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Tanzvergnügen auf Füßen und Rädern: Viele Projekte bei Jena inklusiv brachten Menschen mit und ohne Behinderung zusammen

Der inklusive Tanzkurs war ein großer ErfolgJena, 5. Juli 2016. Grit Kersten blättert im Programm der Jenaer Tanzschule Näder. Zufrieden zeigt sie auf eine Seite, auf der ein inklusiver Tanzkurs angeboten wird. „Das ist doch ein Beispiel für gelungene Inklusion“, sagt die Geschäftsführerin des Saale-Betreuungswerks. Denn ein solches „Tanzvergnügen auf Füßen und Rädern“ hatte es schon einmal gegeben – mit viel Erfolg im Rahmen des Gesamtprojektes „Jena inklusiv“. Einmal in der Woche trafen sich seinerzeit tanzbegeisterte Frauen und Männer mit und ohne Behinderung zum gemeinsamen Tanzen, ob auf Füßen oder im Rollstuhl spielte dabei keine Rolle. Die Palette der eingeübten Tänze reichte vom langsamen Walzer über Tango, Rock’n Roll und Disco-Fox bis hin zu Partytänzen. Die Leidenschaft am Tanzen führte die Menschen zusammen – und viele blieben auch zusammen. Der „Inklusive Tanzclub“ ist mittlerweile fester Bestandteil des Programms der Tanzschule.


Es sind Projekte wie diese – „Mikroprojekte“ sagt Grit Kersten – die das Vorhaben „Jena inklusiv“ zu einer Erfolgsstory gemacht haben. Die Förderung ist jetzt ausgelaufen, ein weitergehendes Projekt ist aber bereits im Antragsverfahren. Die Mikroprojekte fanden in vielen Lebensbereichen statt. So ermittelte eine Studentengruppe der Ernst Abbe Hochschule Jena die Wohnwünsche von Menschen mit Behinderung und deren Angehörigen in Jena. 77 Menschen mit Behinderung aus vier verschiedenen Wohnstätten sowie 30 dazugehörige Eltern und Angehörige wurden befragt.

Die Menschen mit Behinderung wünschten sich vor allem ein eigenes Zimmer, Barrierefreiheit, Einkaufsmöglichkeiten und öffentliche Verkehrsmittel in der Nähe, guten Kontakt zu Mitbewohnern, vor allem aber wollten sie sich in ihrem Zuhause wohlfühlen. Aus diesen Wünschen leiteten die Studenten dann Handlungsempfehlungen für das Saale-Betreuungswerk ab: Transparentere Beratungsmöglichkeiten, mehr Einzelzimmer durch den Ausbau bestehender Wohnräume. Außerdem sollten beim Erwerb oder Bau neuer Wohnobjekte die Wünsche nach Einzelzimmern, guter Infrastruktur und begrünten Außenanlagen berücksichtigt werden. Für Angehörige sollte eine Broschüre erstellt werden.

„Kunst kennt keine Behinderung“ – unter diesem Motto fanden im Rahmen von Jena inklusiv zwei Kunstprojekte statt. „Mal.Kunst.Vergnügt.“ hieß das erste. „Ob gekleckst oder gepinselt, mit Fingern getupft oder mit Graphitstiften gemalt – alle Ausdrucksformen waren dabei erlaubt“, heißt es in einer Bilanz des Betreuungswerkes. Auszubildende Heilerziehungspfleger der Staatlich berufsbildenden Schule Gesundheit und Soziales Jena und Beschäftigte des Saale-Betreuungswerkes haben an zwei Tagen dabei künstlerisch miteinander gearbeitet. „Die Teilnehmer kamen miteinander ins Gespräch und lernten sich als Menschen mit Möglichkeiten kennen, die sich auf gleicher Ebene begegneten“, so Christine Baum, die Projektkoordinatorin von Jena inklusiv.

Mit einer Kunstaktion zum Thema Transformation ging das Projekt Jena inklusiv zu Ende„Was bedeutet für mich Glück? Braucht es immer das große Glück oder machen uns viele kleine Glücksmomente zufrieden?“ Diese Fragen beschäftigten die Teilnehmenden an einer Theaterprojektwoche am Jenaer Theaterhaus. Passende Lieder und Texte wurden gesucht, eine Woche lang wurde geprobt, wiederholt, gelacht und korrigiert, bevor am 23. Januar 2016 im Rahmen der Veranstaltung „Essen für alle“ die Uraufführung über die Bühne ging.
Unter dem Motto „Mit Musik geht alles besser“ gestalteten angehende Sozialassistenten und Beschäftigte der Werkstatt im Drackendorf-Center unter Anleitung einer Musikpädagogin gemeinsame Unterrichtsstunden. Und für Fotobegeisterte gab es auch ein Projekt – nämlich die Fotowanderung „Barrieren – viel mehr als keine Stufen“. Dabei wurden vom 25. bis 27. April 2016 in einem Streifzug durch die Stadt per Fotodokumentation barrierefreie und hürdenreiche Orte von Menschen mit und ohne Behinderung aufgenommen. Aufgezeigt wurden Problembereiche, in denen noch etwas getan werden kann, um Menschen mit Behinderung den Alltag in Jena zu erleichtern oder einen Zugang zu Kunst und Kultur zu ermöglichen.

Ein Erzählkalender und zwei Bücher waren weitere Projekte von Jena inklusiv. In Zusammenarbeit mit dem Verein „Buchkinder“ gab es viele Gespräche zwischen Kindern und erwachsenen Menschen mit Behinderung. Das Ergebnis waren zahlreiche individuelle Geschichten, die dann in gedruckter Form festgehalten wurden. Das Auftaktprojekt „Buchkinder wurde mit dem Kinder-Netzwerk-Sonderpreis für Inklusion ausgezeichnet und für den Deutschen Engagementpreis nominiert.

Der Radiologieführer in leichter Sprache für das Universitätsklinikum, eine Schulpatenschaft zwischen der Gemeinschaftsschule Kulturanum und den Wohn- und Werkstätten sowie der Kita Leutragraben des Betreuungswerkes sind weitere Bausteine der Aktion „Jena inklusiv.“

Zu Ende gegangen ist sie jetzt mit einem zweiten Kunstprojekt in der alten Trafostation in Jena, das passenderweise unter dem Motto Transformation stand (siehe Bild oben). „Unser Ziel war es, die Sensibilität zu wecken, dass wir genügsamer und nachhaltiger mit unseren Ressourcen umgehen“, so Christine Baum. Und die künstlerische Leiterin des Projektes, Almuth-Lohmann-Zell, lobte auch die inspirierende Wirkung des Ortes: „Hier sind viele Energien aus vielen Richtungen zusammengekommen.“ Die Menschen mit und ohne Behinderung, die dort aufeinandergetroffen sind, haben sich gemeinsam mit der Frage auseinandergesetzt: Was bedeutet es heute in unserer Gesellschaft aus etwas Altem etwas Neues zu schaffen.

Tags: Inklusion, Saale-Betreuungswerk, Jena inklusiv

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