Der Paritätische macht Schule - Thesenpapier zur Bürgerschule

Bildung ist die Grundlage für eine erfolgreiche selbst bestimmte, zielgerichtete und umfassende Lebensgestaltung und bedeutet die optimale Ausbildung der individuellen Anlagen jeder Persönlichkeit. Bildung ist von zentraler Bedeutung für das Individuum und für die Gesellschaft als Ganzes. Bildung ist das Fundament der modernen Bürgergesellschaft. In einem modernen Sozialstaat und einer globalisierten Welt und Wissensgesellschaft ist Bildung ein wichtiger Schlüssel zu Chancengerechtigkeit und sozialer Teilhabe. Individueller Wohlstand und Teilhabechancen hängen wesentlich von den eigenen Chancen auf dem Arbeitsmarkt ab. Der Zugang zum Arbeitsmarkt wird maßgeblich durch das Bildungssystem entschieden. Ein leistungsfähiges Bildungssystem ist somit stets auch vorbeugende und nachhaltige Armutspolitik.

Unsere Mitgliedsorganisationen haben sich stets für die Interessen von Kindern und Jugendlichen engagiert. Als Experte und kompetenter Partner setzt sich der Paritätische gegen Kinderarmut und für Bildungsgerechtigkeit, Chancengleichheit und -vielfalt ein. Insbesondere für besonders benachteiligte Gruppen wie Menschen mit Behinderungen, Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund oder von Armut betroffene Kinder und Jugendliche stellt der Paritätische schon jetzt eine starke Lobby dar. Zahlreiche Mitgliedsorganisationen und Paritätische Einrichtungen sind an der Schnittstelle Schule und Jugendhilfe oder als Träger Freier Schulen bereits im Bereich schulischer Bildung aktiv. Die Verflechtungen haben sich in den letzten Jahren durch den Ausbau und Weiterentwicklung offener Ganztagsschulen noch verstärkt. Fakt ist jedoch, dass wir uns in Deutschland bisher einer zementierten Trennung von Sozial- und Bildungspolitik gegenübersehen. Diese strikte Trennung wird den Herausforderungen unserer Zeit nicht gerecht.

In kaum einem anderen europäischen Land gibt es einen so engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen wie in Deutschland. Das weitgehend bestehende staatliche Bildungsmonopol hat es nicht geschafft, diesen Zusammenhang aufzulösen. Unser Schulsystem fördert die soziale Segregation, reproduziert und zementiert soziale Ungleichheiten. Es ist auslese- statt förderorientiert: Die zu frühe Selektion, die mangelnde individuelle Förderung, die Dreigliedrigkeit des Schulwesens und die geringe Durchlässigkeit zwischen den Schultypen wirken sich besonders negativ aus. Die gleich bleibend hohe Zahl von Schulabgängern ohne Hauptschulabschluss, der wachsende Anteil von Kindern, die in Armut aufwachsen, in bildungsfernen Familien leben und die Benachteiligungen im gesamten Bildungssystem zu Lasten von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund illustrieren das Versagen des staatlichen Schulsystems. Auch die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen ist völlig unzureichend. Das deutsche Bildungssystem ist offensichtlich nicht in der Lage, Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit zu realisieren.
Es deutet vieles darauf hin, dass für den schlechten Zustand des deutschen Bildungssystems nicht in erster Linie die quantitativen Rahmendaten (Finanzierung, Lehrerschlüssel, etc.) ausschlaggebend sind. Problematisch scheint vor allem der ineffiziente Umgang mit den vorhandenen Ressourcen und die unklare Verteilung von Verantwortung im System zu sein. Wir erleben derzeit in erster Linie Schulen, die durch einen Mangel an demokratischen Mitwirkungsrechten gekennzeichnet sind, durch einen Mangel an Wettbewerb sowie durch einen Mangel an Offenheit und sozialräumlicher Eingebundenheit in die Bürgergesellschaft.

Wenn sich der Paritätische für Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit sowie für soziale Integration und Wachstum der individuellen Persönlichkeit jedes Schülers und jeder Schülerin einsetzen will, muss er auch die strukturelle Verfasstheit von schulischer Bildung kritisch hinterfragen.

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