"Wir brauchen Hilfe beim Helfen"

Mit diesem Appell richtet wendet sich Ernst-Martin Stüllein, Geschäftsführer des Multikulturellen Zentrums L’Amitié in Gotha an die Öffentlichkeit. In einem Interview mit Landeswelle Thüringen schildert Stüllein die Arbeit des Vereins und lobt das Engagement der Thüringerinnen und Thüringer für die Flüchtlinge. Viele, vor allem junge Menschen, hätten sich auch bei seinem Verein gemeldet und wollten mit anpacken.

Das Interview mit Ernst-Martin Stüllein zum Nachhören:   

Willkommenskultur

Erleichterter Arbeitsmarktzugang für Flüchtlinge: Vorrangprüfung wird für drei Jahre ausgesetzt

Kay Senius ist der Chef der Regionaldirektion Thüringen/Sachsen-Anhalt der Regionaldirektion für ArbeitNeudietendorf, 5. August 2016. Der Zugang von Flüchtlingen zum Arbeitsmarkt wird erleichtert: Ausländer mit einer Duldung oder Aufenthaltsgestattung dürfen von nun an in Thüringen arbeiten, ohne die Hürde der sogenannten „Vorrangprüfung“ nehmen zu müssen. Das regelt die neue Beschäftigungsverordnung zum Integrationsgesetz, die das Bundesministerium für Arbeit und Soziales heute veröffentlicht hat. Diese setzt die Vorrangprüfung für drei Jahre aus. Die „Vorrangprüfung“ untersagte es Arbeitgebern bisher, Nicht-EU-Ausländer einzustellen, solange nicht geprüft wurde, ob sich nicht ein Deutscher oder ein EU-Bürger für die Stelle findet. Das galt für die ersten 15 Monate des Aufenthalts in Deutschland.


Allerdings wird die „Vorrangprüfung“ in Thüringen erstmal nur für drei Jahre ausgesetzt. Auch in anderen Bundesländern fällt die Vorrangprüfung weitgehend weg. Hintergrund der Entscheidung sind Einigungen der Bundesländer mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales
Trotzdem gilt weiterhin: In den ersten drei Monaten des Aufenthaltes dürfen Asylbewerber nicht arbeiten.

Nach Einschätzung des Chefs der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Kay Senius (Foto), wird die heimische Wirtschaft von der neuen Regelung profitieren: „Die Arbeitsmarktlage im Freistaat ist weiterhin stabil. Die Arbeitslosigkeit sinkt seit Jahren und in einigen Bereichen melden uns die Arbeitgeber Fachkräfteengpässe. Durch das Aussetzen der Vorrangprüfung besteht die Möglichkeit, Stellen schneller zu besetzen. Davon profitiert die heimische Wirtschaft“, erklärte Senius.

Auch Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee begrüßte die neue Regelung. Nach seiner Einschätzung wird sie zu einer besseren Integration von Geflüchteten und einer schnelleren Besetzung offener Stellen führen. „Arbeit ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration. Mit dem Wegfall der bisherigen bürokratischen Hüde können Arbeitgeber offene Stellen schneller besetzen“, so Tiefensee.

Tiefensee verwies darauf, dass auch Thüringer Unternehmen in vielen Branchen und Regionen zunehmend Schwierigkeiten hätten, zügig die benötigten Fachleute zu finden. Bis zum Jahr 2025 werden mehr als 200.000 Fachkräfte im Land be-nötigt. Derzeit gibt es mehr als 21.000 offene Stellen. Außerdem können tausen¬de Ausbildungsplätze im Land nicht besetzt werden. „Wenn es uns ge¬lingt, zumindest einen Teil dieses Arbeitskräftebedarfs durch Zuwanderer zu de¬cken, wäre das eine gewinnbringende Situation für alle Beteiligten“, so der Wirtschaftsminister. Nach früheren Schätzungen der IHK Erfurt könnte die Thüringer Wirtschaft mindestens 900 Flüchtlinge pro Jahr integrie¬ren. Nach einer Umfrage ist etwa die Hälfte der IHK-Unternehmen an Flüchtlingen als Arbeitskräften oder Auszubildenden interessiert.

Im Dezember 2015 waren in Thüringen 23.037 Ausländer sozialversicherungspflichtig beschäftigt, das sind 2,9 Prozent aller Beschäftigten im Land. Davon stammten 877 aus sogenannten Balkan-Zugangsländern (Albanien, Bosnien, Kosovo, Mazedonien, Serbien), 1.473 aus osteuropäischen Asylzugangsländern (russische Föderation und Ukraine) und 771 aus nichteuropäischen Asylzugangsländern (Afghanistan, Eritrea, Iran, Irak, Nigeria, Pakistan, Somalia, Syrien).

Tags: Flüchtlinge, Kay Senius

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