Sozialverbände unterzeichnen Thüringer Pflegepakt

Am 7. November 2012 fand die offizielle Unterzeichnung des Thüringer Pflegepaktes statt. Aus Sicht der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege Thüringen können nur in einer konzertierten Aktion möglichst aller Akteure in der Pflege Fachkräfte gesichert und der Erhalt einer guten Pflege gewährleistet werden. Die Ministerin für Soziales, Familie und Gesundheit Heike Taubert (SPD) hat sich anlässlich der Unterzeichnung des Thüringer Pflegepaktes bei allen Beteiligten bedankt. Das Interesse zur Verbesserung der Attraktivität der Pflegeberufe, die Sicherung der Fachkräfte und der Qualität in der Pflege stand für alle Unterzeichner trotz unterschiedlichster Interessen im Vordergrund.

Thüringen steht angesichts der demografischen Entwicklung vor zwei Herausforderungen. Zum einen nimmt der Anteil älterer und pflegebedürftiger Menschen zu, zum anderen sinkt das Angebot potentieller Fachkräfte. Vor diesem Hintergrund und den im bundesweiten Vergleich sehr niedrigen Pflegesätzen hatte insbesondere die LIGA der Wohlfahrtsverbände frühzeitig auf den drohenden Fachkräftemangel in der Pflege hingewiesen. Diese Auffassung teilten u. a. auch der einzige Vertreter der privaten Anbieter Marc Tandel vom ABVP und die kommunalen Spitzenverbände. Vertreter der Pflegekassen als Interessenvertreter der Pflegebedürftigen und als Mitverantwortliche für die Qualitätssicherung in der Pflege begrüßen ebenfalls die vereinbarten Zielsetzungen. So betonte Rainer Striebel, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der AOK PLUS, dass künftige Pflegesatzverhandlungen verstärkt und zügig die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Beschäftigten in den Mittelpunkt rücken sollten. Die Unterzeichnung war der Auftakt für weitere konkrete gemeinsame Arbeitsschritte. Dazu gehören eine Imagekampagne, bessere Rahmen- und Beschäftigungsbedingungen in der Altenpflege und Verbesserung der Personal- und Nachwuchsgewinnung und Qualifizierung, insbesondere die Verbesserung von Ausbildung und Umschulung. Eine wesentliche Voraussetzung für die Wirksamkeit des Pflegepaktes sind insbesondere faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen in der Pflege.

Der Thüringer Pflegepakt ist eine Initiative von:

• Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit
• Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur
• Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie
• Gemeinde- und Städtebund Thüringen e. V.
• Thüringischer Landkreistag e. V.
• LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Thüringen e. V.
• Arbeitgeber- und BerufsVerband Privater Pflege e. V.
• AOK PLUS
• IKK classic
• BKK Landesverband Mitte
• Knappschaft-Bahn-See
• vdek - Verband der Ersatzkassen e. V.

Um sich diesen Herausforderungen zu stellen, sind Leistungserbringer, Kostenträger, Landespolitik und Kommunen gleichermaßen gefragt, gemeinsam kreative und zukunftssichere Lösungen zu entwickeln. Natürlich können diese Lösungen nicht allein aus sozialpolitischer Sicht gefunden werden. Ohne den unternehmerischen Blick auf die Pflege, werden Lösungen nicht von Dauer sein, ist der Paritätische Thüringen überzeugt. Altenheime und Pflegedienste in Thüringen suchen händeringend nach Fachkräften, um die drohende Versorgungskrise abzuwenden. Nach einer Studie der Universität Jena fehlen in Thüringen im Bereich der Altenpflege bis 2020 voraussichtlich etwa 15.000 Beschäftigte. So erreichen immer mehr Pflegekräfte aus den geburtenstärkeren Jahrgängen das ruhestandsfähige Alter oder steigen frühzeitig aus dem Beruf aus und in den nachfolgenden geburtenschwachen Jahrgängen stehen immer weniger junge Menschen für den Arbeitsmarkt zur Verfügung. Auf der anderen Seite steigt der Pflege- und Betreuungsbedarf. Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage an professionellen pflegerischen Dienstleistungen geht immer weiter auseinander. Die vielfältigen Aussagen der Statistiken hierzu sind hinlänglich bekannt und bedürfen keiner weiteren Interpretation. Zur Bearbeitung der genannten Herausforderungen sind verschiedene Lösungsansätze auf Bundes-, Landes-, Kommunal- als auch Unternehmensebene denk- und umsetzbar. Darüber hinaus muss der Pflegeberuf attraktiver gemacht werden. Ebenso müssen Pflegekräfte besser bezahlt werden.


Es gilt nach wie vor: die positiven Seiten des Pflegeberufs sind noch besser zu kommunizieren! Denn der Pflegeberuf ist durchaus ein in hohem Maße sinnstiftender Beruf, in dem besonders engagierte MitarbeiterInnen zu finden sind. Während jedoch die Arbeit mit Menschen in vielerlei Hinsicht für die Pflegenden als hoch attraktiv und ausschlaggebend für die Berufswahl gilt, sind die Rahmenbedingungen der pflegerischen Arbeit noch in hohem Maße verbesserungsfähig. Dafür sind neue Wege zu beschreiten, um mehr Nachwuchs für den Pflegeberuf zu gewinnen und Erwerbsfähige aus anderen Tätigkeitsfeldern für die professionelle Pflege zu begeistern und zu qualifizieren. Gleichzeitig gilt es, die jetzigen MitarbeiterInnen in den Pflegeeinrichtungen möglichst lange und mit ungebrochener Arbeitsfreude im Beruf zu halten. Dafür bedarf es Maßnahmen zur Stärkung der Arbeitsfähigkeit und -motivation bis ins höhere Erwerbsalter. Hier spielen vor allem die „weichen" Faktoren der Arbeit eine wichtige Rolle: das tägliche Miteinander und eine hohe Wertschätzung, die Organisation der Arbeit und der Erhalt der Arbeitszufriedenheit, bergen Potential, um MitarbeiterInnen in der Pflege lange im Beruf zu halten und an Unternehmen zu binden. Vor diesem Hintergrund ist der Pflegepakt ein wichtiger erster Schritt. Darauf muss jetzt aufgebaut werden.

Der Paritätische Thüringen unterstützt dabei auch weiterhin die 53 Träger in seiner Mitgliedschaft im Bereich der Pflege und Altenhilfe bei der schwierigen Aufgabe der Fachkräfteentwicklung mit verschiedenen Ansätzen und Projekten. Unter das vielfältige Angebotsspektrum in der Mitgliedschaft fallen u. a. 24 vollstationäre Pflegeeinrichtungen sowie 57 ambulante Pflegedienste und Sozialstationen. Erweitert wird die Angebotslandschaft durch Tages- und Nachtpflegeeinrichtungen, Kurzzeitpflegeplätze, ambulante Hospizdienste und stationäre Hospizeinrichtungen, spezialisierte ambulante Palliativversorgung, Tagesbetreuung für Menschen mit Demenz, Angehörigengruppen, ambulant betreute Wohnformen sowie niedrigschwellige Betreuungsangebote. Das Angebotsportfolio des Paritätischen Thüringen zum Thema der Fachkräfteentwicklung in der Pflege erstreckt sich dabei von der Mitarbeiterfindung, der beruflichen Weiterentwicklung und fachlichen Qualifizierung, der Beratung zu unternehmensspezifischer Arbeitsorganisation und Unternehmenskultur bis hin zur betrieblichen Gesundheitsförderung und -prävention. Ein wegweisendes Projekt des Paritätischen Thüringen ist dazu „Pflege bewegt" – ein Arbeitsfähigkeitsmodell zur Belastungsreduzierung in der Altenpflege.

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