Projekt „Pflege bewegt“ – ein Arbeitsfähigkeitsmodell zur Belastungsreduzierung in der Altenpflege

Der frühe Vogel fängt den Wurm...! Vor dem Hintergrund des Demografischen Wandels ist es für Altenpflegeeinrichtungen in Thüringen heute schon im Vergleich zu anderen sozialen Branchen schwierig - manchmal sogar unmöglich – qualifiziertes Personal zu gewinnen und zu binden. Und das ist nicht die einzige Herausforderung für GeschäftsführerInnen in der Pflege. Das Durchschnittsalter der Beschäftigten steigt stetig und die Zunahme an chronischen Krankheiten, Multimorbidität und Demenz erfordern neue Kompetenzen von den Pflegenden. Um am Markt wettbewerbsfähig zu bleiben, gilt es für Altenpflegeeinrichtungen, attraktive Arbeitsbedingungen zu bieten, die die MitarbeiterInnen länger und gesunder im Beruf halten und die junge Fachkräfte dazu bewegen, in Thüringer Altenpflegeeinrichtungen zu arbeiten.

An diesem Punkt setzt das Projekt „Pflege bewegt" des Paritätischen Landesverbandes Thüringen an. Da nicht davon auszugehen ist, dass kurz- oder mittelfristig politische Entscheidungen zur Sicherung der Fachkräftepotenzials getroffen werden – das meint insbesondere die Möglichkeit höherer Entgelte in der Pflege – ist es das Ziel des Paritätischen Thüringen, seine Mitgliedsorganisationen in der Pflege dazu zu befähigen und dabei zu unterstützen, Arbeitsplätze zu gestalten, die es den Beschäftigten ermöglichen, bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter zu arbeiten.

Im Projekt „Pflege bewegt" geht es im Einzelnen darum, mit 12 Mitgliedsorganisationen nachhaltige Maßnahmen zu entwickeln, um die hohen physischen und psychischen Belastungen in der Pflege zu reduzieren – und somit die Pflegenden gesund im Beruf zu halten . Die teilnehmenden Einrichtungen verteilen sich - ganz im Sinne des Paritätischen - in ambulante, stationäre und teilstationäre Einrichtungen, um ein Portfolio aus guten Lösungen zu entwickeln, die für alle Pflegebereiche übertragbar und transparent sind.

Ausgangspunkt für die gemeinsame Arbeit in den Einrichtungen ist eine breit angelegte Analysephase, in der ca. 450 MitarbeiterInnen zu ihren Belastungen bei der Arbeit befragt werden. Gemeinsam mit dem Projektteam werden ausgehend von den einrichtungsspezifischen Analyseergebnissen passgenaue gesundheitsförderliche Maßnahmen mit den Verantwortlichen vor Ort konzipiert und implementiert. In diesem Zusammenhang sollen vorrangig Maßnahmen entwickelt werden, die an bestehenden Strukturen in den Einrichtungen anknüpfen und die über das Projektende hinaus weiter forciert werden sollen. Die Einbindung und Beteiligung der MitarbeiterInnen als Experten ihrer Arbeitssituation ist in diesem Zusammenhang für das Projekt essentiell.
Zur Unterstützung des gesamten Prozesses sind wichtige Kooperationspartner wie die AOK plus und die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege eingebunden.

Eine an den Bedürfnissen der Menschen orientierte, qualitativ hochwertige Pflege, die dabei zu fairen und guten Arbeitsbedingungen möglichst wirtschaftlich erbracht wird, das muss das Ziel der Pflege sein (vgl. Rock, Dr., Joachim: Gute Pflege braucht gute Rahmenbedingungen – die Finanzierung der Pflege, Der Paritätische Gesamtverband, 2011).

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