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Paritätischer: Flüchtlingshilfe im sozialen Nahraum verorten „Ratschlag“ mit Staatssekretärin Silke Albin

„Ratschlag“ mit Staatssekretärin Silke Albin„Ratschlag“ mit Staatssekretärin Silke AlbinErfurt 04.06.2015. Bei der Entwicklung einer Willkommens- und Teilhabekultur für Flüchtlinge in Thüringen soll der Sozialraum stärker in den Fokus rücken. Diesen Wunsch äußerten Mitgliedsorganisationen des Paritätischen bei einer Fachkonferenz mit der Staatssekretärin im Migrationsministerium, Silke Albin. Die „Verortung im sozialen Nahraum“, so Landesgeschäftsführer Reinhard Müller in der Runde, sei  für den Paritätischen eine der zentralen Herausforderungen, die es zu lösen gelte.

 Das gilt nach Meinung des Verbandes vor allem für die Sprachförderung von Kindern und Jugendlichen. Sie sollte nicht nur auf die Vermittlung von Deutsch als Zweitsprache in der Schule begrenzt sein, sondern die Flüchtlingskinder auch in ihrer Lebenswelt in Deutschland ankommen lassen. Bei der Umsetzung dieses Konzepts kann man auf die guten Erfahrungen zurückgreifen, die die Kindersprachbrücke in Jena mit ihrer Arbeit gesammelt hat. Von vielen Seiten wurde die Arbeit dieser Mitgliedsorganisation des Paritätischen bereits gelobt.

Das Konzept, das der Paritätische gemeinsam mit der Kindersprachbrücke entwickelt hat, basiert auf einer Ausweitung der Schulsozialarbeit. Die vor Ort gut vernetzten Schulsozialarbeiter könnten  den Kontakt in Vereine und Verbände vor Ort vermitteln.

Staatssekretärin Albin sagte, ihr Ministerium setze sich für eine Erhöhung der  Mittel des Landes für die Sprachförderung ebenso ein wie für den Ausbau der sozialen Infrastruktur. Den Paritätischen bezeichnete sie als einen „wichtigen Partner“ des Landes für die Flüchtlingspolitik. „Sie erbringen Leistungen, die der Staat nicht erbringen kann“, sagte Albin in der Runde. Sie sicherte einen „engen Dialog“ zwischen den Sozialverbänden und dem Ministerium zu.

„In diesen Fragen sind wir alle Suchende, wir haben keine Patentrezepte“, unterstrich Reinhard Müller in der Runde. In der Diskussion mit der Staatssekretärin wurde schnell deutlich, dass alle in diesem Bereich Tätigen an den Grenzen ihrer Kapazität arbeiten – oder schon darüber hinaus. Der Wunsch nach einer Aufstockung der Ressourcen – sowohl finanzieller wie auch personeller Art – durchzog die gesamte Debatte. An der Verbesserung des Betreuungsschlüssels für Flüchtlingsfamilien wird nach Angaben von Albin derzeit gearbeitet. 

Deutlich wurde auch, dass man bei der Sprachförderung nicht nur Kinder und Jugendliche in den Blick nehmen darf, sondern auch die Eltern, die aus ihre Kulturkreisen eine andere Tradition in der Erziehung der Kinder, aber auch in der Betrachtung der Rolle der Frauen mitbringen würden. „Koordinierende Hilfsfunktionen für das System Familie“ sind erforderlich, sagte einer der Teilnehmer.

Zu einem großen Problem in der nächsten Zeit wird nach Einschätzung aller Beteiligten die Lage der minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge. Nach einem neuen Gesetz, das am 1. Januar 2016 in Kraft treten soll, wird der Verteilungsschlüssel geändert, so dass Thüringen nach jetzigem Stand der Dinge mit einer Zahl von mehreren hundert minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen zu rechnen hat. „Hier müssen schnell lösungsorientierte Gespräche geführt werden“, so Reinhard Müller.

Einen ganz neuen Weg in der Betreuung von Flüchtlingen will man in Jena gehen. Dort sollen Flüchtlinge und Asylbewerber  auch ehrenamtlich tätig werden, um die neu Ankommenden bei der Integration zu unterstützen – ein Modell, für das Staatssekretärin Albin großes Interesse zeigte.

 

Tags: Veranstaltung, Reinhard Müller, Willkommenskultur, Silke Albin

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