Angebote - Willkommenskultur

Fachtag: "Förderung von Vielfalt ist eine Querschnittsaufgabe in den Kitas"

Förderung von Vielfalt ist eine Querschnittsaufgabe in den KitasNeudietendorf, 19. Juni 2015. Piroggi aus Polen oder eine Reisspeise aus Asien -- in vielen Kitas gibt es Projektwochen, in denen man sich mit den Lebensumständen von Kindern in anderen Ländern beschäftigt. Es gibt Stunden, in denen die Eltern mit Migrationshintergrund für die anderen Mädchen und Jungen Speisen aus ihrer Region zubereiten. Das alles sind gute Ansätze, um Weltoffenheit in den Kitas zu vermitteln. „Aber Vielfalt bekommt so oft auch den Touch des Exotischen, Fremdheit wirkt konstruiert“, mahnte Kerstin Dellemann, die Referatsleiterin Kindertagesbetreuung und frühkindliche Bildung bei einem Fachtag des Paritätischen, bei dem es um die interkulturelle Öffnung in Kindertageseinrichtungen geht. Der Fachtag wurde von der Glücksspirale unterstützt. „Förderung von Vielfalt ist eine Querschnittsaufgabe, eine Aktion allein im Jahr reicht nicht“, fügte sie hinzu.

Die wachsende Zahl von Kindern mit Migrationshintergrund in den Kitas bedeutet neue Herausforderungen für die ErzieherInnen in den Einrichtungen. Etwa vier Prozent der unter Dreijährigen in den Thüringer Kitas haben einen Migrationshintergrund. Bei den über Dreijährigen sind es sechs Prozent. Und ihre Zahl steigt weiter. Steffen Richter- Programm-Manager beim Paritätischen, verwies bei der Eröffnung des Fachtages auf jüngste Zahlen der UN, wonach die Hälfte derjenigen, die sich derzeit weltweit auf der Flucht befinden, Kinder sind.
Die Herausforderungen, denen sich die ErzieherInnen stellen müssen, sind vielfältig: Da gilt es Sprachbarrieren zu überwinden. Ein flächendeckendes Netz von Dolmetschern ist in Thüringen dafür notwendig, mahnte Steffen Richter. Außerdem sind viele der ankommenden Kinder durch die Umstände der Flucht traumatisiert und brauchen eine psychosoziale Versorgung. Die wiederum ist mit einem hohen Personalaufwand verbunden. Und die Kita-MitarbeiterInnen müssen sich auf die unterschiedlichen Kulturkreise einlassen, aus denen die Kinder kommen. Nach Aussagen von Dellemann arbeitet auch ihr Ministerium an Plänen, wie man den ErzieherInnen bei der Bewältigung dieser neuen Aufgaben helfend unter die Arme greifen kann.
Mit einer Vielzahl von Angeboten ist auch der Paritätische in diesem Bereich präsent. Ende des Monats gibt es eine Neuauflage der Weiterbildung in Kitas, auch eine Weiterbildung für Flüchtlingspaten wird jetzt aufgelegt. Der Paritätische hat außerdem in Zusammenarbeit mit der Kindersprachbrücke Jena ein Programm erarbeitet, bei dem es um eine bessere Integration der Flüchtlingskinder im sozialen Nahraum geht. „Deutsch als Zweitsprache allein in der Schule zu vermitteln reicht nicht aus“, so Steffen Richter. Über eine Ausweitung der Schulsozialarbeit für die Flüchtlingskinder soll auch eine Betreuung nach dem Unterricht ermöglicht werden.
Zentrale Forderung der TeilnehmerInnen war die Schaffung von Netzwerken zur vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung. Dabei sollte man sich an dem Projekt „Kinderwelten“ orientieren, das bei der Tagung von Sandra Hörner vorgestellt wurde. Favorisiert wird dort der von der Amerikanerin Louise Derman-Sparks entwickelte Anti-Bias Ansatz. Der fordert dazu auf, „die Spannung zwischen dem Respektieren von Unterschieden und dem Nicht-Akzeptieren von Vorstellungen und Handlungen, die ,unfair‘ sind, kreativ auszutragen.“ „Anti-Bias ist eine Reise, die in uns selbst beginnt“, so Hörner. Denn Vorurteile bedeuten, von anderen Menschen ohne ausreichende Begründung schlecht zu denken.
In den zu schaffenden Netzwerken sollen FachberaterInnen und EinrichtungsleiterInnen bzw. Leitungsteams qualifiziert werden. Diese sollen dann als Türöffner und ProzessbegleiterInnen dienen, um den Teams in der Praxis aufzuzeigen, was alles möglich ist. Eine solche Qualifikation könnte beispielsweise über das Lehrerfortbildungsinstitut ThILLM in Bad Berka angeboten werden. Aber auch schon bestehende Netzwerke sollten besser genutzt werden, waren sich die TeilnehmerInnen einig.
Wichtig vor allem: Mit Familien muss individuell darüber ins Gespräch darüber gekommen werden, wie sich jeder Einzelne willkommen und angenommen fühlt. Nur so könne man einzelnen Familienkulturen gerecht werden. Stereotype Zuordnungen zu bestimmten Nationen seien dabei nicht hilfreich. „In Holland tragen auch nicht alle Holzschuhe“, brachte es eine Teilnehmerin auf den Punkt.

Tags: KiTa, Flüchtlinge, Migration, Flüchtlingspolitik

Drucken

Diese Webseite verwendet Cookies, um die Bedienfreundlichkeit zu erhöhen. Weitere Informationen:
Datenschutzerklärung OK