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Förderzentrum in Ichtershausen: Jugendlichen den richtigen Weg weisen

Soziales Klassentraining zur Gewaltprävention  bietet das Förderzentrum in Ichtershausen ebenfalls anIchtershausen, 27. Juli 2015. Der junge Mann wird provoziert. „Schau Dich doch an, wie Du aussiehst“. Kraftausdrücke fallen. Es heißt aushalten, durchhalten Es ist ein Training bis an die physischen und psychischen Belastungsgrenzen. So lernen die jungen Leute durchzuhalten, die Fäuste zwar zu ballen, aber nicht zuzuschlagen.  120 Stunden umfasst das Anti-Gewalt-Training. Diejenigen, die hier teilnehmen, sind schon mehrfach durch aggressives Verhalten aufgefallen oder auch schon strafrechtlich in Erscheinung getreten sind. Gerichte verhängen solches Anti-Gewalt-Training als eine mögliche Auflage, aber auch eine private Anmeldung beim Förderzentrum in Ichtershausen ist möglich.


Carsten Schnieke ist Sozialpädagoge, zertifizierter Antigewalt- und Deeskalationstrainer und auch Leiter des Förderzentrums für Gewaltprävention, Resozialisierung und Konfliktmanagement. Sitz dieses Förderzentrums ist Ichtershausen, dort, wo sich auch Thüringens Jugendstrafvollzugsanstalt befindet. Die Arbeit mit dort inhaftierten Jugendlichen, ihre Begleitung und auch das Übergangsmanagement bei der Haftentlassung ist ein Teil der Arbeit des Förderzentrums, das Mitglied im Paritätischen ist. Aber es ist nicht das einzige Aufgabengebiet. Angeboten werden auch soziales Klassentraining zur Konfliktlösung innerhalb einer Klassengemeinschaft. Dort lernen Schülerinnen und Schüler, wie man mit Mobbingsituationen umgeht, wie man in einer Konfrontation selbstbewusst auftritt und nicht schon durch sein Verhalten noch mehr provoziert sondern deeskaliert.
Konfrontative Pädagogik heißt für Carsten Schnieke, verstehen, aber nicht einverstanden sein. Er ist begeisterter Karate-Sportler. Karate Do ist seine Leidenschaft. Im Karateverein Arnstadt trainiert er schon seit vielen Jahren Kinder, Jugendliche und Erwachsene und versucht, Ihnen die positiven werte des Karate Do nahe zu bringen. Sein Leitsatz dabei: „Im Karate do gibt es keinen ersten Angriff“.
Die Klienten, die Schnieke und seine MitarbeiterInnen betreuen, sind nicht einfach, brauchen Zuwendung, müssen erst Vertrauen aufbauen. Etwa 20 Stunden benötige man, die jungen Menschen dazu zu bringen, dass sie miteinander arbeiten, hat er in einem Interview mit der TA berichtet. Es ist für die aus schwierigen sozialen Verhältnissen stammenden Kursteilnehmer oft genug schwer, Empathie zu entwickeln. Ein Großteil kommt aus sozial benachteiligten Milieus, ist schon von früh an mit Alkohol oder Drogen konfrontiert worden. „Wichtig ist es, eine gute Arbeitsbeziehung zu entwickeln“, sagt Schnieke. Ohne eine solche Beziehung kommt man an die Jugendlichen nicht heran. Zuhören, Verständnis haben nimmt deshalb einen Großteil der Arbeitszeit ein.
Stabilisierung ist ein weiteres wichtiges Stichwort. Und das heißt, den jungen Menschen beibringen, wieder einen geregelten Tagesablauf zu haben – eine Voraussetzung, um sie für den ersten Arbeitsmarkt fit zu machen. Der Tag wird fest strukturiert, soziales Kompetenztraining wird angeboten. Hier werden junge Menschen betreut, die von der Bewährungshilfe oder den Gerichten zugewiesen wurden, um die Auflage zu erfüllen, eine gewisse Anzahl gemeinnütziger Stunden abzuleisten. Auch Kunden der Jobcenter, die starke Vermittlungshemmnisse aufweisen, gehören zu den Zielgruppen. Im Förderzentrum gibt es dafür verschiedene ergotherapeutische Angebote wie beispielsweise eine Holzwerkstatt, in der kleinere Möbelstücke aufgearbeitet werden oder auch Schmuck hergestellt wird.
Im vergangenen Jahr wurden über 100 junge Menschen von dem Verein betreut. Eines der größten Probleme, mit denen die MitarbeiterInnen immer wieder konfrontiert werden, ist die Droge Crystal Meth. „Mittlerweile gibt es unter unseren Klienten kaum noch welche, die drogenfrei sind“, beklagt Schnieke.
Der gemeinnützige Verein wurde 2008 gegründet. Er heißt „Projekt Do – Förderzentrum für Gewaltprävention, Resozialisierung und Konfliktmanagement“. Do ist japanisch und heißt „Der Weg“ Und das ist auch das Programm: Auf den Weg sollen die jungen Menschen wieder gebracht werden, die gestrauchelt sind oder zu straucheln drohen, ihnen soll der Weg in eine bessere Zukunft, eine Zukunft ohne Gewalt und ohne Haftanstalt gewiesen werden.
Doris Haak ist Sozialarbeiterin und zertifizierte Suchtberaterin. Sie betreut seit vielen Jahren als externe Vollzugshelferin jugendliche Strafgefangene in Ichtershausen. Außerdem kümmert sie sich um die Vorbereitung der Haftentlassung. „Resozialisierung heißt für mich Begleitung“, sagt sie. „Viele der jugendlichen Strafgefangenen sind familiengelöst und brauchen Unterstützung von außen, um später in Freiheit überhaupt eine Chance zu haben.“ Die Jugendlichen werden auf die Zeit nach der Haft sorgfältig vorbereitet, ihnen wird Wohnraum vermittelt, ihnen wird der Weg zu anderen, schon bestehenden Hilfesystemen gezeigt. Sie werden unterstützt bei der Suche nach einem Arbeits- oder Ausbildungsplatz. „Das Wichtigste ist es, ihnen erst einmal ein Dach über dem Kopf zu geben“, so Schnieke. Denn auf dem freien Wohnungsmarkt haben sie zunächst keine Chance auf eine Wohnung. Allerdings müssen die Jugendlichen auch bereit sein, diesen Weg zu gehen. Denn ihre Betreuung basiert auf einem Antrag und dem Prinzip der Freiwilligkeit.
Erfreulich findet es der Vereinschef und überzeugte Karate-Sportler, wenn ehemalige Klienten sich melden und ihm schildern, dass sie wieder Fuß gefasst haben, das der Weg, den er und seine MitarbeiterInnen ihnen aufgezeigt haben, der richtige gewesen ist. Das sind immer wieder Augenblicke, die ihn in seiner Arbeit bestätigen.

Tags: Förderzentrum Ichtershausen, Gewaltprävention, Konflikttraining, Anti-Gewalt-Training

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