"Wir brauchen Hilfe beim Helfen"

Mit diesem Appell richtet wendet sich Ernst-Martin Stüllein, Geschäftsführer des Multikulturellen Zentrums L’Amitié in Gotha an die Öffentlichkeit. In einem Interview mit Landeswelle Thüringen schildert Stüllein die Arbeit des Vereins und lobt das Engagement der Thüringerinnen und Thüringer für die Flüchtlinge. Viele, vor allem junge Menschen, hätten sich auch bei seinem Verein gemeldet und wollten mit anpacken.

Das Interview mit Ernst-Martin Stüllein zum Nachhören:   

Willkommenskultur

Zusätzliche Milliarden für Flüchtlingsarbeit "zwingend notwendig" - Aber auch "falsche und irritierende" Signale

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen GesamtverbandesNeudietendorf/Berlin, 7. September 2015. Sechs Milliarden Euro stellt die Bundesregierung mehr zur Bewältigung des Flüchtlingsproblems bereit: Dieser Beschluss des Koalitionsausschusses wird vom Paritätischen begrüßt. Wichtig ist nach Einschätzung von Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes, dabei die Entlastung der Kommunen in Höhe von drei Milliarden Euro. „Es sind dies zwingend notwendige Schritte. Alles andere hätte zu einem Kollabieren des Hilfssystems geführt“, so Schneider.
Allerdings nennt Schneider es „umso enttäuschender“, dass die von den Koalitionsspitzen beschlossenen Maßnahmen die Gründe für die tagtäglichen humanitären Katastrophen, die sich auf dem Mittelmeer und der Balkanroute abspielen, überhaupt nicht berühren. Weder werde am so genannten Dublin-System gerüttelt, noch werde für sichere Flucht- und Zugangswege für die Flüchtlinge.


Besonders heftig kritisiert werden vom Paritätischen die Beschlüsse über die Umstellung von Bargeld auf Sachleistungen, schnellere Abschiebungen und Restriktionen bei der Duldung. Hier werde auf Härte und Abschreckung gesorgt. Das sei ein völlig falsches und irritierendes Signal an die zigtausenden von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die sich für die hier ankommenden Flüchtlinge engagieren und Deutschland ein humanitäres Gesicht geben.
Als hochvernünftig und begrüßenswert beurteilt der Paritätische, dass Menschen aus den Balkanländern nun ein direkter Zugang zum Arbeitsmarkt eröffnet werden soll. „Völlig unakzeptabel“, so Schneider, sei jedoch die Anerkennung von Staaten als sichere Herkunftsländer, in denen bekanntermaßen ethnische Minderheiten in einer systematischen und völlig unzumutbaren Weise drangsaliert werden. „Auch hier bedarf es – gerade mit Blick auf Gespräch über eine EU-Mitgliedschaft – glasklare Signale, was den Umgang mit Sinti und Roma anbelangt.“
Eine Verlängerung der maximalen Aufenthaltsdauer in den Erstaufnahmeeinrichtungen ist nach Einschätzung des Paritätischen nur akzeptabel, wenn wirklich menschenwürdige und zivile Wohnbedingungen gegeben seien. In den Erstaufnahmeeinrichtungen fehle es nach wie vor an einer guten unabhängigen Verfahrensberatung, einer umfassenden medizinischen Versorgung und insbesondere an psychologischer Hilfe für traumatisierte Menschen. Dies könne durch ehrenamtliches Engagement nicht aufgefangen werden, so Schneider.

Tags: Flüchtlinge, Migration

Drucken

Diese Webseite verwendet Cookies, um die Bedienfreundlichkeit zu erhöhen. Weitere Informationen:
Datenschutzerklärung OK