"Wir brauchen Hilfe beim Helfen"

Mit diesem Appell richtet wendet sich Ernst-Martin Stüllein, Geschäftsführer des Multikulturellen Zentrums L’Amitié in Gotha an die Öffentlichkeit. In einem Interview mit Landeswelle Thüringen schildert Stüllein die Arbeit des Vereins und lobt das Engagement der Thüringerinnen und Thüringer für die Flüchtlinge. Viele, vor allem junge Menschen, hätten sich auch bei seinem Verein gemeldet und wollten mit anpacken.

Das Interview mit Ernst-Martin Stüllein zum Nachhören:   

Willkommenskultur

Flüchtlingspaten: Neuer Kurs beginnt am 27. August - „Nützliche Erfahrungen für die tägliche Arbeit“

Die ersten Flüchtlingspaten wurden im Herbst 2015 ausgebildet. Ihre Urkunden erhielten sie von Migrationsminister Dieter Lauinger (2..v.r.) und dem stellv. BuntStiftungs-Direktor Stefan Werner (rechts)Neudietendorf, 8. August 2016. 64 Flüchtlingspaten sind mittlerweile in Thüringen im Einsatz – weitere sollen dazukommen. Denn wenn auch die Zahl der nach Thüringen kommenden Geflüchteten aktuell gesunken ist, benötigen diejenigen, die kommen und diejenigen, die hier sind, weiter Hilfe und Unterstützung, damit die große Aufgabe der Integration bewältigt werden kann. Deshalb gibt es jetzt einen vierten Kurs zur Aus- und Weiterbildung zum Flüchtlingspaten, der am Sonnabend, 27. August, im Haus der PARITÄT in Neudietendorf anläuft.


Der Zertifikatskurs vermittelt in drei Modulen Grundlagenwissen für die Arbeit mit Flüchtlingen und bietet eine Plattform für den Austausch zu spezifischen Herausforderungen. Flüchtlingspaten, die die Ausbildung bisher schon absolviert haben, berichten, wie sehr ihnen das dort vermittelte Wissen bei der unmittelbaren Arbeit mit den Geflüchteten genützt hat. (Unser Bild zeigt Teilnehmende aus dem ersten Kurs im Herbst vergangenen Jahres) Ernst-Martin Stüllein vom Multikulturellen Zentrum L’amitié in Gotha ist einer von ihnen. „Die Erfahrungen, die ich dort gemacht hat, sind für mich in meiner täglichen Arbeit sehr nützlich“, sagt Stüllein, dessen Verein sich sehr in der Flüchtlingsarbeit im Raum Gotha engagiert. „Ich weiß jetzt, wohin ich mich in speziellen Problemfällen wenden kann“, fügt er hinzu. Außerdem sei durch den Erfahrungsaustausch der Teilnehmenden untereinander der Ansatz für ein Netzwerk geschaffen worden.

Für Rica Braune aus Weimar stand nach den drei Modulen fest: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Aber sie weiß jetzt, wo sie nachlesen und nachfragen kann und wo Einrichtungen sind, die ihr bei konkreten Problemen weiterhelfen. So wie bei der werdenden Mutter, die hochschwanger ist, deren Mann selbst gesundheitlich nicht auf der Höhe ist. Ihr konnte Rica Braune Anlaufstellen vermitteln, die ihr in ihrer konkreten Situation weiterhelfen.
Oder sie kann auch Situationen wie diese besser bewältigen: Der junge Syrer, mit dem Rica Braune vor kurzem zusammensaß, erzählte von seiner Heimat, aus der er vor den Kriegswirren geflüchtet war. Er berichtete von seinen Brüdern, um die er sich große Sorgen macht. Plötzlich standen ihm die Tränen in den Augen, er fing an zu schluchzen, die Erinnerung an die Familienangehörigen, die in dem Krieg tagtäglich um ihr Leben bangen, war zu viel für ihn. Rica Braune redet beruhigend auf ihn ein, nimmt sich Zeit, ihm und seiner Geschichte zuzuhören. Und sie weiß: Wenn diese Reaktion häufiger auftaucht, wird sie ihm eine Beratungsstelle zur Bewältigung der traumatischen Folgen seiner Flucht empfehlen. Rica Braune aus Weimar kann in Situationen wie dieser auf das Rüstzeug zurückgreifen, das sie in der Ausbildung zum Flüchtlingspaten beim Paritätischen erhalten hat.

Im ersten Modul der Ausbildung wird der aktuelle Rahmen beleuchtet, in dem sich Flüchtlingspolitik derzeit abspielt. Dabei geht es um Völkerrecht und internationalen Flüchtlingsschutz, um das europäische Asylsystem, um den Ablauf von Asylverfahren in Deutschland und Thüringen, um die soziale Belange der Geflüchteten und um die Vorstellung von Integrationsstrukturen und Hilfelandschaften in Thüringen.

Modul Nummer zwei beschäftigt sich mit Haltung und Kommunikation in der Flüchtlingsarbeit. Dabei geht es um die Auseinandersetzung mit dem Kulturbegriff und der eigenen Biografie, um Handlungsoptionen für das eigene Wirken in interkulturellen Zusammenhängen und um die Sensibilisierung für die eigenen Prägungen und den Umgang mit Geflüchteten, deren Herkunft und deren kulturellen Hintergründen.

Der Umgang mit traumatisierten Menschen in der Flüchtlingsarbeit steht im Zentrum des dritten Moduls.
Zielgruppe der Aus- und Weiterbildung sind Ehrenamtliche, Fachkräfte und Interessierte, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren oder engagieren wollen.

Für Ehrenamtliche aus Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Thüringen ist die Weiterbildung durch die Förderung der Thüringer Ehrenamtsstiftung kostenfrei. Für Ehrenamtliche aus Nicht-Mitgliedsorganisationen ist die Teilnahme durch Förderung aus Mitteln der Staatslotterie ebenfalls kostenfrei. Ansonsten beträgt die Teilnahmegebühr für Mitglieder in einem Paritätischen Unternehmen 250 Euro, für Nichtmitglieder 300 Euro.

Weitere Informationen und Anmeldung unter
https://www.parisat.de/veranstaltungskalender/kompetent-in-der-begleitung-von-fluechtlingen-modulare-weiterbildung-fuer-fluechtlingspaten/478/

 

Tags: Flüchtlingspaten

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