"Wir brauchen Hilfe beim Helfen"

Mit diesem Appell richtet wendet sich Ernst-Martin Stüllein, Geschäftsführer des Multikulturellen Zentrums L’Amitié in Gotha an die Öffentlichkeit. In einem Interview mit Landeswelle Thüringen schildert Stüllein die Arbeit des Vereins und lobt das Engagement der Thüringerinnen und Thüringer für die Flüchtlinge. Viele, vor allem junge Menschen, hätten sich auch bei seinem Verein gemeldet und wollten mit anpacken.

Das Interview mit Ernst-Martin Stüllein zum Nachhören:   

Willkommenskultur

Projekt „Multipotenzial“ unterstützt Geflüchtete beim Einstieg in die Arbeitswelt – Mittwoch Fachtag in Sondershausen

Jürgen RauschenbachSondershausen/Nordhausen, 25. April 2016. „Hier, das ist mein Haus“. Jürgen Rauschenbach (Foto) sitzt mit dem jungen Afghanen vor dem Computer-Monitor. Auf "google earth" schauen die beiden sich das Heimatdorf des Geflüchteten an, reden über das Leben dort, die Gründe für die Flucht und vieles mehr. So baut Rauschenbach Vertrauen zu den Geflüchteten auf. Rauschenbach ist im Kreis Sondershausen Leiter des Projektes „Multipotenzial“, das Flüchtlinge mit Bleibeperspektive bei der Suche nach Ausbildung und Arbeit hilft. „Alle vielfältigen Potenziale der ankommenden Flüchtlinge sollen festgestellt, weiterentwickelt und gefördert werden“, sagt Rauschenbach. Ein ausdrückliches Ziel des Projektes ist, dass Flüchtlinge in den Nordthüringer Landkreisen arbeiten und wohnen bleiben. Wie „Multipotenzial“ funktioniert, welche Erfahrungen Mitarbeitende und Geflüchtete bisher bei dem Projekt gemacht haben – das alles wird bei einem Fachtag an diesem Mittwoch, 27. April,  in Sondershausen diskutiert.


„Multipotenzial“ findet nicht nur im Kreis Sondershausen statt, sondern in vier Nordthüringer Landkreisen. Es ist ein Gemeinscahftsprojekt der Nordthüringer Träger Gemeinnützige Förderungsgesellschaft Arbeit und Umwelt mbH (FAU) für den Kyffhäuserkreis, Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft (MWTW) im Unstrut-Hainich-Kreis, LIFT gGmbH im Landkreis Nordhausen und VHS Bildungswerk im Eichsfeldkreis. Das Projekt wird gefördert aus Mitteln des Freistaates Thüringen aus der Richtlinie „Arbeit für Thüringen). Wichtige Partner neben den zuständigen Behörden wie Ausländerbehörden, Jobcentern und der Agentur für Arbeit ist die regionale Wirtschaft. Hier wird sehr eng mit Handwerkerschaften, IHK und Betrieben zusammengearbeitet.

Im gesamten Projekt werden derzeit etwa 200 Geflüchtete betreut, im Landkreis Sondershausen sind es aktuell 50 Teilnehmer bei einer ursprünglich auf 30 Teilnehmende angelegten Kapazität. „Uns erreichen aber zunehmend weitere Anfragen“, so Jürgen Rauschenbach. 60 Prozent der Teilnehmenden in Sondershausen sind Flüchtlinge aus Afghanistan, zweitgrößte Gruppe sind Syrer, gefolgt von Tschetschenen. Integriert in das Projekt sind auch die Familien der Geflüchteten, beispielsweise aus Afghanistan und Tschetschenien.

„Wir fangen sehr kleinteilig an“, schildert Rauschenbach den Ausgangspunkt des Projektes. Das geht los bei der Wohnungssuche, beim Finden von Kita-Plätzen, bei der Vermittlung in Sprachkurse oder der Begleitung zum Jobcenter. Wenn diese Schritte alle gegangen sind und der Geflüchtete eine Bleibeperspektive für Deutschland hat, erfolgt dann eine Vermittlung in Praktika im Betrieb. „Wir haben aber auch schon Geflüchtete in feste Arbeitsplätze vermittelt“, so Rauschenbach. Er kann es verstehen, dass auf diesem nicht immer gerade und eben verlaufenden und manchmal durchaus auch sehr langen Weg einige der Geflüchteten ungeduldig werden. „Viele sagen ganz offen, dass sie auch Verpflichtungen gegenüber ihrer im Heimatland zurückgebliebenen Familien haben.“

Bei dem Fachtag am Mittwoch wollen die Organisatoren mit verschiedenen Akteuren und Betroffenen der Region ins Gespräch darüber kommen, wie die Integration in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt gelingen kann. Die Tagung findet im Marstall des Schlosses Sondershausen statt. Thüringens Sozialministerin Heike Werner wird über die Strategien der Landesregierung zur Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt reden, dann berichtet der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nordhausen, Karsten Froböse, über die Aktivitäten der Arbeitsagentur. Hassan Said, ein Mitarbeiter im Projekt beim Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft und Flüchtlinge aus dem Projekt schildern anschließend ihre eigenen Erfahrungen beim Einstieg in die deutsche Arbeitswelt. Dr. Martin Dietz vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsofrschung (IAB) spricht über den Modellversuche „early intervention“, bei dem es um die frühzeitige Arbeitsmarktintegration von Asylbewerbern geht. Und schließlich gibt es noch Erfahrungsberichte von Betriebsvertretern zur Arbeit mit Geflüchteten.
Anmeldungen zu dem Fachtag sind noch möglich unter folgender E-Mail-Adresse:

 

Tags: Arbeitsmarkt, Integration, Jürgen Rauschenbach, FAU Sondershausen

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