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Mit Kampagnen wichtige Themen in die Öffentlichkeit tragen

Ob Pflege oder zivilgesellschaftliches Engagement, ob der Wunsch nach einer gerechteren und solidarischeren Gesellschaft oder die bessere Positionierung unserer paritätischen Werte in der Öffentlichkeit – mit Kampagnen geht der Paritätische Thüringen, häufig auch in Kooperation mit anderen, immer wieder an die Öffentlichkeit. Medienpartner wie LandesWelle Thüringen oder die TLZ helfen dabei, unsere Anliegen in Thüringen bekannt zu machen.

Mit der Kampagne „Pflege braucht Helden“ wurde gemeinsam mit den Partnern des Thüringer Pflegepaktes eine erfolgreiche Imagekampagne für die Altenpflege auf den Weg gebracht.

Der Thüringer Kinder- und Jugendpreis – eine gemeinsame Aktion der Paritätischen BuntStiftung und der Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen – zeichnet jedes Jahr herausragende Projekte der Kinder- und Jugendarbeit im Freistaat in den unterschiedlichsten Themengebieten aus. 

Die gemeinsame Aktion von LandesWelle, TLZ und Paritätischem „Gute Nachbarn – gute Taten“ stellt herausragendes zivilgesellschaftliches Engagement vor und zeigt, dass die Thüringerinnen und Thüringer zusammenstehen.

Zehn Jahre lang wurden mit der alljährlichen Spendenaktion „Thüringen sagt Ja zu Kindern“ Projekte der Kinder- und Jugendarbeit in ganz Thüringen unterstützt. Dabei kam weit mehr als eine Million Euro an Spendengeldern zusammen.

Die Aktion „UmFAIRteilen“ wirbt für eine gerechtere und solidarischere Steuerpolitik in Deutschland.

Unterstützt vom Paritätischen wird die landesweite Kampagne „Thüringen braucht Dich“, mit der um Fachkräfte im Freistaat geworben wird.

Mit dem Paritätischen Wertedialog sollen die Paritätischen Werte einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.

"Helping Angels" aus Gotha erfüllen letzte Wünsche

gute nachbarn helping angelsGotha. Eine Frau aus Erfurt litt an Darmkrebs im Endstadium. Trotz Chemotherapie hatte sich ein zweiter Tumor gebildet. Ihr Wunsch war, noch einmal per Heißluft-Ballon die Heimat aus der Höhe zu sehen. Doch da die Ballonfahrt gesundheitlich kaum zu bewältigen schien, schlugen die „Helping Angels“ einen Rundflug mit einem Kleinflugzeug vor. Er führte über den Kyffhäuser , den Erfurter Dom, die Wartbug und die Fahnerschen Höhen, die Route, die sie immer machen wollte.

Daran erinnert sich Christian Korff , der Vereinsvorsitzende der „Helping Angels“ (englisch für „helfende Engel“), als er im Azurit-Pflegeheim in Gotha das neue Büro des als gemeinnützig anerkannten Vereins eröffnet. Die Frau sei eine Woche später verstorben, aber während der Tour vielleicht noch einmal sehr glücklich gewesen.

Als Gäste im neuen Büro begrüßt Korff die Landtagsabgeordneten Matthias Hey , Werner Pidde und Thomas Hartung aus Weimar (alle SPD). Hey ist schon seit einem Jahr Pate des Vereins, am Montag übergibt er seinen Mitgliedsantrag, der dankbar angenommen wird.

Der Mitgliedsbeitrag beträgt 80 Euro im Jahr, für Mitglieder, die bei der Organisation der Erfüllung der letzten Wünsche aktiv mit zupacken, sind es 60 Euro. Die Mitgliedsbeiträge und vor allem Spenden sind die einzigen Geldquellen für die Tätigkeit des Vereins. Auch Unternehmen seien eingeladen, sich über ein Sponsoring oder eine Spende zu beteiligten, wird in einem Informations-Faltblatt aufgerufen. Das oberste Ziel sei, die Reise mit dem Verein solle für alle Fahrgäste kostenfrei sein und bleiben, heißt es dort weiter. Hey, Pidde und Hartung hatten zuvor die städtischen Heime in der Gothaer Pestalozzistraße besucht. Hartung ist trotz seiner Tätigkeit als Landtagsabgeordneter (Er rückte für Uwe Höhn , der Staatssekretär wurde, 2017 nach.) weiter als Notarzt tätig. Er kenne in und um Weimar gut 20 Heime und wäre froh, wenn sie alle so gut geführt wären wie die kommunalen Gothaer in der Pestalozzi­straße, fasst er seinen Eindruck zusammen. Der Vereinsvorsitzende Christian Korff selbst ist als Rettungssanitäter tätig, hat sich außerdem zum Notfall-Seelsorger und Sterbebegleiter ausbilden lassen.

Im Azurit-Pflegeheim ist das Büro des „Helping Angels Gotha e.V.“ gut aufgehoben. Hausleitung Yvonne Pett ist Korffs Stellvertreterin im Verein.

Text: Peter Riecke /TLZ

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Mittlerweile eine feste Institution: Kultur gibt es in Heiligenstadt immer freitags -

gute nachbarn heiligenstadtJana Bauer, Marcus Hoppe, Christine Hoppe und Katrin Dörnbach (von links) gehören zum harten Kern des Kulturfreitag-Teams und organisieren die Veranstaltungen, die ein fehlendes Kino in Heiligenstadt zumindest teilweise kompensieren.

Heiligenstadt. Im Reichshof sprechen heute Amtsrichter Recht. Sie verurteilen Kriminelle zu Haftstrafen. Grundbuchangelegenheiten können hier abgewickelt und andere Gerichtsgänge erledigt werden. Weiland musste hier Schlagersänger Michael Wendler in Abwesenheit ertragen, dass man ihn einen Betrüger nennen darf. Ein Eichsfelder hatte ihn öffentlich so bezeichnet, Wendler zog gegen ihn 2013 vor eben jenes Amtsgericht in Heiligenstadt .

Die bewegte Geschichte des Reichshofes verbinden die Heiligenstädter aber nicht zuerst damit, dass hier „Justitia“ bemüht wird. Für die 17.000 Einwohner der Eichsfelder Kreisstadt steht hinter dem aufwendig sanierten Gebäude ein eher trauriges Kapitel. Der Stadt fehlt ein Kino.

Im Dezember 2003 wird dort, wo heute Richter ihre Arbeit verrichten, der letzte Film gezeigt. Heinz Rühmann flimmert in seiner Paraderolle als Hans Pfeiffer („mit drei f“) über die Leinwand des Filmtheaters, das fortan seine Türen für immer schließt. Geplant ist das anders: Nach einer Sanierung soll der Kinobetrieb wieder beginnen. Das scheitert aber, und spätestens seit dem Landtagsbeschluss 2005 über den Einzug des aus den Standorten Heiligenstadt und Worbis vereinigten Amtsgerichts in den Reichshof ist klar, dass die Zukunft eines Kinos in Heiligenstadt mehr als fraglich ist.

Heute – 16 Jahre nach der letzten Vorstellung – gibt es immer noch kein Kino in der Stadt. Dafür haben sich Ehrenamtliche aber auf die Fahnen geschrieben, an jedem Freitag im Gebäudes des „Alten Rathaus“, das nur unweit des einstigen Filmtheaters steht, eine Kulturveranstaltung anzubieten. Das können Filmvorführungen sein, aber auch Konzerte, Vorträge oder Buchlesungen.

Den Kinoersatz gibt es offiziell seit 2013. Seinen Ursprung hat er allerdings schon 2005, als die evangelische Kirchengemeinde damit beginnt, immer am letzten Freitag im Monat einen Film zu zeigen – und damit zumindest im Ansatz das fehlende Kino zu kompensieren.

Die Stadt unter CDU-Führung hat es nicht hinbekommen, wieder ein Kino nach Heiligenstadt zu holen. Auch nach dem Regierungswechsel von den Christdemokraten zur Bürgerinitiative „Menschen für Heiligenstadt“ gelang das dem vor sieben Jahren gewählten Bürgermeister Thomas Spielmann (BI) nicht. Der initiierte aber den sogenannten Kulturfreitag – der seit April 2013 von einem engagierten ehrenamtlichen Team realisiert wird.

Im „Alten Rathaus“, in dessen gläsernem Aufgang sich die Türme der Heiligenstädter Marienkirche spiegeln, finden die Veranstaltungen seit nunmehr sechs Jahren statt. Foto: Jürgen Backhaus Im „Alten Rathaus“, in dessen gläsernem Aufgang sich die Türme der Heiligenstädter Marienkirche spiegeln, finden die Veranstaltungen seit nunmehr sechs Jahren statt. Foto: Jürgen Backhaus

Pfarrer Ralf Schulz , der seinerzeit in Heiligenstadt Verantwortung in der Kirche trug, lobte diese Initiative als eine Erweiterung des Gemeindeangebotes. Spielmann selbst erinnert daran, dass zu dieser Zeit viele Veranstaltungen auch in der Bibliothek stattgefunden haben. „Der Wunsch, ein fehlendes Kino im Rahmen unserer Möglichkeiten zu kompensieren, und die zahlreichen Veranstaltungen in der Bibliothek“ seien der Anlass gewesen, das zusammenzuführen. „Heute zeigen wir anspruchsvolle Filme oder relativ neue Blockbuster“, sagt Spielmann.

Die Heiligenstädter honorieren das Angebot, das vor allem von ehrenamtlicher Arbeit lebt. „Es gibt viele Menschen, die freitags zu uns kommen und gar nicht wissen, was angeboten wird“, sagt Jana Bauer . Die Leiterin der Heiligenstädter Stadtbibliothek hat gewissermaßen den „Hut“ für das Projekt auf, das seit 2014 vom „Freundeskreis Kulturfreitag“ abgesichert wird. Gemeinsam mit Katrin Dörnbach sowie Christine Hoppe und Gerlinde Apel managt sie die Veranstaltungen.

Nicht zu vergessen ist der erst 16-jährige Markus Hoppe , der bei der Organisation der Veranstaltungen ebenfalls eifrig dabei ist – und manchmal sogar selbst liest. Immerhin hat er schon einige Bücher geschrieben, zuletzt über die Burg Scharfenstein . „Und Mitglieder des Jugendparlaments unterstützen uns ebenfalls sehr zuverlässig“, sagt Jana Bauer . Aus der anfänglichen Notlösung ist mittlerweile eine verlässliche Einrichtung geworden – immer freitags, immer um 19.30 Uhr und immer im „Alten Rathaus“, das mehr als 100 Menschen im großen Saal Platz bietet.

Als vor einigen Monaten der Till-Schweiger-Film „Honig im Kopf“ gezeigt werden konnte, war der Saal voll und die Veranstaltung wurde mehrfach wiederholt. Im Jahr kommen etwa 1000 Menschen zu den zwischen 40 und 50 Veranstaltungen. Hinzu kommt noch das Angebot eines Kinderkinos, das Schulen und Horte der Stadt und der Umgebung rege nutzen. 800 Mädchen und Jungen kommen so jährlich in den Genuss einer Filmvorführung.

Die Stadt unterstützt vor allem mit Infrastruktur und ein wenig Geld. 1000 Euro sind im Jahr in den Haushaltsplanungen verankert, den Rest realisiert der Freundeskreis über Spendengelder. Das, sagen die Organisatoren der Veranstaltungen, sei allerdings nicht immer so einfach.

Dass die Veranstaltungen ohne Eintrittsgeld auskommen müssen, liegt an der Schirmlizenz der Landesstelle für Bibliotheken, die in jedem Jahr erworben werden muss – und deshalb so günstig ist, damit über sie eine Kulturförderung in der Fläche stattfinden kann.

Die hat sich mittlerweile weit herumgesprochen. „Sogar Menschen aus Hamburg kennen den Kulturfreitag“, berichtet Max Hoppe , der vor einiger Zeit von einem Touristen auf die Veranstaltung angesprochen wurde.

Der harte Kern des Kulturfreitags-Teams bleibt auch künftig bei der Sache. Im Ehrenamt etwas für die Mitbürger zu organisieren, das bereitet den Mitgliedern des Freundeskreises eben Freude. Und nur so, darüber sind sie sich einig, funktioniere das gesellschaftliche Zusammenleben. „Wenn wir es nicht tun, dann tut es niemand. Und wir machen es für unsere Mitmenschen“, sagt Jana Bauer und ihre Mitstreiter nicken zustimmend.

Der letzte Vorhang im Heiligenstädter Reichshof-Gebäude ist vor fast 16 Jahren gefallen. Ein Kino gibt es seither in der Kreisstadt des Landkreises Eichsfeld nicht mehr. Cineasten müssen nach Göttingen , Mühlhausen oder Nordhausen ausweichen – in Heiligenstadt wird ihnen immer freitags allerdings zumindest eine Alternative geboten, die etabliert und anerkannt ist.

Text und Bild: Fabian Klaus

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Retter im Reparier-Cafe in Jena

gute nachbarn repariercafeJena. Kaputte Dinge zu reparieren, geht nicht mehr, denken viele. Geht doch. Ein Fahrrad, bei dem immer die Kette runter springt, Omas altes DDR-Rührgerät, das nicht mehr läuft, oder nur eine durchgescheuerte Jeans, die mit einem Flicken wieder tragbar wird. Das alles und noch viel mehr kann im Reparier-Café wieder nutzbar gemacht werden. Es läuft so gut, dass als räumliche Notlösung ein alter Bus zur Werkstatt umfunktioniert werden musste. „Eine alte Dame brachte uns mal einen elektrischen Hund, der nicht mehr lief“, erzählt Oda Beckmann vom Reparier-Café. Motor kaputt. Die Techniker haben ihm das Fell abgezogen und einen gebrauchten Motor aus einem anderen Gerät eingebaut und zugenäht. OP gelungen. „Danach lief der Hund schneller als zuvor“, sagt die 33-Jährige.

Das Strahlen der Leute sei immer das Schönste, wenn ein alter, geliebter Gegenstand wieder zum Leben erweckt werde.
Oda Beckmann hat zusammen mit Ideengeber Max Dornheim und Christina Erben das Jenaer Reparier- Café ins Leben gerufen. Nach einem Facebook-Aufruf meldeten sich 300 Leute. Gekommen sind dann erst mal nur drei. Mittlerweile gebe es jeden Monat regelmäßig Freiwillige, die seit fünf Jahren durchschnittlich 1500 erfolgreiche Reparaturen durchgeführt haben. Ziel ist, dass die Leute ihre Dinge unter Anleitung selbst reparieren. Neben dem Effekt, dass Geräte und andere reparierbare Dinge nicht vorschnell im Müll landen, sei das soziale Miteinander mindestens genauso wichtig. „Wenn ein 15-Jähriger das Radio eines Rentners repariert und beide ins Gespräch kommen, ist das so wertvoll“, sagt Oda Beckmann .

Das wecke Verständnis für beide Seiten. So würden sich Alt und Jung mit Themen beschäftigen, die sie sonst nicht diskutieren würden. „Es wird bei uns viel über Nachhaltigkeit, geredet.“ Und die Älteren erzählen den Jungen, dass es früher ganz normal war, Dinge zu reparieren, statt sie wegzuwerfen.

Seit vergangenem Herbst besitzt das Projekt einen ausgedienten Linienbus, der in 500 ehrenamtlichen Stunden umgebaut wurde. Bezahlt wurde er mit Lottomitteln der Postcode-Lotterie. Der Bus hat jetzt alles, was ein Reparier-Café braucht. Eine Nähmaschine, eine Werkbank, Schränke nebst Stauraum für Werkzeug sowie einige Tische. Im April wird er erstmals zum Einsatz kommen.

„Aber eigentlich ist er nur eine Notlösung“, sagt Beckmann . Es gebe in Jena einfach keine Freiräume für Projekte wie das ihre. Nach wie vor suchen die Reparier-Enthusiasten einen Raum und finden ihn in Jena nicht.
Gefragt nach der Ersatzteilbeschaffung erzählt Oda Beckmann von der engen Kooperation mit dem Kommunalservice Jena (KSJ). Seit vergangenem Jahr können Techniker des Projekts Ersatzteile auf dem Wertstoffhof entnehmen. Auf den städtischen Elektroschrott-Containern klebt zudem ein Aufkleber des Reparier-Cafés und ruft dazu auf, die Geräte lieber zu reparieren, statt wegzuwerfen, und verweist auf das Projekt.

Text und Bild: Conny Winkler (TLZ)

 

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Bürgerstiftung Weimar vernetzt alleinlebende Senioren

gute nachbarn seniorenWeimar. Jeden Morgen um halb acht greift Heidi aus Weimar zum Hörer und ruft erst einmal eine ältere Dame an, die noch gar nicht so lange zu ihrem Bekanntenkreis gehört. Die beiden Frauen wünschen sich fröhlich einen Guten Morgen und tauschen sich kurz darüber aus, wie es ihnen geht und was es Neues gibt – dann verabschieden sie sich. Heidi legt auf, und ihre Gesprächspartnerin wählt eine neue Nummer: die einer Seniorin, die ebenfalls allein lebt und niemanden hat, der häufiger nach ihr schaut.

So geht es weiter, bis nach knapp einer Stunde der sechste Teilnehmer der Runde wieder bei Heidi anklingelt und ihr damit signalisiert: Alles in Ordnung, mir geht es gut. Mitunter hat sich in der Runde auch eine Verabredung für den Nachmittag ergeben, um länger zu plaudern, vielleicht auch gemeinsam spazieren zu gehen oder einen Kaffee zu trinken. Regelmäßige Treffen aller Teilnehmer gibt es – ganz nach Wunsch – sowieso.
Die Telefonkette ist eine von zweien, die vom Projekt „Weimars Gute Nachbarn“ der Bürgerstiftung Weimar initiiert wurde. Sabine Meyer , die eine Teilzeitstelle in dem Projekt hat, organisiert gerade die dritte. Die 36-Jährige weiß, dass das keine Weimarer Erfindung ist: Telefonketten gibt es auch in anderen Städten, und auch in Weimar haben Familien und Freundeskreise so etwas schon privat organisiert.

Die Telefonketten von „Weimars Gute Nachbarn“ sind aber insofern etwas Besonderes, als sie von Sabine Meyer für Senioren geknüpft wurden, die sich gar nicht kannten. Die sich aber entweder von allein oder auf Vermittlung etwa von Wohnungsgesellschaften an die Bürgerstiftung gewandt haben, weil sie sich einsam fühlen und gerne jemanden hätten, der wie ein guter Nachbar regelmäßig nach ihnen schaut und ihnen auf diese Weise Sicherheit vermittelt. „Oft wünschen sich Menschen, die nur wenige soziale Kontakte haben, dass sie sich mindestens einmal am Tag mit jemandem unterhalten können“, erzählt Sabine Meyer . Für viele dieser Senioren könne die Bürgerstiftung ehrenamtliche Helfer finden, die sich Zeit für einen Plausch nehmen, kleine Besorgungen übernehmen, mit den Senioren spazieren gehen oder sie zum Arzt und bei Behördengängen begleiten. Doch in manchen Fällen sei das einfach nicht zu leisten: Entweder könnten die Ehrenamtlichen nicht so viel Zeit wie gewünscht erübrigen oder die Senioren wohnen zu abgelegen. Um trotzdem schnell Abhilfe zu schaffen, schlägt Sabine Meyer dann vor, die Senioren in eine Telefonkette einzubinden – und dennoch parallel weiter nach einem Helfer zu suchen, der zu ihnen und ihren Bedürfnissen passt.

Wichtig ist, dass jede Telefonkette einen Kapitän oder eine Kapitänin wie Heidi hat – eine vertrauenswürdige Person, die nicht nur die Telefonnummern aller Teilnehmer hat, sondern auch die Kontaktdaten von Angehörigen, Ärzten oder ambulanten Pflegediensten, die dann zu benachrichtigen sind, wenn auch nach mehrmaligen Versuchen niemand abnimmt. Nicht zuletzt legt der Kapitän oder die Kapitänin die Reihenfolge fest, in der sich die Teilnehmer anrufen, und bindet neue Teilnehmer mit ein. „Für den Aufwand, der damit verbunden ist, erhalten die Kapitäne von uns eine kleine Entschädigung“, sagt Sabine Meyer .

Die zwei Damen, die die Kapitäninnen der ersten beiden Telefonketten sind, nutzen dieses Geld für Treffen, zu denen die Runden ein- oder zweimal im Monat zusammenkommen.

Den Kapitänen signalisieren die Teilnehmer der Telefonketten auch, wenn sie beispielsweise einen Arzttermin haben und deshalb nicht zu erreichen sind. „Manchmal wird das natürlich auch vergessen“, erinnert sich Sabine Meyer an einen Fall, als die Telefonkette in ihrer Not die Polizei alarmierte, die Beamten durch ein Fenster in die Wohnung kletterten – und dort niemanden antrafen. Der Bewohner war bloß bei seinem Doktor gewesen. „Trotzdem waren die Polizisten nicht sauer. Im Gegenteil: Sie finden unsere Telefonketten sehr gut.“
Derzeit werden durch das Projekt „Weimars Gute Nachbarn“ etwa 30 Senioren betreut – und genauso viele ehrenamtliche Helfer gibt es auch. Die geeigneten Paarungen zusammenzustellen, erfordere viel Fingerspitzengefühl, bestätigt Sabine Meyer . „Aber es ist eine wundervolle Arbeit“, sagt sie auch mit Blick auf die Vorgespräche mit den Senioren, die sehr dankbar dafür seien, dass sich endlich einmal jemand für sie und ihre Lebensgeschichte interessiert.
Die Seniorenbegleiter erwerben während ihrer Tätigkeit ein Zertifikat, das sie als Helfer ausweist und ihnen die nötigen Fähigkeiten attestiert, und sie tauschen sich bei regelmäßigen Treffen über ihre Erfahrungen aus. Dabei entstehen genauso Freundschaften wie andererseits unter den Senioren.

Sabine Meyer freut sich, dass das Ganze so gut läuft. Doch wie bei vielem im Leben braucht es dafür ein finanzielles Unterpfand, Zeitspenden allein reichen nicht, damit das Projekt gelingt. Pro Jahr sind dafür 10.000 Euro an Eigenmitteln nötig. Deshalb sind Geld- und Sachspenden – ob von Unternehmen oder Privatpersonen, die etwa runde Geburtstage begehen oder aus einem anderen Anlass Spenden sammeln – ebenso wie konkrete Projektpatenschaften jederzeit sehr willkommen.

Spendenkonto Weimars Gute Nachbarn; IBAN: DE74 8205 1000 0163 0514 37; BIC : HELADEF1WEM

Text: Sibylle Göbel (TLZ), Bild: pixabay

 

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Ein einzigartiges Busprojekt in Thüringen

bürgerbus

Stadtroda. Diethar Lumpe lässt es jetzt etwas ruhiger angehen. Mittagszeit in Stadtroda.. Er steht auf dem Parkplatz am Rodamarkt. Pause. Sein Blick wandert aber noch prüfend über die Liste. Vergessen, sagt er, wolle er schließlich nachher niemanden. „Man kennt seine Mitfahrer“, erklärt er. Lumpe gehört zum achtköpfigen Team, das den Bürgerbus in Stadtroda mit seinen zugehörigen Ortsteilen sowie der Gemeinde Schlöben betreut – bisher ist dieses Modell einzigartig in Thüringen . Bürger fahren für Bürger auf einer festgelegten Route zwei Mal in der Woche in die Stadt und wieder zurück. Das hilft vor allem den Senioren, die sonst Probleme hätten, aus entlegenen Gebieten die Kernstadt zu erreichen.
Eine Erfindung der Stadt Stadtroda ist der Bürgerbus aber nicht. „Wir sind in Weimar an der Lahn auf das Projekt aufmerksam geworden“, sagt Wolfgang Main. Er steht dem Seniorenbeirat in Stadtroda vor und gehört genauso zum Bürgerbus-Team wie Jürgen Seifert . Seit Mai 2016 rollt der Bürgerbus durch die Region, hat erst vor wenigen Wochen seine zweite erfolgreiche Fahrplanänderung erfahren. „Jetzt kommen die Menschen zwei Mal in der Woche in die Stadt“, erzählt Main.

Allerdings: Vor einem Jahr war es um das ehrgeizige Projekt nicht zum Besten bestellt. „Der Bürgerbus steht vor dem Aus“ titelten Zeitungen  damals, als klar war, dass ein neues Fahrzeug beschafft werden muss. Denn das Eco-Mobil des Landkreises, mit dem der Bürgerbus zu Beginn besorgt wurde, stand vor der Stilllegung.
Fördermittel aus dem Leader-Programm ließen aber auf sich warten. Ein Antrag aus dem Januar 2018 war Mitte des Jahres noch nicht beschieden. Mittlerweile können die Stadtrodaer aufatmen. „Wir sind für die Zukunft gerüstet“, sagt Main.
Der neue Bürgerbus wird ein Eco-Mobil sein, das mittlerweile bestellt ist. Im Herbst 2019 soll das neue Fahrzeug ausgeliefert werden.

Bis dahin rollt der Bürgerbus mit zwei Fahrzeugen durch die Region – mit der„Weißen Kuh des Bürgermeisters“, wie der Kleinbus der Stadtverwaltung scherzhaft genannt wird. Der zweite Tour-Tag wird mit einem Fahrzeug des Autohauses Dolge aus der Stadt abgesichert. „Dadurch können wir eine Zuverlässigkeit gewährleisten und müssen das Angebot nicht ausfallen lassen“, macht Main deutlich, dass der Bürgerbus davon lebt, dass er immer einsatzbereit ist.
32.000 Euro aus dem Leader-Programm werden demnächst in das neue Mobil investiert. 10.000 Euro haben regionale Unternehmer aufgebracht. „Die stehen alle hinter dem Projekt“, sagt Wolfgang Main.

Überhaupt können sich die Bürgerbus-Ehrenamtlichen über eine breite Unterstützung freuen. Sei es im Stadtrat oder in der Ärzteschaft. Weil vornehmlich Senioren das Angebot nutzen, um in die Stadt zu kommen und Arztbesuche abzuwickeln, war es von Beginn an wichtig, dass die Mediziner über das Angebot informiert sind. „Und alle machen mit“, sagt Wolfgang Main erfreut. Das bedeutet: Erklärt ein Bürgerbus-Mitfahrer beim Doktor, dass er auf die Abfahrtszeiten angewiesen ist, um wieder nach Hause zu kommen, dann wird auch in den Praxen flexibel gehandelt – Bürgerbus hat sich als „Codewort“ mittlerweile etabliert.

Dass das Angebot viel Gutes bewirken kann und eine Nische bedient, die der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) wohl nicht abdecken könnte, wird auch einstigen Bedenkenträgern immer klarer. Zweifel im Infrastrukturministerium, das im Bürgerbus eine Konkurrenz zu den örtlichen Busunternehmern gesehen hatte, sind aus Sicht von Wolfgang Main zerstreut. Denn es gebe in Stadtroda regelmäßige Treffen mit den Verkehrsbetrieben. Die hätten bestätigt, dass sie die Route, die der Bürgerbus nimmt, nicht wirtschaftlich betreiben könnte.

Im Infrastrukturministerium will man sich noch nicht positionieren zum Bürgerbus, wartet noch auf die Ergebnisse einer Studie. Sie werde, sagt eine Sprecherin aus dem Haus von Ministerin Keller (Linke), in den nächsten Wochen vorliegen.
Gleichwohl: Das Stadtrodaer Projekt hat es bereits in die Köpfe von Politikern geschafft. Prominentes Beispiel ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD). „Ich habe ihm davon erzählt“, sagt Wolfgang Main, der als einer von mehr als 100 Ehrenamtlichen zum Empfang beim höchsten Repräsentanten der Bundesrepublik eingeladen war.
Mittlerweile können die Bürgerbusfahrer auf eine erste Bilanz verweisen, seit das Projekt im Mai 2016 gestartet ist. 10.000 Kilometer haben sie im ersten Jahr abgespult und 1000 Fahrgäste befördert. Eine Route ist seit Januar 100 Kilometer lang. An 21 Stellen wird gehalten. Das achtköpfige Team wechselt sich stets ab mit den Fahrtschichten. „Wir stellen die Software, die Stadt kümmert sich um die Hardware“, bringt es Wolfgang Main auf eine einfache Formel.
In der Regionalen Aktionsgruppe ( RAG ) des Saale-Holzland-Kreises blicken die Mitarbeiter zufrieden auf das Projekt in Stadtroda . „Es ist besser angelaufen, als wir das erwartet haben“, sagt Franziska Ta Van dieser Zeitung. Sie lobt das ehrenamtliche Engagement der Fahrer aber auch die Bürgermeister von Stadtroda , Klaus Hempel , und Schlöben , Hans Peter Perschke , die sich sehr für das Gelingen eingesetzt hätten. „Das Projekt lebt davon, dass es nicht aufgesetzt ist“, sagt sie.

Wo die Zukunft hinführt? An Fahrern mangelt es nicht. Auch Anfragen umliegender Gemeinden, ob der Bürgerbus nicht auch hierhin fahren könne, gibt es schon. Eine Erweiterung der aktuellen Route erscheint aber nicht sinnvoll.
Man könne, sagt Main, auf einen weiteren Tag ausweichen. Dann würde der Bus dienstags, mittwochs und donnerstags fahren. Dass das Platzangebot für den kostenfreien Service in Zukunft mit acht Sitzen ausreicht, davon ist er überzeugt. „Wir mussten bisher niemanden stehen lassen“, sagt er. Auch in Weimar an der Lahn, das Ideengeber für das Stadtrodaer Projekt war, reiche ein Acht-Sitze-Fahrzeug aus. Zumal das einen weiteren Vorteil hat: Die Fahrer müssen keinen Personenbeförderungsschein nachweisen, der wiederum zusätzliche Prüfungen und Kosten verursachen würde.
Wie wichtig das Angebot in Zukunft noch werden könnte, das zeigt ein Blick in die Bevölkerungsprognose für Stadtroda und seine Gemeinden. 2025 werden 43 Prozent der Menschen in der Stadt und ihren Gemeinden 60 Jahre und älter sein und dann möglicherweise auf dieses Mobilitätsangebot angewiesen.

Sicher können die Mitfahrer sein, dass sie auf engagierte Begleiter wie Diethard Lumpe treffen. Der setzt am Rodamarkt noch zwei Haken auf der Passagierliste, damit auf der Rücktour niemand vergessen wird – dann ist aber wirklich erstmal Pause.

Unser Bild zeigt Diethard Lumpe mit Wolfgang Main (Mitte) und Jürgen Seifert (rechts)

Text und Bild: Fabian Klaus (TLZ)

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Teilhabe ist ein Menschenrecht: Protestaktion am 5. Mai in Berlin – Fest der Inklusion in Weimar

Menschenrechtskampagne Thema Teilhabe

 

 

Weimar/Berlin, 3. Mai 2018. Menschen mit Behinderung haben einen Anspruch auf gleichberechtigte Teilhabe in allen Bereichen der Gesellschaft. Oft hapert es jedoch an der Umsetzung. Auch deswegen ist im Rahmen des „Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung" am 5. Mai bundesweit lautstarker Protest angesagt. Das diesjährige Motto lautet: "Inklusion von Anfang an". Aktionen gibt es auch in Thüringen. So feiert das Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda am 5. Mai rund um das Mon Ami am Goetheplatz in Weimar sein traditionelles Fest der Inklusion.

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Aktionswoche „Wohnen ist Menschenrecht“ – Auch in Thüringen fehlt zunehmend bezahlbarer Wohnraum

Menschenrechtskampagne Thema Wohnen

 

Erfurt/Berlin/Neudietendorf, 2. Mai 2018. Immer mehr Menschen können sich das Wohnen nicht mehr leisten. Es fehlt massenhaft preiswerter und bezahlbarer Wohnraum. Darauf machte die Aktionswoche „Wohnen ist Menschenrecht“ des Aktionsbündnisses „AufRecht bestehen“ aufmerksam. Die Aktionswoche läuft noch bis zum Sonntag. Auch in Thüringen fehlt vor allem in den größeren Städten Erfurt, Jena und Weimar zunehmend bezahlbarer Wohnraum. Allein in Erfurt sind die Mieten zwischen 2006 und 2015 um 26 Prozent gestiegen. In Jena liegen die Kaltmieten nach Angaben der dortigen Initiative „Recht auf Stadt“ sogar über dem Bundesdurchschnitt. In Thüringen sank der Anteil an Sozialwohnungen auf dem Wohnungsmarkt zwischen 2005 und 2017 von fünf auf zwei Prozent.

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Paritätischer: „Eine gute pflegerische Versorgung ist ein Menschenrecht“ – Umfassendes Maßnahmenpaket gegen den Pflegenotstand nötig - In Thüringen kommen auf 100 offene Stellen in der Pflege nur 14 Arbeitssuchende

Menschenrechtskampagne - PflegeErfurt/Neudietendorf, 27. April 2018. Der Pflegenotstand in Thüringen ist groß. Das belegen neue Zahlen der Bundesregierung. Im vergangenen Jahr waren in Thüringen durchschnittlich 735 Stellen in der Altenpflege nicht besetzt. Auf 100 offene Stellen kommen nur 14 Arbeitssuchende. Dramatischer sieht die Situation nur in Sachsen und Rheinland-Pfalz aus, wo auf 100 offene Stellen 13 arbeitslose Pflegefachkräfte kommen. Eine Kursänderung in der Pflegepolitik in Deutschland fordert der Paritätische im Rahmen seiner Menschenrechtskampagne „Mensch, Du hast Recht!“

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