum Krankenhaus oder auch zum Einkaufen gefahren. Die Nutzerinnen und Nutzer der Fahrdienste werden direkt von zu Hause abgeholt, auf Wunsch begleitet und wieder nach Hause gebracht. Der Fahrdienst wird auch Kindereinrichtungen, Vereinen, Sport- und Selbsthilfegruppen angeboten. Außerdem ist der ASB Fahrdienst auch täglich unterwegs, um Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinderungen zu Hause abzuholen und sie in die Kita, Schule oder zur Behindertenwerkstatt zu fahren.
Wenn man nach den Besonderheiten des ASB Sömmerda fragt, stößt man schnell auf zwei Objekte, die eigentlich für das Portfolio eines Sozialverbandes untypisch sind. Das eine ist das Freibad in Buttstädt, dessen Träger der ASB Kreisverband seit 2013 ist. Seinerzeit hat man es von der Gemeinde übernommen, um eine Schließung zu verhindern. Und das andere ist ein veritables Freilichtmuseum – die Funkenburg in Westgreußen. Es ist deutschlandweit einmalige Rekonstruktion einer germanischen Wehrsiedlung. Der ASB hat die Trägerschaft der Funkenburg im April 2012 übernommen und möchte das Museum als Bildungseinrichtung weiterentwickeln.

BMFSFJ DL mitFoerderzusatz RZDas Refugium wurde gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“

Tags: Flüchtlinge, Refugium, ASB Sömmerda

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