"Wir brauchen Hilfe beim Helfen"

Mit diesem Appell richtet wendet sich Ernst-Martin Stüllein, Geschäftsführer des Multikulturellen Zentrums L’Amitié in Gotha an die Öffentlichkeit. In einem Interview mit Landeswelle Thüringen schildert Stüllein die Arbeit des Vereins und lobt das Engagement der Thüringerinnen und Thüringer für die Flüchtlinge. Viele, vor allem junge Menschen, hätten sich auch bei seinem Verein gemeldet und wollten mit anpacken.

Das Interview mit Ernst-Martin Stüllein zum Nachhören:   

Willkommenskultur

Fort- und Weiterbildung Ehrenamtlicher wichtiger Baustein für Integrationskonzept

Migrationsminister Dieter Lauinger (2.v.r.) bei der Verleihung der Zertifikate an Flüchtlingspaten in NeudietendorfErfurt, 15. April 2016. Fort- und Weiterbildung der ehrenamtlich Tätigen sind ein entscheidender Baustein für ein gelingendes Integrationskonzept in Thüringen. Das unterstrich Thüringens Migrationsminister Dieter Lauinger (Grüne) auf Nachfrage des Paritätischen bei einer Veranstaltung des Kreisverbandes Erfurt der Grünen. Unterstützt wurde er dabei von den beiden Praktikern an seiner Seite, Jürgen Kasper von MitMenschen e.V. und Jörg Stockburger von den Maltesern. Stockburger sagte: „Ehrenamtler müssen unterstützt werden. Sie dürfen nicht allein gelassen werden.“ Und für Kasper ist es wichtig, dass ehrenamtliches Engagement auch gewürdigt wird. „Ehrenamtler brauchen auch Erfolgserlebnisse.“


Lauinger wies in seiner Antwort auf eine entsprechende Frage unter anderem auf die sehr erfolgreiche Aus- und Weiterbildung des Paritätischen zu Flüchtlingspaten hin (bei der Verleihung der Urkunden in den ersten beiden Kursen war er selbst beim Paritätischen dabei, siehe Foto). „Der Staat kann nur die Rahmenbedingungen schaffen. Wir müssen aufpassen, dass wir denjenigen, die sich ehrenamtlich engagieren, auch das entsprechende Wissen an die Hand geben“, so Thüringens Migrationsminister. So sei es sehr wichtig, dass die Ehrenamtler Wissen über die kulturellen Hintergründe der Flüchtlinge hätten oder über Grundkenntnisse im Asylverfahren verfügten. Ein dickes Lob hatten alle für das Engagement der Ehrenamtler tätig, ohne die die Aufnahme der Geflüchteten in Thüringen nicht so reibungslos verlaufen wäre. „Der Staat allein hätte das nicht schaffen können“, so Lauinger.
Lauinger wies dem zivilgesellschaftlichen Engagement bei dieser Thematik einen hohen Stellenwert zu. Die neuen Flüchtlingskoordinatoren, deren Stellen bei Kreisen und kreisfreien Städten das Land finanziell unterstütze, hätten die Aufgabe, dieses zivilgesellschaftliche Engagement zu koordinieren.

Der Verein MitMenschen e.V. betreibt im ehemaligen „Haus der Abgeordneten“ in Erfurt eine Jugendhilfeeinrichtung, in der derzeit 42 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht sind. Außerdem sind in der Verantwortung des Vereins noch fünf Einrichtungen für erwachsene Flüchtlinge. „Die jungen Menschen haben hier die Chance zur Integration“, so Kasper. Er hob die guten Rahmenbedingungen hervor, die der Gesetzgeber geschaffen habe. Diese intensive Arbeit mit den jungen Menschen sei notwendig, damit keine „verlorene Generation“ produziert werde, ergänzte Stockburger.

Als Probleme für die Zukunft machten sowohl Kasper sie auch Stockburger den schon jetzt spürbaren Fachkräftemangel in den sozialen Berufen aus. Sie wünschten sich außerdem eine bessere Koordination der Arbeit der unterschiedlichen Akteure. Von den Teilnehmenden gab es noch kritische Fragen zu den Schnittstellen zwischen Schule und Berufsvorbereitung, gerade bei den jungen Migranten, die keiner Schulpflicht mehr unterliegen.

Eine der wichtigsten Herausforderungen der nahen Zukunft sieht Lauinger darin, die Asylbewerber, deren Antrag positiv entschieden wurde und die damit auch Freizügigkeit in Deutschland genießen, in Thüringen zu halten. „Wir müssen den Menschen etwas bieten“, so Lauinger. Denn Thüringen sei auf Zuwanderung angewiesen. Innerhalb der vergangenen drei Monate sei die Zahl der positiven Bescheide für Asylbewerber deutlich angestiegen. Innerhalb der ersten drei Monate dieses Jahres seien beispielsweise vom Bundesamt für Migration 3500 Asylanträge positiv entschieden worden.

Tags: Dieter Lauinger, Willkommenskultur, Flüchtlingspaten, Ehrennamt, Ehrenamtliches Engagement

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