Angebote - Willkommenskultur

Sozialwirtschaft in Thüringen benötigt bis 2025 mehr als 60.000 Fachkräfte

Fachkräfte in der Sozialwirtschaft werden dringend gebraucht: Kirsi Marie Welt aus Baden-Württemberg und der Arbeitsmarktexperte aus dem Thüringer Arbeitsministerium, Prof. Michael BehrErfurt. In der Thüringer Sozialwirtschaft werden in den nächsten Jahren dringend Fachkräfte gesucht – und zwar nicht nur, um ausscheidende Kräfte zu ersetzen, sondern auch, um soziale Strukturen den wachsenden Bedarfen anzupassen. Michael Behr, der Abteilungsleiter Arbeit im Thüringer Arbeits- und Sozialministerium, bezifferte den Ersatzbedarf bis 2025 auf 24 400 Kräfte, den Erweiterungsbedarf auf 42.900. „Die Sozialwirtschaft ist die einzige Branche, in der nach den jetzigen Prognosen der Erweiterungsbedarf über dem Ersatzbedarf liegt,“ sagte Behr bei einem ExpertInnentag des Paritätischen  zur „Willkommenskultur im Paritätischen: Fachkräfte gewinnen, binden und entwickeln“.  Die Veranstaltung wurde von der Glücksspirale unterstützt. Eine von Behr noch in seiner Zeit als Hochschuldozent angefertigte Studie zur Fachkräfteentwicklung in der Sozialwirtschaft hatte bereits 2010 einen Bedarf bis 2020 in Höhe von 43.500 Beschäftigten für diese Branche prognostiziert.

Insgesamt zeichnete Behr bei der Veranstaltung ein überaus positives Bild von den Entwicklungen auf dem Thüringer Arbeitsmarkt, sprach sogar im bundesweiten Vergleich vom Freistaat als einem „hidden champion“.  Das Werben um Fachkräfte ist für ihn eines der entscheidenden Kriterien für die Entwicklung Thüringens  in den nächsten Jahren. Und hier gibt es durchaus positive Entwicklungen: 2013 wurde der erste positive Wanderungssaldo seit der Wende registriert, für das vergangene Jahr rechnet Behr mit einem Wanderungsplus von etwa 4000 Menschen.  Auch die Rückwanderung von einmal aus Thüringen abgewanderten Fachkräften sei ein sich verstärkender Trend, so der Arbeitsmarktexperte.

Thüringen weise darüber hinaus die höchste Beschäftigunsquote aller Bundesländer auf und weise auch mit die höchste Geschlechteregalität auf dem Arbeitsmarkt auf, so Behr. Insgesamt benötigt Thüringen bis 2010 einen Ersatzbedarf an Fachkräften von 210.000 Personen bei einem gleichzeitigen Erweiterungsbedarf von 71.000.

Der Landesgeschäftsführer des PARiTÄTISCHEN, Reinhard Müller, regte bei der Fachtagung eine zweite Studie an, in der es nicht mehr um die Ermittlung des Fachkräftebedarfs gehen solle, sondern darum, welche Instrumente zur Gewinnung weiterer Fachkräfte gut und richtig seien. Seine Mahnung: „die Unternehmen müssen sich selbst attraktiv aufstellen.“ Als Handlungsfelder nannte er unter anderem den Bereich der Pflege, in dem sich die Situation weiter zuspitze, die Arbeit für und mit Senioren und die Flüchtlingsarbeit. Besonders müsse man sich dabei der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge annehmen. Für die 400, die schon in Thüringen leben, gebe es zu wenig Betreuungsplätze, so Müller.  In der Diskussion ergab sich auch die Anregung, ausländische Fachkräfte und Menschen in der Langzeitarbeitslosigkeit stärker in diese Prozesse einzubeziehen. Das sei bisher noch nicht ausreichend diskutiert worden und könne in einem nächsten Fachtag vertieft diskutiert werden.

Kirsi-Marie Welt, Projektkoordinatorin von „ATTARIS – Fachkräfte erfolgreich gewinnen und binden“ von der Werkstatt PARITÄT, gemeinnützige GmbH aus Baden- Württemberg, warb für soziale Einrichtungen als attraktive Arbeitgeber. Dabei gehe es um die stärkere Einbindung gesellschaftlich unterrepräsentierter Gruppen, um eine lebensphasenorientierte Personalentwicklung, um Willkommens-Kommunikation nach innen und außen und um vorurteilsfreies und die Vielfalt schätzende Wertschätzung des Arbeitsfeldes. Willkommenskultur versteht sie als eine ganzheitliche Strategie aus den Elementen Personalgewinnung, Personalbindung und Diversity-Management. Bei letztem geht es um gezieltes erkennen, Fördern und Wertschätzen von Vielfalt im Team und in der Belegschaft. Soziale Vielfalt solle konstruktiv genutzt werden, um den Unternehmenserfolg zu steigern, so der Rat von Kirsi-Marie Welt.

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