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"Gleichmaß e.V." aus Gera engagiert sich für familiäre Chancengleichheit - Projektarbeit auch für von häuslicher Gewalt betroffene Männer

Das Logo von Gleichmaß e.V. aus GeraGera, 22. Juli 2015. Wenn zwei Partner sich trennen, ist das ein schwieriger Prozess, verbunden oft genug mit inneren Verletzungen und besonders problematisch, wenn Kinder davon betroffen sind. Tristan Rosenkranz und seine Mitstreiter wissen das. Etwa 25 Trennungsfälle begleitet der Geraer Verein Gleichmaß e.V., eine Mitgliedsorganisation des Paritätischen, pro Jahr intensiv und in etwa 130 weniger intensiven Fällen gewährt er Unterstützung. Dabei geht es nicht nur um Hilfe bei Anträgen und Schriftsätzen, Begleitung zu Behörden und Gerichten, sondern auch um intensive Gespräche, um Zuhören und Verständnis haben. „Wir stehen für familiäre Chancengleichheit und damit kindliche Chancengleichheit in den Familien“, sagt Vereinsvorsitzender Tristan Rosenkranz. Er weiß aus eigener Erfahrung und aus den zahlreichen seither geführten Gesprächen, dass er nicht der einzige Vater ist, der sich oft jahrelang vor Gericht um den Umgang mit den Kindern aus einer gescheiterten Beziehung streiten muss. Und der Zuspruch, den der Verein erfährt, zeigt, dass es in vielen Fällen so ist, dass Väter nur mit Zähigkeit und Beharrungsvermögen erreichen können, das eigene Kind für ein paar Stunden sehen zu können.

Rosenkranz betont, dass es für ihn und die anderen Vereinsmitglieder keine Rolle spielt, ob die betroffene Person weiblich oder männlich ist. Allerdings verweist er auch darauf, dass es erfahrungsgemäß überwiegend die Männer sind, die um ihr Sorgerecht oder den Umgang mit den Kindern kämpfen müssen. Und das meist sehr lange. Deshalb ist ein Großteil derjenigen, die bei Gleichmaß Hilfe suchen, männlichen Geschlechts. „Wir stehen für Dialog und Deeskalation und handeln über Geschlechter-, Bildungs- Konfessionsgrenzen sowie Grenzen der Hautfarbe hinweg,“ sagte er erst kürzlich in einem Interview mit der „Ostthüringer Zeitung“ (OTZ).
Der Vereinsgründer von Gleichmaß e.V.: Tristan RosenkranzDer Verein wurde 2009 aus einer Selbsthilfegruppe trennungsbetroffener Eltern heraus gegründet. Tristan Rosenkranz hatte diese Gruppe aufgrund eigener Trennungserfahrungen 2007 ins Leben gerufen. Seinerzeit hatte er nach der Trennung von seiner Lebensgefährtin mit Behörden und Ämtern um den Umgang mit seiner Tochter gestritten. Manchmal hatte er bei seiner Suche um Hilfe bei verschiedenen Vereinen und Verbänden durchaus das Gefühl, dass man ihm so recht gar nicht helfen wollte. Und ihm wurde sogar der Rat gegeben einfach loszulassen. Damit wollte sich der engagierte Vater aber nicht zufriedengeben – und gründete mit Mitstreitern „Gleichmaß e.V.“
Der Verein kümmert sich mittlerweile nicht nur um Beratung und Betreuung in Trennungsfällen. Viele Projekte stehen auf der Agenda. So nehmen sich die Vereinsmitglieder auch eines Themas an, das in der Öffentlichkeit oft als Tabu behandelt wird: Häusliche Gewalt gegen Männer. Jährlich sind nach einer Statistik des Thüringer Innenministeriums mehrere hundert Männer davon betroffen. 2014 waren es beispielsweise 636, im Jahr davor 810. Diese betroffenen Männer würden aber über kein wirksames Netzwerk verfügen, bemerkt Rosenkranz.
Auch hier sieht der Verein ein großes Handlungsfeld. So arbeitet man in enger Kooperation mit Vereinen aus Sachsen an der Realisierung eines mitteldeutschen Gewaltschutzzentrums, das zum einen von häuslicher Gewalt betroffenen Männern Unterstützung bieten soll und zum anderen Vätern Hilfestellung in allgemeinen Lebensfragen geben soll. Ein weiteres Projekt ist der Ausbau eines Männerberatungsnetzwerkes aus Hilfseinrichtungen und Notrufen in sechs Bundesländern. Um die Datenbasis zu erweitern ist eine Bedarfserhebung Gewaltschutz für Männer in Thüringen geplant. Hier will man mit der Berufsakademie Gera und ihren dualen Ausbildungspartnern in Behörden und Beratungszentren zusammenarbeiten. Ziel ist eine Befragung von Fachleuten und Betroffenen, um gute und zielgenaue Hilfsangebote konzipieren zu müssen.
Mit großer Zufriedenheit hat Rosenkranz jetzt registriert, dass das Thema auch auf der politischen Ebene angekommen ist. Die Thüringer Regierungskoalition stellte eine Teilfinanzierung für ein Interventionsangebot in Aussicht, die CDU hat einen Kleine Anfrage zum Thema „Häusliche Gewalt gegen Männer in Thüringen“ auf den Weg gebracht. Darin will die Union unter anderem wissen, wieviel Männer in Thüringen in den vergangenen Jahren Opfer häuslicher Gewalt geworden sind und welche Beratungs- und Hilfsangebote es für die Betroffenen gibt. Außerdem wird danach gefragt, welche Möglichkeit die Landesregierung sieht, „dieses tabuisierte Thema mehr ins Bewusstsein der Gesellschaft zu rücken und Vorurteile abzubauen.“
Und noch ein Projekt liegt Rosenkranz sehr am Herzen: Er möchte gerne eine Anthologie „Wenn Wurzeln Flügel tragen“ von und für Kinder zum Thema Familie zusammenstellen. „Wir interessieren uns dafür, wie die Kinder den Lebensentwurf Familie empfinden, wie wichtig ihnen Papa und Mama sind, was wichtig und schön an ihrer Familie ist, wie sie sich fühlen, wenn die Familie zerbricht oder gar ein Elternteil nicht mehr Bestandteil ihres Lebens ist.“ Mit Hilfe einer Jury aus Autoren soll dann in einer Anthologie die besten Kurzgeschichten, Gedichte und Zeichnungen zusammengetragen werden. Das Ganze ist ein Folgewerk zum 2010 realisierten Buch „Kinderherz – Familien zwischen Ausgrenzung und Aufbruch.“

Mehr Informationen unter https://gleichmass.wordpress.com/

 

Tags: Mitgliedsorganisation, Gleichmaß e.V., Tristan Rosenkranz

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