"Wir brauchen Hilfe beim Helfen"

Mit diesem Appell richtet wendet sich Ernst-Martin Stüllein, Geschäftsführer des Multikulturellen Zentrums L’Amitié in Gotha an die Öffentlichkeit. In einem Interview mit Landeswelle Thüringen schildert Stüllein die Arbeit des Vereins und lobt das Engagement der Thüringerinnen und Thüringer für die Flüchtlinge. Viele, vor allem junge Menschen, hätten sich auch bei seinem Verein gemeldet und wollten mit anpacken.

Das Interview mit Ernst-Martin Stüllein zum Nachhören:   

Willkommenskultur

"Willkommen im Quartier": Große Hilfsbereitschaft am Erfurter Drosselberg

Große Hilfsbereitschaft signalisierten die Ehrenamtler, die sich in der Initiative "Willkommen im Quartier" engagierenErfurt, 16. Dezember 2015. Das ältere Ehepaar zögert nicht lange. „Wo können wir anpacken und helfen?“, fragten die beiden Anna Chombe vom Familyclub im Erfurter Wohnquartier „Am Drosselberg“. Zunächst erteilten sie den Flüchtlingen, die dort in einer Gemeinschaftsunterkunft und jetzt auch in einer Turnhalle untergebracht sind, Sprachunterricht. Jetzt haben sie auch noch die Patenschaft für zwei junge syrische Männer übernommen, begleiten sie auf ihren Wegen zu den Ämtern, laden sie zu sich ein, erleichtern ihnen das Ankommen in Deutschland. „Willkommen im Quartier“ – ganz praktisch gelebt.


„Die Hilfsbereitschaft hier am Drosselberg ist groß“, sagt Anna Chombe. Sie sitzt an einem Tisch im Familienzentrum „Family Club“. Am Abend vorher haben sich mehr als 20 engagierte Bürgerinnen und Bürger Gedanken gemacht, wie man den Geflüchteten, die hier untergekommen sind, helfen kann. Die Hilfe soll den Flüchtlingen allerdings nicht aufgedrängt werden, sondern sie sollen selbst mitbestimmen. Das ist eine der Grundideen für das Projekt „Koordinierung, Qualifizierung und Förderung der ehrenamtlichen Unterstützung von Flüchtlingen“, wie das Programm der Bundesbeauftragten für Migration offiziell heißt. Projektkoordinator Stefan Oßwald vom PARITÄTISCHEN legt großen Wert darauf, dass die Programme von den Ehrenamtlern in enger Kooperation mit den Geflüchteten entwickelt werden.

So hat ein junger Syrer, der seit drei Monaten in Deutschland ist, jetzt seine Landsleute befragt, wie man ihnen helfend unter die Arme greifen könnte. Dabei kam heraus, dass der Wunsch nach mehr Sport bei den jungen Männern ganz oben steht. „Fußball, Body-Building“ waren die am häufigsten genannten gewünschten Freizeitbeschäftigungen. Am Drosselberg sind derzeit in der Gemeinschaftsunterkunft 64 Personen untergebracht und in einer Turnhalle, die aber nicht mehr aktiv von den Vereinen genutzt wird, derzeit 52 Personen.

„Mit der Akzeptanz der Geflüchteten hier im Wohnquartier sind wir zufrieden“, sagt Anna Chombe. Jetzt geht es darum, die Geflüchteten mit den Menschen vor Ort zusammenzubringen. Und da haben die Ehrenamtler, die jetzt im Family Club zusammensaßen, eine ganze Reihe guter Ideen entwickelt. Beispielsweise kam die Anregung, Länderabende anzubieten. Zum einen könnte den Geflüchteten auf diese Weise Deutschland näher gebracht werden, aber auch die Flüchtlinge könnten über ihre Heimatländer informieren. Ein älterer Bewohner, der selbst vor einigen Jahren in Syrien war, erzählte, er würde gerne seine Erfahrungen von damals mit der Situation heute vergleichen. Chombe schätzt, dass etwa 60 Personen im Quartier ansprechbar seien, um den Geflüchteten zu helfen. Sie sollen auch stärker in die schon existierenden Angebote vor Ort einbezogen werden, beispielsweise in die Angebote der Tafel oder in die Beratungs- und Hilfsangebote von Talisa.

Groß war auch der Wunsch nach umfangreicher Information, auch darüber, wie man mit rechtsradikalen Parolen umgeht, wie man dummen Sprüchen am Stammtisch entgegentritt. Die Ehrenamtler wollen für ihre Arbeit gestärkt werden. „Es geht um die Klärung der Frage, was die Akteure vor Ort leisten können, um den Geflüchteten zu helfen und sie zu unterstützen.“ In der vergangenen Woche gingen ehrenamtliche HelferInnen mit den Geflüchteten erst einmal in die Erfurter Eishalle zum Eislaufen. „Es war toll“, so Anna Chombe danach. Solche sportlichen Angebote sollte es, da sind sich die HelferInnen einig, öfter geben – das würde auch den Wünschen der Geflüchteten entsprechen. „Willkommen im Quartier“ – so heißt das Projekt, und das ist auch der Anspruch, den Oßwald und Chombe damit verbinden.

Tags: Flüchtlinge, Willkommenskultur, Family Club

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