Fotogalerie MV 2017

Mitglieder

Verein „Hilfe für die Kinder von Tschernobyl“ erinnert an die Reaktorkatastrophe vor 30 Jahren - Hunderttausende leben noch heute mit erhöhter Strahlung

Jedes Jahr in der Weihnachtszeit bringt ein Hilfstransport weihnachtliche Überraschungen von Jena nach WeißrusslandJena, 26. April 2016. „Tschernobyl steht nicht nur für eine Zone mit Hunderten verlassener Dörfer und Städten, vor deren Betreten ein kleines Schild mit dem Zeichen „Radioaktive Zone“ warnt. Tschernobyl ist auch der Kummer in der Seele und die Furcht vor der Zukunft bei den Betroffenen. Hunderttausende leben noch heute mit erhöhter Strahlung, die aus der Luft, über den Boden und durch belastete Nahrungsmittel aufgenommen wird.“ Jürgen Schmidt, der Vorsitzende des Jenaer Vereins „Hilfe für die Kinder von Tschernobyl“ kennt das Leid der Menschen, die von der Reaktorkatastrophe heute vor 30 Jahren unmittelbar betroffen waren. Denn sein Verein unterstützt seit 25 Jahren weißrussische Kinder, Jugendliche und Familien aus 14 Dörfern im Kreis Krasnopolje im Südosten von Weißrussland - in der Region, die vom radioaktiven Fallout nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl viel abbekommen hat.

Heute Abend um 18 Uhr gedenken die Vereinsmitglieder und die Jenaerinnen und Jenaer am Rathaus der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, die der Welt vor 30 Jahren die Gefahren der Atomkraft schlagartig vor Augen führte. Außerdem erinnert der Verein an die seit einem Vierteljahrhundert laufenden Hilfsaktionen für die Menschen in Weißrussland, die der Verein leistet.

Der Verein war 1991 auf Initiative von engagierten Bürgerinnen und Bürgern des „Neuen Forums“ in Jena gegründet worden. Seit dieser Zeit laufen die vielfältigen Hilfsaktionen. Die Kinder und Jugendlichen, die unterstützt werden, besuchen die Schulen und Kindergärten in den Dörfern Cholmy und Koselje. „Unvergessen bleiben für uns Beteiligte die strahlenden Augen der Kinder, Lehrer und Erzieher bei der Übergabe von Spielzeug und Spielgeräten, Haushaltsgeräten, Musikanlagen oder Schwimmbassins“, so Schmidt, der sich besonders an die Übergabe eines neuen Heizungskessels für den Kindergarten in Cholmy erinnert.
Neben diesen konkreten Hilfsprojekten vor Ort gab der Verein mehr als 50 Studentinnen, Studenten und Auszubildenden eine finanzielle Unterstützung für ihr Studium oder ihre Ausbildung. Diese jungen Menschen sind heute als Ärzte, Lehrer, Ökonomen, Ingenieure, Techniker oder Facharbeiter tätig und haben teilweise selbst schon Familien.
Schon 1100 Kinder kamen zu Erholungsaufenthalten nach JenaSeit 25 Jahren können sich Kinder aus der betroffenen Region in Jena und Umgebung erholen. Bereits mehr als 1100 Kinder und Jugendliche mit ihren Betreuerinnen und Betreuern wurden in der Saalestadt begrüßt. „Diese Kinder kamen und kommen auch künftig in den Genuss von Ferien in einem unbelasteten und nicht kontaminierten Umfeld“, so Schmidt. Bei diesen Aufenthalten lernen die Gastfamilien, in denen die Kinder untergebracht sind, auch viel über die Lebensumstände in der Region. So berichtet eine Gastmutter über die kleine Mascha. „Ihre Mutti ist alleinstehend und arbeitet als Reinigungskraft weit weg von zu Hause. Sicher, um einerseits überhaupt eine Arbeit zu haben und auch, um etwas mehr Geld zu verdienen als in ihrem Heimatdorf. Sie wohnen alle gemeinsam mit Großvater und Großmutter in einem kleinen Holzhaus. Die Familie sorgt auch für die drei Kinder der verstorbenen Schwester der Mutter. Das sind Raiki, Schenja und die schwer geistig behinderte Katja. Von Mascha erfuhren wir, dass der Opa im Frühjahr gestorben war. Das ohnehin schmale Familienbudget wird durch den Wegfall seiner Rente noch geringer ausfallen.“

Mascha verbringt erlebnisreiche Tage bei der Familie. Und dann nahte der Zeitpunkt des Abschieds: „Sie stieg in den Bus und winkte uns glücklich zu. In diesem letzten Lächeln für uns war bereits die Freude auf ihr zu Hause zu sehen. Freude auch, für alle ihre Lieben ein paar Geschenke dabei zu haben. Abschiedsschmerz? Nein, jedenfalls nicht bei Mascha. Und wenn sie wieder auf der Liste des Tschernobylvereins steht, werden wir uns auf eine neue Zeit mit ihr freuen.“

Andere Familien aus der Saalestadt unterstützen junge Weißrussen bei ihrer Ausbildung. Mit 30 Euro im Monat kann so eine Patenschaft übernommen werden. Eine solche Unterstützung erhält auch Viktoria Moskaljowa bei ihrem Studium der Medienbearbeitungsverfahren seit 2015. Familie Krüger aus Jena hat die Patenschaft übernommen. „Gerne unterstützen wir den Tschernobyl-Verein bei seiner weniger öffentlichen, aber natürlich genauso wichtigen und großartigen Arbeit in der Unglücksregion“, schreibt die Familie im Jahresbericht des Vereins.

Angelika Arnoldowna ist die Vorsitzende des Kreises Krasnopolje. „Wir, die Bewohner des Kreises, arbeiten und leben trotzdem weiter in dem Gebiet, das von den Folgen des Unfalls im Kernkraftwerk Tschernobyl stark betroffen ist“, sagt sie. Und obwohl mittlerweile 30 Jahre vergangen sind, muss noch immer auf die Gesundheit der Kinder, die in dem stark kontaminierten Gebieten leben müsssen, geachtet werden. „So ein Unglück bringt uns Menschen zusammen“, schreibt sie in dem Jahresbericht des Vereins. „Vor einem Vierteljahrhundert war der Verein „Hilfe für die Kinder von Tschernobyl in jena“ einer der ersten ausländischen Vereine, die uns zu Hilfe kamen. Und heute ist Ihr Verein einer der wenigen verbliebenen ausländischen Organisationen, die immer noch mit uns zusammenarbeiten.“ Und: „Die Erholung in Thüringen verbessert nicht nur die Gesundheit unserer Kinder, sondern gibt ihnen auch die Möglichkeit, deutsche Kultur und Traditionen kennen zu lernen“, schreibt sie.

Und für den Vereinsvorsitzenden Jürgen Schmidt steht fest, dass man die Kontakte weiter pflegen und ausbauen will, auch wenn die von der Reaktorkatastrophe vor 30 Jahren betroffenen Menschen heute nicht mehr im Fokus der Öffentlichkeit stehen: „Bei all den in den vergangenen 30 Jahren neu entstandenen politischen Brennpunkten und humanitären Katastrophen können und werden wir unsere weißrussischen Freunde und ihre ,Tschernobylregion‘ nicht vergessen.“

Weitere Informationen über den Verein: http://www.tschernobyl-verein-jena.de/startseite.htmhttp://www.tschernobyl-verein-jena.de/startseite.htm

 

Tags: Tschernobyl, Hilfe für die Kinder von Tschernobyl in Jena e.V.

Drucken

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies.
Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer
Datenschutzerklärung Ich habe Verstanden.