Logo Transparente Zivilgesellschaft webzeugkoffer

Mit Kampagnen wichtige Themen in die Öffentlichkeit tragen

Ob Pflege oder zivilgesellschaftliches Engagement, ob der Wunsch nach einer gerechteren und solidarischeren Gesellschaft oder die bessere Positionierung unserer paritätischen Werte in der Öffentlichkeit – mit Kampagnen geht der Paritätische Thüringen, häufig auch in Kooperation mit anderen, immer wieder an die Öffentlichkeit. Medienpartner wie LandesWelle Thüringen oder die TLZ helfen dabei, unsere Anliegen in Thüringen bekannt zu machen.

Mit der Kampagne „Pflege braucht Helden“ wurde gemeinsam mit den Partnern des Thüringer Pflegepaktes eine erfolgreiche Imagekampagne für die Altenpflege auf den Weg gebracht.

Der Thüringer Kinder- und Jugendpreis – eine gemeinsame Aktion der Paritätischen BuntStiftung und der Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen – zeichnet jedes Jahr herausragende Projekte der Kinder- und Jugendarbeit im Freistaat in den unterschiedlichsten Themengebieten aus. 

Die gemeinsame Aktion von LandesWelle, TLZ und Paritätischem „Gute Nachbarn – gute Taten“ stellt herausragendes zivilgesellschaftliches Engagement vor und zeigt, dass die Thüringerinnen und Thüringer zusammenstehen.

Zehn Jahre lang wurden mit der alljährlichen Spendenaktion „Thüringen sagt Ja zu Kindern“ Projekte der Kinder- und Jugendarbeit in ganz Thüringen unterstützt. Dabei kam weit mehr als eine Million Euro an Spendengeldern zusammen.

Die Aktion „UmFAIRteilen“ wirbt für eine gerechtere und solidarischere Steuerpolitik in Deutschland.

Unterstützt vom Paritätischen wird die landesweite Kampagne „Thüringen braucht Dich“, mit der um Fachkräfte im Freistaat geworben wird.

Mit dem Paritätischen Wertedialog sollen die Paritätischen Werte einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.

Keine Landtagswahl? Wir haben trotzdem was zu sagen

aufklZur Landtagswahl hat der Paritätische Kernforderungen an eine zukünftige Landesregierung aufgestellt. Auch wenn die Landtagswahl nun erstmal nicht stattfinden wird, bleiben diese wichtig und richtig.

Wir fordern: 

  1. Zivilgesellschaft und demokratischen Zusammenhalt durch mehr Beteiligung an den Entscheidungsprozessen stärken. 

Klare Positionierung gegen jegliche Form von Diskriminierung. 

  1. Zuwendungsfinanzierung für gemeinnützige Träger reformieren und dynamisieren, damit tarifliche Bindungen umgesetzt werden können.  
  1. Passgenaue Hilfsprogramme/Förderoptionen, um die Trägervielfalt zu erhalten. Bei sinkendem ESF-Interventionssatz muss eine Ko-Finanzierung möglich sein. 
  1. Umsetzung der Istanbul-Konvention: ausreichende Finanzierung von Gewaltschutzprogrammen 
  1. Abschaffung Bildungs- und Teilhabepaket – dafür echte diskriminierungsfreie Teilhabe für Kinder und Jugendliche aus von Armut betroffenen Familien. 
  1. Barrierefreie Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen beschleunigen. 
  1. Sozialökologische Wende auch in Thüringen voranbringen; Infrastruktur-, Bau- und Sanierungsprogramme für gemeinnützige Träger stärker öffnen, damit auch hier Klimaschutz möglich wird. 
  1. Gewährleistung eines stigmatisierungsfreien Zugangs zur Schwangerenkonfliktberatung sowie der Einsatz zur Abstandswahrung für Abtreibungsgegner*innen 
  1. Sammel- und Gemeinschaftsunterkünfte abschaffen und durch dezentrale Unterbringungsmöglichkeiten ersetzen. Bleiberecht für Geflüchtete in Bildung, Ausbildung und Studium. 
  1. Einsetzen für eine echte Pflegereform, für eine solidarische Pflegeversicherung. 
  1. Digitalbonus auch für gemeinnützige Träger!  
  1. Niedrigschwellige Angebote der Kinder- und Jugendarbeit auch im ländlichen Raum. Schulsozialarbeit ausbauen und das an allen.  

Qualitative Rahmenbedingungen in Kitas weiter ausbauen, PiA dauerhaft etablieren. 

Drucken

Sharepics für den Bundestagswahlkampf

gehwählenZur Mobilisierung für die Bundestagswahl 2021 hat der Paritätische Gesamtverband Sharepics für die sozialen Medien entwickelt.  Allen, die aktiv werden wollen, stellen wir diese hier zur Verfügung. Die Sharepics werden in den Formaten für Twitter und Facebook angeboten und zeigen acht unterschiedliche Motive. Die Themen reichen von Armut, Wohnen, Kinder und Familie über Inklusion und Pflege bis hin zu Ökologie und Menschenrechten.

Drucken

Geht wählen (weil alle zählen)! Aktionsworkshops zur Bundestagswahl

Der Paritätische macht mobil zur Bundestagswahl und lädt zu digitalen Aktions-Workshops ein.

Der Paritätische mobilisiert dieses Jahr unter dem Motto “Geht wählen, weil alle zählen” erstmals mit einem eigenen Wahlaufruf zur Bundestagswahl. Die geplanten Aktions-Workshops richten sich an alle im Paritätischen und Mitgliedsorganisationen sowie Sympathisant*innen, die Lust haben, bereits während des Wahlkampfes in den sozialen Medien Stimmung für soziale Themen (und Mehrheiten) zu machen.

In den Workshops erwarten Euch jeweils eine kurze Einstimmung auf das Wahljahr zu wechselnden Schwerpunktthemen und Tipps sowie praktische Übungen, um soziale Themen erfolgreich in den sozialen Medien zu platzieren. Wir stellen unsere Ideen für mögliche gemeinsame Aktionen vor und bieten Raum für den Austausch mit Gleichgesinnten und das gemeinsame Pläneschmieden.

Termine (jeweils donnerstags, 10:00-11:30 Uhr, via Zoom / Anmeldung über eveeno)

Donnerstag, 17.6. - Themeninput: Armut abschaffen! / Kinder verdienen mehr
Donnerstag, 24.6. - Themeninput: Wohnen ist Menschenrecht!
Donnerstag, 1.7. - Themeninput: Menschenrechte kennen keine Herkunft!
Donnerstag, 8.7. - Themeninput: Ökologische Wende sozial gestalten!
Donnerstag, 22.7. - Themeninput: Gute Pflege und Gesundheitsversorgung für alle

Drucken

Einladung zum Mitmachen - Gemeinsam für Vielfalt, Toleranz und Offenheit

Stefan Werner 2964 LIGA 2019Natürlich beschäftigt Sie und uns immer noch am stärksten die Pandemie. Zunehmend aber auch die Folgen und das führt zu einem Thema, das langsam aber sicher ganz nach oben auf der Themenliste wandert: Die Wahlen. Es wird für uns ganz klar darum gehen, trotz weniger Einnahmen bei den Kommunen, Kürzungen vor allem bei den freiwilligen Leistungen zu verhindern. Klar ist aber auch, dass auch Bereiche wie die Pflege davon abhängen, dass das nötige Geld dafür bereitgestellt wird. Sicherlich werden wir an dieser Stelle über die Verteilung von Steuern reden müssen, denn die Pflegesätze werden eher nicht erhöht werden. Wir müssen da realistisch sein, denn das Ziel bleibt: vielfältige, soziale Arbeit vor Ort. Der Paritätische ist in den Planungen zu Kampagnen zu den Wahlen auf Bundes- und Landesebene. Der Paritätische ist aber eben auch nur so stark wie seine Mitglieder. Daher die herzliche Einladung an Sie, liebe Paritäter*innen, sich mit uns in der Wahlkampfzeit zu engagieren. Melden Sie sich gern bei uns ( ), wenn Sie Ideen haben, schreiben Sie uns, was Ihnen wichtig ist, was Sie schon geplant haben, damit wir gemeinsam eine starke Stimme für das Soziale sind.

Bei den Wahlen geht es in diesem Jahr auch ganz entscheidend darum, Demokratie und Vielfalt zu erhalten, zu stärken uns auszubauen. Dazu hat der Paritätische Thüringen ein pdfPositionspapier entwickelt.

Drucken

Diabeteshilfe aus Jena und der Verein "Tierisch - Menschlich" sind die "Guten Nachbarn 2019"

Die Gewinner der Aktion "Gute Nachbarn - gute Taten" stehen fest: Die Diabeteshilfe aus Jena und der Verein „Tierisch-Menschlich“ sind die „Guten Nachbarn 2019.“ Das Diabeteszentrum für Kinder und Jugendliche in Jena – eine Mitgliedsorganisation des Paritätischen Thüringen – gewann die Abstimmung in der TLZ, der Verein „Tierisch-Menschlich“ hatte die Nase beim Voting der Hörerinnen und Hörer der Landeswelle vorn. Das Diabeteszentrum in Jena unterstützt Kinder und Jugendliche sowie deren Familien beim Umgang mit der Krankheit, steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Der Verein „Tierisch-Menschlich“ aus Wormstedt im Kreis Weimarer Land hilft mit seinen Therapietieren Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung. Beide Vereine werden im nächsten Jahr von den Partnern der Aktion – dem Paritätischen Thüringen, der TLZ und der Landeswelle – medial in ihrer Arbeit unterstützt. An dem Online-Voting nahmen insgesamt zehn soziale Projekte aus ganz Thüringen teil.

Mit der Kampagne hatten der Paritätische Thüringen, Landeswelle Thüringen und die Thüringische Landeszeitung das Thema zivilgesellschaftliches Engagement und ehrenamtliche Arbeit in die Öffentlichkeit getragen. Am Schluss standen aus allen eingereichten Vorschlägen zehn Projekte zur Auswahl, die beispielhaft für alle anderen  für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft sorgen, die stellvertretend für das umfangreiche zivilgesellschaftliches Engagement in Thüringen stehen. Durch diese guten Beispiele sollen auch andere zum ehrenamtlichen Engagement ermutigt werden.

Nachfolgend stellen wir Ihnen die beiden Siegerprojekte und die übrigen acht Projekte vor, die zur Auswahl gestanden haben.

Drucken

Diabeteszentrum für Kinder und Jugendliche in Jena steht Familien mit Rat und Tat zur Seite

Der 13-jährige Oscar und Conny BartzokJena. Für die Eltern war die Diagnose „Diabetes“ ein Schock. Manuela, die Mutter der heute 13-jährigen Johanna erinnert sich noch gut an die Situation vor fünfeinhalb Jahren. „Das kam für uns völlig unvermittelt und zieht einem zunächst einmal den Boden unter den Füßen weg.“ Allerdings blieb nicht viel Zeit zum Nachdenken und Sinnieren, sondern es ging sofort hinein in das „Alltagsmanagement“ wie die Mutter sagt. Und das heißt: regelmäßig Blutzucker messen, regelmäßig Spritzen. „Aber sehr früh stellte sich auch eine gewisse Erleichterung ein, dass es ,nur‘ Diabetes und keine schlimmere Krankheit war.“  Unser Bild zeigt den ebenfalls an Diabetes erkrankten 13-jährigen Oscar gemeinsam mit der Leiterin des Zentrums, Conny Bartzok.

Mittlerweile gehört die Krankheit „Diabetes mellitus, Typ 1“ für die Familie von Johanna und für sie selbst zum täglichen Leben. „Man gewöhnt sich dran“, sagt Johanna. Genauso wie ihr Umfeld. Und trotzdem ist die Krankheit allgegenwärtig. „Man muss sehr heftig nachdenken, was man zu sich nimmt“, erklärt sie. „Man muss abwägen, welche körperlichen Aktivitäten zu welchem Zeitpunkt möglich sind.“ Manchmal muss Johanna auch auf den Sportunterricht verzichten. „Diabetes ist halt nicht lenk- oder steuerbar“, ergänzt die Mutter. „Jeder Tag ist anders.“ Mal geht es Johanna gesundheitlich sehr gut, mal aber auch schlechter.

Conny Bartzok ist stolz auf Kinder wie Johanna, Kinder, die trotz dieser Erkrankung ihr Leben meistern. Die engagierte Geraerin leitet das Diabeteszentrum für Kinder und Jugendliche in der Saalestadt. Betroffene Kinder und Jugendliche werden von Conny Bartzok und ihrem Team begleitet, den Familien wird Unterstützung angeboten. 600 betroffene Familien gibt es nach Schätzung von Conny Bartzok in Thüringen, im Verein sind 70 Familien Mitglieder, Kontakt gehalten wird aber schätzungsweise zu 200 Familien im gesamten Freistaat. Alle sechs bis acht Wochen gibt es Elternrunden, bei denen aktuelle Informationen weitergegeben werden und die von einer Psychologin begleitet werden „Wir geben Hilfe zur Selbsthilfe“, so Conny Bartzok. Betreuenden Personen wie Verwandten, Freunden, Trainern, Lehrern und Erziehern werden zusätzliche Schulungen angeboten und für die Kinder und Jugendlichen werden Freizeitangebote organisiert.

Oscar, der bei dem Gespräch in der Geschäftsstelle des Vereins neben Johanna sitzt, ist ein 13-jähriger, aufgeweckter und sehr kommunikativer Junge. Mit seiner Krankheit, Diabetes mellitus Typ 1, geht er ganz selbstverständlich um, auch er hat sie akzeptiert, auch für ihn gehört sie zu seinem Leben. . „Das Messen, die Spritzen, das gehört für mich zum täglichen Leben dazu, so wie Zähneputzen oder Aufstehen“, sagt er. Für die Blutzuckermessungen, die alle ein bis zwei Stunden erfolgen muss, hat er,, ebenso wie Johanna, mittlerweile einen Sensor, der den Blutzucker im Gewebe alle zwei Minuten misst. Ausgelesen werden die Werte mittels eines Scanners, der das Fingerstechen abgelöst hat.
Weil die Krankheit aber unberechenbar ist, sind Hilfsorganisationen wie der Jenaer Verein für die Betroffenen so enorm wichtig. Die Unterstützung, die der Verein den Familien anbietet, bezieht sich vor allem auf den alltäglichen und sozialen Bereich, ein Angebot, das in dieser Form in Thüringen einmalig ist. „Wir stehen den Familien in ihrem häuslichen und sozialen Umfeld zur Seite und leisten Aufklärungsarbeit in Schulen und Kindergärten. Um allen – Kindern, Eltern und Freunden – ihren neuen Alltag zu erleichtern,“ so Conny Bartzok.

Ganz eng ist die Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik Jena und deren Diabetesambulanz. Etwa 120 Kinder und Jugendliche mit Diabetes mellitus Typ 1 aus Jena und Ostthüringen werden durch die Teams der Diabetesambulanz der Kinderklinik Jena und einer diabetologischen Schwerpunktpraxis für Kinder und Jugendliche in Jena medizinisch betreut. Allerdings macht Conny Bartzok eindeutig klar, dass sie und ihre Mitarbeiter keine medizinischen Ratschläge geben: „Medizinische Fragen zur Diabetes-Therapie-Behandlung müssen die Familien immer mit ihrem behandelnden Arzt klären!“, sagt sie. Aber die enge Kooperation mit den Ärzten in Jena macht es möglich, schnell und unbürokratisch die

Familien im alltäglichen Bereich und in deren sozialem Umfeld zu unterstützten.
Das weiß auch die Mutter von Johanna zu schätzen: „Conny war damals die ersten Nicht-Mediziner, die uns Hilfe angeboten hat.“ Der Verein fängt die Familien in einem Netz auf. Denn gerade nach der ersten Diagnose und dem Klinikaufenthalt stürzen so viele neue Informationen auf Eltern und Kinder ein, müssen sie sich an so viel neue Abläufe gewöhnen, dass sie für jeden Tipp dankbar sind. Conny Bartzok bringt es so auf den Punkt: „Sie nehmen den Wald vor lauter Bäumen nicht wahr.“ Und auch nach dem Klinikaufenthalt werden die Familien begleitet. „Wir geben eben Hilfe zur Selbsthilfe“, so Bartzok über die Arbeit des Vereins.

Diese Hilfestellung ist notwendig. Denn die Betroffenen und deren Familien müssen ihren Alltag komplett umstellen. Das weiß auch Oscar. Bei ihm machte sich die .Krankheit durch ständiges Schlappsein bemerkbar. „Ich habe mich gefragt, was ist mit mir los?“ Bei einem Jungen aus der Nachbarschaft, der bereits an Diabetes erkrankt war, machte er einen Blutzuckertest. Und dann war klar: Auch Oscar war betroffen. Denkt er heute viel über seine Krankheit nach? „Dazu hat man keine Zeit, man muss es halt machen“, sagt er. Persönlich geht er sehr offen mit seinem Diabetes um. „Mittlerweile spritze ich mich auch im Klassenraum in den Oberarm“, erzählt er. Seine Mitschüler akzeptieren die Krankheit, sie sind auch darüber informiert, was bei einem Schwächeanfall sofort zu tun ist.

Johanna und Oscar – zwei junge Menschen, die es gelernt haben, mit ihrer lebenslangen Krankheit offen umzugehen, sie zu akzeptieren. Sie selbst und ihre Familien haben im Jenaer Diabeteszentrum Hilfe und Unterstützung gefunden haben. Und schon im Vorfeld freuen sich Johanna und Oscar auf einen Segeltörn, der sie zusammen mit anderen betroffenen Kindern und Jugendlichen des Diabeteszentrums für Kinder und Jugendliche in den Osterferien nach Holland führt, organisiert und ermöglicht vom Verein „Sailing kids Jena e.V.“ in Jena. „Wir freuen uns sehr darauf“, sagten sie. Oskar war übrigens der erste, der sich zu dem Segeltörn angemeldet hatte.

Kontakt:
Beratungsstelle Schillerstraße 21, Jena
Telefon 03641/355886
E-Mail:
Der Verein ist für seine Arbeit auf Spenden angewiesen. Spendenkonto:
DE53 8305 3030 0018 0046 01 , BIC: HELADEF1JEN

Text und Bild: Hartmut Kaczmarek

Drucken

Verein "Tierisch - menschlich" hilft Kindern mit und ohne Behinderung

 Der Verein "Tierisch-menschlich" aus WormstedtWormstedt. Sie und ihre Therapietiere geben sich mit ganzem Herzen Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung hin – im Verein „Tierisch-Menschlich“ aus Wormstedt (Weimarer Land). Auf einem Hof mit Stall und Koppel empfangen die Mitglieder regelmäßig Gäste und führen sie mit den Therapietieren – das sind die beiden Ponys Monty und Pedro sowie der Shia-Inu-Rüde Tamiko – zusammen.

Die vierbeinigen Freunde der 34 Vereinsmitglieder sind als Brückenbauer und Eisbrecher im Einsatz. So richtet sich das Angebot der Ehrenamtlichen etwa an Menschen mit Kontaktschwierigkeiten. Doch auch die Belastung durch Wahrnehmungs-, Sprach-, Konzentrations- und Bewegungsstörungen können im direkten Umgang mit den ruhigen, ausgeglichenen und treuen Tieren abgemildert werden. „Wir haben uns das Ziel gesetzt, Menschen mit Behinderungen sowie von Behinderung bedrohte Menschen in das gesellschaftliche Leben zu inkludieren, deren Lebensqualität zu verbessern. Die Gesundheits- und Bewegungsförderung im Zusammenspiel von Mensch, Tier und Natur ist unser Hauptanliegen“, erklärt Vereinsmitglied Kerstin Reichardt .

Alles fing mal klein an – wurde die Idee aus der eigenen Betroffenheit in der Vereinsfamilie geboren. Eines der Gründungsmitglieder ist selbst gehörlos. Obwohl ihm sein Umfeld zur Seite stand und eigens Gebärdensprache erlernte, fühlte er sich oft einsam und ausgeschlossen.

Sein Zuhause fand er, als er Zeit im Stall mit den Tieren verbrachte. „Sie sind völlig wertungsfrei und geben sehr viel Vertrauen sowie Geborgenheit“, erklärt Kerstin Reichardt . Außerdem urteilen sie nicht und nehmen den Menschen so an, wie er ist. Durch diese Erkenntnis beschlossen die Familienmitglieder, auch andere Menschen in ihrer Not zu unterstützen und ihnen zu helfen. Auch aus fachlicher Sicht wussten die Vereinsmitglieder, was auf sie zukommen würde, so sind einige Mitglieder Fachkraft für tiergestützte Intervention, Erzieher, Altenpfleger oder Ergotherapeut. Am 11. April 2015 gründete sich der Verein und machte aus einer persönlichen Betroffenheit eine Herzensangelegenheit.

Kurz vor ihrem vierten Geburtstag will die Vereinsfamilie ihr Engagement weiter ausbauen. So ist eine Neuauflage eines Events geplant, das seit der Vereinsgründung jedes Jahr Besucher über die Kreis- und Landesgrenzen nach Wormstedt führt. Wenn alles mit der Finanzierung klappt, könnte es wieder ein großes buntes Programm für Menschen mit und ohne Behinderung geben – mit Wettspielen wie Schubkarrenrennen oder Sackhüpfen, Ponyreiten und Kutschfahrten. Auch ist ein Besuch der DRK-Hunderettungsstaffel aus Naumburg sowie eine Dressurquadrille im Gespräch. Es müssten jedoch noch Sponsorenzusagen abgewartet werden. Zuletzt erfreute sich das große Sommerfest mit 300 Besuchern wachsender Nachfrage. Doch auch sonst ist der Verein gefragt. Damit ergab sich auch die Notwendigkeit, unabhängig von Wind, Wetter und Licht zu arbeiten, was gerade im Winter ein Problem ist. „Um das zu erreichen, ist die Errichtung einer Therapie-Reithalle geplant“, erklärt Schatzmeisterin Beatrice Homberger .

Die Gemeinde stehe hinter dem Projekt und habe bereits Unterstützung hinsichtlich des Bebauungsplanes zugesichert. Auch seien die Anwohner und vor allem Nutzer des Vereins­angebotes von der Idee begeistert. Um ein so großes Projekt Wirklichkeit werden zu lassen, bräuchte es aber nicht nur jede helfende Hand und Herzblut – die Eigenmittel des Vereins müssten auch durch finanzielle Zuwendungen gestärkt werden.


Text und Bild: Martin Kappel/TLZ

 

 

 

Drucken

Gemeinsam macht Sport mehr Spaß: Der Verein ILOH in Mühlhausen setzt auf den Abbau von Barrieren durch Begegnungen

Der Verein ILOH MühlhausenMühlhausen. Marco Pompe ist niemand, der sich so leicht unterkriegen lässt. Im Gegenteil: Der seit seiner Kindheit auf den Rollstuhl angewiesene Mühlhäuser geht immer wieder an seine Grenzen. „Ich kann nicht anders“, erzählt er. So hat er als Kind mit Krücken Fußball gespielt, hat sich an der Tischtennisplatte im Rollstuhl erprobt, ist Mono-Ski gefahren und hat vor zwei Jahren einen Tandem-Fallschirmsprung absolviert. Marco Pompe sprüht vor Ideen, begeistert mit immer neuen Initiativen und verfolgt dabei immer ein großes Ziel: Die Inklusion voranzubringen, Menschen mit und ohne Handicap zusammenzuführen bei gemeinsamen Initiativen und Menschen ohne Behinderung ein Stück weit zu vermitteln, wie es sich mit einer Behinderung lebt. Eines der Projekte: Ein spezieller Wanderrollstuhl, der auch auf den Rollstuhl angewiesene Menschen Natur-Wanderungen gestattet.

Das ist auch die Grundidee, die hinter dem von ihm mitgegründeten Verein ILOH in Mühlhausen steckt. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Barrieren gegenüber Behinderung durch Begegnung abzubauen“, erzählt Pompe. Der Verein hat sich vor einigen Jahren aus dem Unterrichtsfach „Sozialdiakonie“ am Evangelischen Schulzentrum in Mühlhausen/Thüringen entwickelt und ist seit 2015 eine eigene Abteilung im Rehasportverein Mühlhausen e.V. Die Abkürzung ILOH steht für: „Ich lebe ohne Hindernisse = alle gemeinsam“. Der Name ist in diesem Verein Programm.

Wenn Marco Pompe von dem Verein ILOH erzählt, dann gerät er schnell ins Schwärmen und man merkt, dass ihm die Arbeit dort eine Herzensangelegenheit ist: „Ich bin in einer tollen Gruppe von engagierten Personen tätig“, sagt er. „Wir fördern und initiieren Aktionen für Alle – vor allem in Verbindung mit Rollstuhlsport in der Sporthalle, im Alltag oder durch Rad- und Wanderausflüge in der Natur. Alle haben das Ziel ,Hürden‘ für Personen mit Handicap und deren Angehörige auf allen Ebenen abzubauen.“ Die Region Unstrut-Hainich soll zu einer integrativen Sportregion werden. Pompe weiß: „Gemeinsam macht Sport noch mehr Spaß und bringt Erfolg.“

Dieses Ziel verfolgt der Verein mit vielfältigen Aktivitäten. Nur einige Beispiele:
 Im Rahmen des Sportunterrichts werden Schülerinnen und Schüler mit den Angeboten von ILOH vertraut gemacht, sie können auch selbst ausprobieren, wie man sich als Rollstuhlfahrer fühlt – und am Ende gibt es dann sogar einen Rollstuhlführerschein.
 Für junge Menschen hat sich eine neue Tanzgruppe aus Rollstuhlfahrern und Rollerblades-Fahrern gebildet.
 Senioren spielen Boccia miteinander.
 Es gibt gemeinsame Wanderungen und Ausflüge.
 Und selbstverständlich hat man auch die Barrierefreiheit in der Stadt Mühlhausen unter die Lupe genommen und dabei den Verantwortlichen wertvolle Tipps gegeben.
 Einen speziellen Wanderrollstuhl des Vereins können Schulen und Bildungseinrichtungen für integrative Klassenfahrten nutzen. Dieser Wanderrollstuhl gleicht einer Sänfte und kann mit zwei Begleitpersonen für alle Teilnehmer einen Weg ins Dickicht und auf schmalen Pfaden auch über Stock und Stein im Wald ermöglichen
 Seit Januar 2018 ist der Unstrut-Hainich-Kreis unter Federführung von ILOH eine von zehn Modellregionen für Inklusion im Sport in Deutschland. „Mehr Inklusion für Alle“ heißt das Projekt, das sich den Auf- und Ausbau einer inklusiven Sportlandschaft im Kreis als Ziel gesetzt hat.
Stolz ist Marco Pompe auch, dass er im Jahr 2016 mit seinem Bruder Sven und dem Extremsportler Guido Kunze den Thüringer Tourismuspreis für das Projekt „Barrierefrei den Naturpark erleben“ erringen konnte.

Ideen hat der Mühlhäuser genug. Das neueste Projekt, das er jetzt erfolgreich angestoßen hat: Ein Inklusionsanhänger, der von vielen Unternehmen der Region gesponsert wurde. Der Anhänger ist gefüllt ist mit zahlreichen Sportgeräten und einem Rollstuhl. „Damit wollen wir vor allem an den Schulen der Region unterwegs sein“, erzählt Pompe. Den Schülerinnen und Schülern soll so das Thema Inklusion nahegebracht werden. Sie sollen erleben können, wie sich Menschen mit Handicap fühlen. Der Anhänger soll in der nächsten Zeit noch mit weiteren Geräten ausgestattet werden. Dazu gehören u.a. eine mobile Rampe, zwei Aktiv-Rollstühle und eine Ausrüstung für die Beeinträchtigung der Sinnesorgane, berichtet Pompe. „Wir wollen die Vielfalt von Behinderungen darstellen“, sagt Pompe. So denkt er etwa an eine Brille, an der verschiedene Sehstärken eingestellt und nachempfunden werden können. Oder auch an eine Infrarotschießanlage, wie es sie für sehbeeinträchtigte Biathlon-Sportler gibt.

Marco Pompe setzt auf eine inklusive Gesellschaft, an der er mit dem Verein ILOH kräftig mitbauen will. Der engagierte Mühlhauser sagt: „Als Inklusionsbotschafter möchte ich dazu beitragen, dass Menschen mit und ohne Handicap gemeinsam die Gesellschaft formen und prägen, so dass ein barrierefreies Miteinander noch besser möglich ist.“

Text: Hartmut Kaczmarek, Bild:ILOH Mühlhausen

 

Drucken

Diese Webseite verwendet Cookies, um die Bedienfreundlichkeit zu erhöhen. Weitere Informationen: