In Thüringen wird Solidarität mit den Mitmenschen groß geschrieben – Viele Beispiele guter Taten - Zeit mit Pony zu verschenken: Anika Kleemann will Kindern Weihnachtszeit versüßen – Jens Enderlein setzt sich für sein Dorf ein

Das Logo der Aktion Gute Nachbarn - gute TatenNeudietendorf, 20. Dezember 2017. Die Thüringerinnen und Thüringer stehen zusammen, helfen einander. Solidarität mit dem Mitmenschen wird in Thüringen groß geschrieben. Das zeigen die vielen Beispiele guter Nachbarn, die beim Paritätischen, bei LandesWelle Thüringen und der TLZ im Rahmen der Aktion „Gute Nachbarn – gute Taten“ eingegangen sind. Mit der Aktion wollen wir das zivilgesellschaftliche Engagement in Thüringen stärken, wir wollen jenen Menschen Danke sagen, die für andere da sind, die sich für sie einsetzen. Zwei weitere gute Nachbarn mit ihren guten Taten stellen wir nachfolgend vor.

Anika Kleemann mit ihrer Stute MiraAnika Kleemann ist sich bewusst, dass nicht jedes Kind so viel Glück hat, tatsächlich irgendwann ein Pferd zu bekommen. Für die Advents- und Weihnachtszeit hat sich die 20-Jährige daher etwas Besonderes einfallen lassen: „Ich möchte Kindern Zeit mit meinem Pony schenken.“ Unser Bild zeigt Anika Kleemann mit ihrer Stute Mira (Foto: tlz/Peter Cott)

Man darf sich die kleine Anika Kleemann sicher als Bilderbuch-Mädchen vorstellen - mit dem typischen Weihnachtswunsch: Ein Pony sollte es immer schon werden, gesteht sie rückblickend. Überhaupt bescheinigt sich Anika Kleemann belustigt einen „Tierfimmel“, habe sie doch einen Hund, eine Katze und Hasen.

Und auf die Frage, ob sie auch die Pferdezeitschrift Wendy gelesen habe, muss die inzwischen 20-Jährige lachen. „Ja, klar. Ich war die typische Leserin.“ Die Ausgaben hätten sich zu Hause gestapelt. Sie habe keine verpasst. „Mutti musste mir immer die neueste mitbringen.“

Der Wunsch eines eigenen Pferdes sollte - im Gegensatz zu dem vieler anderer Kinder - auch später nicht vergehen. Doch bis zum 17. Geburtstag musste sich die junge Frau aus Herrmannsacker noch gedulden, bis sie endlich ihr eigenes Pony geschenkt bekam.

Während sie das erzählt, streichelt sie ihrer Stute Mira neben der Koppel in Buchholz liebevoll über das goldbraun glänzende Fell. Anika Kleemann ist sich bewusst, dass nicht jedes Kind der Region so viel Glück hat, tatsächlich irgendwann ein Pferd zu bekommen. Dass nicht jede Familie sich ein solches Geschenk leisten kann. Für die Adventswochen hat sich die 20-Jährige daher etwas Besonderes einfallen lassen: „Ich möchte Kindern Zeit mit meinem Pony schenken.“

Gemeinsam mit den Südharzer Knirpsen und ihrer Mira wolle sie in den kommenden Wochen bei Bedarf spazieren gehen. Die Kleinen, die schon Erfahrungen mit Pferden haben und reiten können, dürfen sich zudem auf einen Ausritt freuen. „Meine Mira ist total kinderlieb und ideal für solch eine Idee.“
Vor allem, erzählt Kleemann, wolle sie dies den Kindern anbieten, deren Eltern es sich finanziell nicht leisten können, ihren Sprösslingen Reitstunden zu bezahlen. Im Internet versetzte die Idee der leidenschaftlichen Reiterin bereits die Facebook-Gemeinschaft in Staunen . Fast 150 Menschen gefiel der Beitrag, 70 teilten ihn im Netzwerk. „Ich will vor Weihnachten etwas Gutes tun“, sagt Anika Kleemann dazu bescheiden.

Aber auch eine weitere Idee stecke dahinter, erzählt sie: Kinder, die es nicht ganz so ernst meinen mit ihrem Wunsch wie sie seinerzeit, sollen sehen, wie viel Arbeit hinter einem Pony steckt. „Wir putzen das Tier ja auch gemeinsam. Das macht sich nicht von allein. Und auch von den Kosten für Tierarzt, Futter oder Hufschmied werde ich den Kindern erzählen“, sagt sie.

Wer sich für eine gemeinsame Zeit mit dem Pony interessiert, erreicht Anika Kleemann unter ihrem Namen über Facebook

Jens Enderlein ist in Ettersburg immer zur Stelle, wenn Hilfe benötigt wird Ein guter Nachbar, der immer für andere da ist, ist auch Jens Enderleih, Bürgermeister und Vorsitzender des Heimat- und Kulturvereins in Ettersburg bei Weimar. Er packt überall kräftig mit an – auch beim Dorfputz (unser Bild) Foto: tlz

Wer als Polier im Straßenbau arbeitet, hat jedes Recht darauf, nach Feierabend die Füße hochzulegen und sich vom Knochenjob zu erholen. Nicht so Jens Enderlein: Der Ettersburger, Bürgermeister und Vorsitzender des Heimat- und Kulturvereins, hat auf Müßiggang wenig Lust. Er hat aber große Lust darauf, sich für seinen Ort einzusetzen und zu helfen, wo es geht. „Gemeinde kommt von Gemeinschaft“, meint der 49-Jährige - und ergänzt, dass er froh ist, dass seine Frau das alles mitmacht. Auch wenn sie ihn schon so manches Mal Augen rollend gefragt hat, ob er wieder mal nicht Nein sagen konnte...

Da ist schon was dran, muss Jens Enderlein lachend zugeben. Irgendwie kriegt er das mit dem Ablehnen von Bitten und Anfragen nicht hin. Aber wozu auch? „Es macht ja Spaß. Vor allem, solange es ein positives Feedback gibt“, sagt er und erzählt, dass er als Ettersburger damit aufgewachsen ist, dass man sich gegenseitig hilft und nicht nur ans eigene Fortkommen denkt. „Das steckt so drin, ich bin ein DDR-Kind.“
Deshalb hat er immer ganz selbstverständlich mitgeholfen, wenn Freunde und Nachbarn im Dorf gebaut haben. Und als gelernter Kfz-Schlosser, der erst nach der Wende zum Bau wechselte, bringt er bis heute so manchen streikenden Traktor wieder zum Laufen. „Vorausgesetzt, es handelt sich um ältere Technik“, sagt er augenzwinkernd. Denn mit der neumodischen Elektronik, die Fahrzeuge heute unter der Kühlerhaube haben, kann er wenig anfangen. „Bremsen einstellen, ein Rad reparieren - kein Problem“, liebt Jens Enderlein das Handfeste seines erlernten Berufs.

Und wer wie er viele Verwandte im Ort habe, dem bleibe auch gar keine andere Wahl, als mit anzupacken, wenn er angesprochen werde. Er ist ein „verdammt guter Nachbar“, sagt deshalb zum Beispiel Sandra Blau, die findet, dass jemand wie Jens Enderlein unbedingt anlässlich der Aktion „Gute Nachbarn, gute Taten“ vorgestellt gehört.

Trotzdem, räumt Jens Enderlein schmunzelnd ein, müsse man schon auch „ein bisschen verrückt“ sein, um sich so viele Aufgaben aufzuladen und trotzdem Nachbarschaftshilfe zu leisten: „Immer, wenn irgendwo jemand fehlt und gebraucht wird, bin ich dabei.“ Das war so, als er nach der Wende für eine Weile Ortsbrandmeister war, bis er zu oft auf Montage war, um dem Amt noch gerecht zu werden.

Und das war auch so, als die Freie Wählergemeinschaft 1999 Kandidaten für den Gemeinderat suchte - und erst recht, als es vor anderthalb Jahren einen Nachfolger für den Bürgermeister zu finden galt. Jens Enderlein ließ sich - mal wieder - breitschlagen. „Aber nur, weil ich so viel Unterstützung hatte: von den Freien Wählern, den Vereinen, der Feuerwehr. Das musst du als Bürgermeister in einem Dorf einfach haben. Denn Parteien spielen in den Gemeinden gar keine Rolle mehr.“ Letztlich holte Enderlein gut 88 Prozent.

Dass die Landesregierung jetzt die Gebietsreform gekippt hat, freut den 49-Jährigen, der schlimme Folgen gerade fürs Ehrenamt befürchtet hatte. Doch so recht traut er dem Frieden nicht. Die Regierung, findet er, solle endlich etwas für die Stärkung ländlicher Strukturen tun. „Denn was nutzt uns ein Grundzentrum wie Berlstedt, wenn nur dreimal am Tag ein Bus hinfährt“, fragt er. Immer noch die Friedfertigkeit in Person, aber doch sehr bestimmt.

An diesem Nachmittag sitzt er in seinem Büro in der hübsch sanierten alten Schule. Ehe die Sprechstunde beginnt, will er noch Papierkram erledigen. Sein Laptop, ohne den es längst nicht mehr ginge, steht aufgeklappt auf dem Schreibtisch. „Hier in diesem Raum“, blickt Jens Enderlein zurück, „habe ich früher im Kindergarten Mittagsschlaf gemacht. Naja, geschlafen habe ich eher nicht.“

Gleich nebenan, hinter einer der behutsam aufgearbeiteten Holztüren, ist das Gemeindearchiv. Uralte Akten, in denen auch Jens Enderlein bisweilen blättert. Manchmal trifft er dort auf Aufzeichnungen eines Ahnen: Denn schon sein Großvater Walter Unrein war 1945 bis 1957 in Ettersburg Bürgermeister. Es liegt also irgendwie in den Genen, das mit dem Einsatz für andere...


Gute Nachbarn gesucht
Der Paritätische, LandesWelle Thüringen und die TLZ suchen suchen weiter gute Nachbarn, die wir gerne mit ihren guten Taten vorstellen. Wenn Sie auch einen guten Nachbarn kennen, jemanden, der sich im Verein oder in seiner Gemeinde ehrenamtlich engagiert und der einmal ein Dankeschön verdient hat, dann melden Sie diesen guten Nachbarn doch bei unserer Aktion an:


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Tags: Gute Nachbarn - gute Taten, Jens Enderlein, Anika Kleemann

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