Familie Lindig aus Erfurt hält viel von Hilfe und freundlichem Kontakt

Die Eheleute Lindig stecken immer voller IdeenErfurt. Wir suchen gute Nachbarn
„Gute Nachbarn sind ein echter Schatz“. Diese ungarische Weisheit kann jeder bestätigen, der gute Nachbarn hat – Nachbarn, auf die man sich verlassen kann, Nachbarn, die mit anpacken, wenn Not am Mann ist, Nachbarn, die immer mit einem guten Rat und Tipp zur Stelle sind, wenn man sie braucht. In der gemeinsamen Aktion "Gute Nachbarn - gute Taten" suchen der Paritätische Thüringen, LandesWelle Thüringen und die TLZ solche Nachbarn, die etwas anstoßen, die etwas bewegen, die sich ehrenamtlich engagieren. Als erste gute Nachbarn hat die TLZ jetzt Eva und Klaus Lindig aus Erfurt vorgestellt. Die beiden sind wegen ihres Engagements im vergangenen Jahr bereits mit dem Paritätischen Ehrenamtspreis ausgezeichnet worden.

Sie haben einen Schein, den sie gar nicht brauchen. Und vorgeschrieben ist er auch nicht. Eva und Klaus Lindig zeigen mir ihren Rollator-Führerschein. Es ist die erste Verblüffung, die ich während des Besuchs bei den beiden an diesem Tag im Erfurter Dichterviertel erlebe. Es wird nicht die letzte sein.

Das Logo der Aktion Gute Nachbarn - gute Taten„Ich brauche noch keine Brille“, sagt die 73-jährige Eva Lindig. Es ist ein putziger Zufall, dass just in diesem Moment draußen auf der Terrasse ein Eichhörnchen im Vogelhaus verschwindet. Es ist kaum zu sehen. Doch die einstige medizinisch-technische Assistentin hat es entdeckt. Und freut sich daran.


Dann räumt sie auf mit Vorurteilen, die sie immer wieder hört. Alte kapseln sich ab? Das stimmt nicht. Das wäre ihr aufgefallen in den vergangenen zehn Jahren, seit sie zum Seniorenbeirat gehört. Aber sie hat bemerkt, dass es für Menschen jenseits ihrer Berufe und jenseits der Alltagshektik keinen Treffpunkt gibt. Zumindest nicht in ihrem Dichterviertel. Dort geht es so ruhig zu, wie es in der Altstadt oder in anderen Vierteln manchmal ersehnt wird. Mitunter ist das zu ruhig. Und einen Treff für Alte gibt es auch nicht. Aber fünf Minuten von ihrem Häuschen entfernt gibt es ein Alten- und Pflegeheim und einen Kindergarten. Und daneben Betreutes Wohnen für Betagte, die weitgehend noch selbstständig leben. Beides gehört dem ASB, dem Arbeiter-Samariter-Bund. Was, so fragt sich Klaus Lindig vor drei Jahren, wenn sie beide genau dort eine Begegnungsstätte einrichten würden?

Er und seine Frau -- Klaus Lindig sagt: „Uns gibt es nur im Doppelpack.“ – treffen sich mit Verantwortlichen. Und seither versammeln sich zweimal im Monat um die 20 Menschen dort, um miteinander zu reden. Das, was sie früher vielleicht mit Kollegen oder auch mit Freunden gemacht haben. Jetzt sind diese Leute weniger flott unterwegs. Bleiben lieber im eigenen Viertel. Dank der Lindigs erfahren sie dennoch etwas von der Welt da draußen. Hören etwas über Erste Hilfe. Oder über Reise-Abenteuer. Oder über den Weißen Ring. Oder über Neu-Erscheinungen auf dem Büchermarkt. Eine Fahrt nach Kahla gab es in diesem Jahr. Und einen Vortrag über Honig. „Da waren wir so viele, dass wir Angst hatten, die Stühle reichen nicht“, sagt Eva Lindig. Und im Januar wird es wohl ähnlich voll werden. Da begeben sie sich auf die Spuren der Erfurter Medizin.

In ihrem Arbeitszimmer haben die Lindigs zwei Computer. „Einer reicht nicht“, sagen sie unisono. Denn die ASB-Begegnungsstätte ist zwar die öffentlichste Aktion der Lindigs. Die einzige ist sie nicht. Die beiden sind unter anderem auch ehrenamtliche Richter am Sozialgericht in Gotha. Eva Lindigs nächster Verhandlungstag ist im Dezember. Da wird sie wieder darum ringen, dass Menschen mit Behinderung Gerechtigkeit widerfährt. Heißt: Sie will denen helfen, die Hilfe brauchen. Sofern das rechtens ist. Wofür gibt es schließlich Gesetze?

Auch Klaus Lindig ist dort ehrenamtlicher Richter. Beide wissen, wovon sie sprechen, wenn es um Behinderungen geht. Sie ist Allergikerin. Selbst Bettfedern dürfen ihr nicht zu nah kommen. Auch Knochen, Wirbelsäule und Lunge sind nicht ganz in Ordnung. „Soll ich darüber lamentieren? Man muss was machen und nicht jammern“, sagt sie. Geht statt zur nächsten Operation zum Reha-Sport. Das wird, weiß sie.
Ja, Klaus Lindig nickt. Die Behinderung gehört zu seinem Alltag. Er hat, als er 18 war, eine schwere Operation überstehen müssen. Ein halbes Jahr hat ihm der Professor damals gegeben. Heute ist er 71. Und fit. Sonst hätten sie wohl jetzt nicht zu ihrem 100. Wandertag mit der von ihnen 2010 gegründeten Wandergruppe einladen können. Sie erwandern sich Erfurt und Umgebung. Meist sind es zehn Kilometer. Das sind mindestens 14 000 Schritte und damit 4000 Schritte mehr als Mediziner Menschen empfehlen, damit sie fit bleiben.

Die Lindigs haben sich auch als Sicherheitsberater ausbilden lassen. Da geht es um den Enkeltrick und um Falschgeld und um Taschendiebstahl. Sie wollen, dass Menschen, die im Sprachgebrauch die Senioren oder die Reifen oder einfach die Alten sind, ein wenig vorsichtiger werden. Vor allem in den großen Neubaugebieten. Aber das Interesse ist nicht sonderlich hoch. Vielleicht, weil dort die schlechten Erfahrungen nicht ganz so groß sind. Aber Eva und Klaus Lindig wissen, wovon sie reden: Zweimal schon wurde in ihr Haus eingebrochen. Beim ersten Mal haben die Diebe alles mitgenommen, was von Wert und nicht niet- und nagelfest ist: eine Kamera, Schmuck, Technik. Ins Haus gelangt sind sie durch ein kleines Fenster. Und es ging verdammt schnell. Lindigs waren gerade mal 45 Minuten nicht zu Hause. In genau dieser Zeit ist es passiert. Sie müssen beobachtet worden sein. Beim zweiten Mal haben die Diebe es nicht geschafft. Haben nur zwei Türen demoliert.

Warum sind die beiden so verrückt, möglichst viel für andere zu tun? Haben Sie keine Kinder oder Enkel? O doch. Sechs Kinder, die nun zwischen 38 und 51 Jahre alt sind. Und vier Enkelinnen. Sie haben beide drei Kinder mit in ihre zweite Ehe gebracht. Die waren da aber schon aus dem Haus. Vielleicht liegt in dieser Beziehung sogar die Antwort auf die Frage nach so viel Hilfe für die Nachbarn: Sie wissen, welch ein Glück sie haben, einander begegnet zu sein und tatsächlich ihre Liebe spüren zu können. Auch nach vielen Jahren noch.

Nachdem sie das erste halbe Jahr Rente bezogen haben, haben sie sich gefragt, ob es das wohl jetzt gewesen sei. Ganz ohne äußere Aktionen. Wir bauen etwas auf, sagen sie damals, vor knapp zehn Jahren. Und wissen heute: „Es macht Spaß, mit anderen Menschen zusammen zu sein.“
Sie wollen in der Begegnungsstätte wieder einen Kurs für den Rollator-Führerschein organisieren. „Wer einen braucht, bekommt ihn im Normalfall fünf Minuten erklärt“. Friss oder stirb. Besser ist es, einen Nachmittag damit auszuprobieren, wie man kleine Unebenheiten ausgleichen kann oder den Bordstein überwindet. Und zwar, bevor man den Rollator tatsächlich braucht. . .

Kennen Sie auch solche Nachbarn wie die Eheleute Lindig? Dann schreiben Sie uns.Wir wollen mit unserer Aktion  „Gute Nachbarn – gute Taten“ Danke sagen. Das geht ganz einfach: Sagen Sie uns, warum Ihr Nachbar ein ganz besonderer Nachbar ist, warum gerade er es verdient, in der TLZ vorgestellt zu werden.
Landeswelle Thüringen, der Paritätische Wohlfahrtsverband und die TLZ wollen mit dieser neuen Aktion zeigen: Thüringen ist das Land der guten Nachbarn.

Nähere Infos www.paritaet-th.dewww.paritaet-th.de

Tags: Gute Nachbarn - gute Taten, Eva und Klaus Lindig

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