Vom Pflegepakt zum Pflegepaket –Sozialverband baut auf gemeinsame Lösungen

Neudietendorf 18/02/2014 Laut der heute vom Thüringer Sozialministerium vorgestellten Studie der Universität Jena braucht es in den kommenden Jahren in Thüringen allein 3400 Pflegefachkräfte, um in Rente gehende Altenpfleger zu ersetzen. Bis zum Jahr 2030 werden fast 8000 zusätzliche Fachkräfte allein in der Altenpflege benötigt. „Detaillierte Analysen und verlässliche Prognosen zur weiteren Fachkräfteentwicklung in Thüringen liegen jetzt vor. Nun ist es an der Zeit, die richtigen Schlüsse zu ziehen und zu handeln.", betont Reinhard Müller, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Thüringen. Um sich diesen Herausforderungen zu stellen, seien Leistungserbringer, Kostenträger, Landespolitik und Kommunen gleichermaßen gefragt, gemeinsam zukunftssichere Lösungen zu entwickeln. Aus dem Ende 2012 vereinbarten „Pflegepakt" müsse jetzt ein Maßnahmenpaket werden, um nicht in eine Pflegenotstandssituation zu kommen, heißt es beim Paritätischen.

Nach wie vor gelten die Berufsbilder im Bereich der sozialen Dienstleistungen als klassische Frauenberufe. Ein Blick auf die Abwanderungen der letzten Jahre, wobei es sich in der Mehrheit um junge Frauen handelt, zeigt, wie dringend der Handlungsbedarf an dieser Stelle ist. Aus Sicht des Paritätischen lässt dies die Herausforderung, künftig im angemessenen Umfang Fachkräftenachwuchs zu gewinnen, noch erheblich größer ausfallen, als dies für den Durchschnitt der Thüringer Wirtschaft ohnehin bereits gälte. „Das macht deutlich, über welche Dimensionen wir reden und dass wir hier zügig und überlegt handeln müssen", zeigt sich Müller, mit Blick auf die schon jetzt schwierige Personalgewinnung besorgt. Dabei ließe sich das Problem nicht allein nur durch mehr Zuwanderung lösen. Daneben brauche es eine deutliche Imageverbesserung der Pflegeberufe, eine gute Ausbildungssituation und gute Arbeitsbedingungen. Geringe Löhne, eine hohe Arbeitsbelastung und die Herausforderungen im Personalmanagement spielen ebenso eine Rolle, weiß auch Müller. Der Druck unter dem die Pflegeeinrichtungen und Dienste arbeiten sei enorm.

Im „Pflegepakt" wollen Land, Sozialverbände und Pflegekassen gemeinsam nach Lösungen für den Fachkräftemangel suchen. Dazu gehöre auch eine deutliche Anhebung der Pflegeentgelte, um damit letztlich auch höhere Löhne für die Beschäftigten in der Pflege ermöglichen zu können. Man stehe vor derart gravierenden demografischen und versorgungsstrukturellen Veränderungen, das könne nicht weiter auf die lange Bank geschoben werden. Hier seien alle Beteiligten gefragt, gemeinsam an einer Verbesserung der Rahmenbedingungen zu arbeiten.

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