Thüringer Verein macht sich für Barrierefreiheit stark

Neudietendorf 24/03/2014 Das Thema Barrierefreiheit hat in den letzten Jahren an Bedeutung stark zugenommen. Dabei spielen die UN-Behindertenrechtskonvention und der aktuelle Thüringer Maßnahmenplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention eine wesentliche Rolle. Insbesondere die barrierefreie Stadt- und Verkehrsplanung wird in diesem Zusammenhang immer wichtiger. Auch beim Verein Barrierefrei in Thüringen (bith e. V.) ist man dieser Ansicht. Wesentlich sei es vor allem, die Experten in eigener Sache in diese Planungen mit einzubeziehen. Allerdings fehle es dafür bisher an Materialen. Jetzt hat der Verein erstmals ein Baukastensystem entwickelt, das Menschen mit Behinderungen ermöglicht, sich an der Stadt- und Verkehrsplanung zu beteiligen. Im Rahmen der Veranstaltung „Geht nicht gibt es nicht – inklusiv Barrierefreiheit planen" am 24. März 2014 wurde das Baukastensystem erstmals einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Vor allem blinden Menschen bietet das System eine große Hilfe, sich unmittelbar in Planungsprozesse einzubringen. Insbesondere bei den Behindertenbeauftragten und den Stadt- und Verkehrsplanern stieß das Baukastensystem auf großes Interesse.

Bislang gibt es solche Anschauungsmaterialen nicht. Deshalb haben sich der Verein Barrierefrei in Thüringen gemeinsam mit blinden und sehbehinderten Experten, mit Reha-Lehrern, mit der Markus-Gemeinschaft e. V. und mit wissenschaftlicher Begleitung der Fachhochschule Erfurt ein Baukastensystem aus Holz entwickelt. Denn, um sich im öffentlichen Raum möglichst selbstbestimmt orientieren zu können, sind blinde und sehbehinderte Menschen auf taktile Blindenleitsysteme und Bodenindikatoren angewiesen. Mit der Planung dieser Systeme sind meist Stadt- und Verkehrsplaner befasst, die sich zunehmend der Kompetenz von selbst betroffenen blinden Experten bedienen. Für diese Beratungstätigkeit benötige man aber taktil wahrnehmbare Anschauungsmaterialien, heißt es bei bith e. V.. „Auch die Verkehrsplaner selbst profitieren von der visuellen und taktilen Wahrnehmbarkeit", ist Petra Michels, Vorsitzende des bith e. V., überzeugt. Ebenso könne das System auch für Mobilitätstrainer im Rahmen ihrer Schulungen hilfreich sein.

Nach fast einjähriger Entwicklungsarbeit konnte das Baukastensystem präsentiert werden. Zur Präsentationsveranstaltung diskutierten kommunale Behindertenbeauftragte, Stadt- und Verkehrsplaner und Vereinsvertreter über die damit verbundenen Chancen und Einsatzmöglichkeiten. Anhand einzelner Beispiele wurde erläutert, wo Menschen mit Handicap nicht ausgegrenzt, sondern einbezogen werden können. Auch Thüringen hat in Sachen Barrierefreiheit noch erheblichen Entwicklungsbedarf. „Unser Baukastensystem soll helfen, zukünftig nicht nur besser, sondern auch mit Beteiligung von selbst betroffenen, beispielsweise blinden Experten, ein barrierefreies Thüringen zu gestalten", betont Michels.

2009 gründete sich, auf Initiative des Paritätischen Thüringen, der Verein bith. Bith e. V. steht für Barrierefreiheit in Thüringen und zielt auf die nachhaltige Verbesserung dieser im Freistaat. Ziel ist es, Thüringer Unternehmen, Städte und Gemeinden mit Expertenwissen in die Lage zu versetzen, ihre Bürger- und Kundenfreundlichkeit zu verbessern. Zu den Gründungsmitgliedern des Vereins zählen Betroffene in eigener Sache, Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie aus den Bereichen Familie und Sport.

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