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Camsin e.V. in Weimar: Heilsame Begegnungen zwischen Mensch und Tier

Camsin e.V. in Weimar: Heilsame Begegnungen zwischen Mensch und Tier

20150620 132927 1Weimar. 23. Juli 2015. Die Pferde grasen friedlich auf der Weide, das Meckern der Ziegen hallt durch den Sommertag. Soweit das Auge schweift, ist saftiges Grün zu sehen. Mitten drin ein Bauwagen: Hier schlägt das Herz von Camsin e.V. Der Verein, Mitgliedsorganisation des Paritätischen, bietet auf dem zehn Hektar großen Freigelände am Stadtrand von Weimar tier- und naturgestützte Therapien an – zum Beispiel für Kinder, für Menschen mit Behinderungen, für psychisch Kranke. Aber auch Menschen, die einfach einmal dem alltäglichen Stress entfliehen wollen, finden hier Ruhe und Erholung. „Wir nutzen das Potential der Natur und das unserer tierischen Begleiter. Dabei ist es uns wichtig, dass die Tiere ihrer Art entsprechend gehalten werden und in einem guten seelischen und körperlichen Zustand sind“, sagt Heidrun Klingelhöfer. „Jeder, der in der Natur und mit Tieren gesunden möchte, ist uns willkommen.“


Es sind die Tiere, die häufig genug den Bann brechen. So hat es auch Gudrun Uhlig erlebt, die mit zwei Selbsthilfegruppen vor kurzem auf dem Camsin-Gelände zu Gast war – mit der Regionalgruppe Thüringen von Pro Retina e.V. und der SHG Aspis im Erwachsenenalter (Menschen mit Asperger Autismus). Sie erzählt: „Beim ersten Elterntag der SHG Eltern von autistischen Kindern/Jugendlichen" im Juni 2014 hat der Haflinger Sultan mit seinem zutraulichen und stillen Wesen, dem breiten Rücken und den dicken Backen mich sofort als Freundin gewonnen. Sultan hat keinen Turban, aber vier Beine und gehört zur Pferdeherde, die völlig natürlich auf dem weitläufigen Gelände lebt und Menschen wie mir, die sinneseingeschränkt sind, emotionale Brücken zur belebten Natur bieten.“
Es ist ein engagiertes Team, das auf dem Gelände tätig ist – ein Team mit vielen Ideen für die künftige Vereinsarbeit, aber auch mit originellen Einfällen, wie die Vereinskasse immer wieder aufgebessert werden kann. Tierpatenschaften sind ein solch erfolgreicher Weg. Derzeit gibt es neun Pferde auf dem Gelände, von denen acht für Patenschaften zur Verfügung stehen. Außerdem Hunde, Kaninchen, Meerschweinchen, Hähne. Die beiden Ziegen „Lilly“ und „Edda“ haben schon ihre Paten gefunden. Die Schokoladenmanufaktur „Goldhelm“ hat sich für „Lilly“ entschieden – und gleich auch die erste Thüringer Ziegenmilch-Schokolade kreiert. Von jeder verkauften Packung spendet „Goldhelm“-Chef Alexander Kühn 50 Cent an den Verein. Die Ziege „Edda“ hat in Stefan Kühn einen Paten gefunden, der in Erfurt das Bistro „Mundlandung“ auf der Krämerbrücke betreibt. „Ende 2013 kam Edda mit unserer zweiten Ziege Lilly zu uns. Sie sind unzertrennlich. Hätten wir sie nicht aufgenommen, wären sie zum Schlachter gekommen“, erzählt Klingelhöfer.
Auch ein anderer Einfall klingt vielversprechend: Private Ameisenpatenschaften. Dabei sollen natürlich keine Patenschaften für die kleinen Tiere übernommen werden. „Aber Ameisen sind winzig kleine Tierchen mit immensen Kräften. Was das Faszinierendste an ihnen ist: mit vielen kleinen Schrittchen und alle zusammen schaffen sie enorm große Werke“, erklärt Klingelhöfer die dahinter stehende Idee. „Ob es darum geht, den Wald aufzuräumen oder ihren Hügel zu bauen – gemeinsam und trotz augenscheinlichen Durcheinander-Gewusels haben sie immer Erfolg.“ Und mit den Ameisenpatenschaften, bei der man schon ab einem Euro pro Monat dabei ist, können die Spender helfen, genau wie eine Ameise, ein großes Vorhaben in vielen kleinen Schritten umzusetzen.“
Den ungewöhnlichen Namen bekam der 2007 gegründete Verein von einem Pferd, einem edlen Araber, den Evelyn Franke, ebenfalls Mitarbeiterin des Vereins, als Jugendliche in Pflege hatte. 2010 pachtete der Verein von der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) zehn Hektar in einem ehemaligen Militärgelände, das seit Abzug der Roten Armee brach lag. Die Gebäude standen noch und wurden 2012 von der LEG abgerissen. Schritt für Schritt richteten sich die MitarbeiterInnen auf dem großen Gelände ein, wobei der Bauwagen als ihr Hauptquartier dient, ein zweiter wartet gleich nebenan auf seine Sanierung. Ein Tipi nach indianischer Art und eine Jurte nach mongolischer Bauweise sind als Rückzugsräume auf dem weiten Gelände gut geeignet. Auch Mädchen und Jungen aus Schulen und Kindergärten sind auf dem Gelände häufig zu Gast.
Die engagierten Frauen von Camsin planen schon für die Zukunft: Sie würden auf dem Gelände, das sie mittlerweile unbefristet von der LEG gemietet haben, gerne ein festes Haus errichten. Dafür müsste die Stadt aber den Flächennutzungsplan für das Gebiet ändern. Und sie wollen eine Stiftung ins Leben rufen, um ihre ganzen Ideen auch finanziell auf eine solide Basis zu stellen und umsetzen zu können. Dafür werden auch noch Stiftungsgründer gesucht.
Wer sich einen Eindruck von dem Gelände und der Arbeit des Vereins machen will, der hat dazu am Sonnabend, 5. September, die Gelegenheit. Dann lädt der Verein von 11 bis 17 Uhr an der Weimarer Marienhöhe zu einem „Tag des offenen Tores“.
Weitere Infos unter www.camsin.de

Tags: Mitgliedsorganisation, Camsin e.V., Tiergestützte Therapie

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