Armut in Thüringen wieder gestiegen -- Jeder Fünfte ist von Armut bedroht

Neudietendorf. Die Armut in Thüringen ist nach einem leichten Rückgang im vergangenen Jahr wieder deutlich gestiegen. Fast jeder fünfte Thüringer ist nach neuesten Zahlen
des Statistischen Bundesamtes von Armut bedroht. Die Armutsgefährdungsquote im
Freistaat betrug im vergangenen Jahr 18 Prozent. Das ist gegenüber 2012 ein
Anstieg um 1,2 Prozent.

Deutlich geringer ist die Armutsquote bei den älteren Thüringern. Sie liegt bei 13,6 Prozent. Aber auch das ist gegenüber 2012 ein sprunghafter Anstieg um 1,3 Prozent.
Allerdings liegen die Armutsquoten in Thüringen zum Teil deutlich niedriger als
in den anderen ostdeutschen Ländern. Der Schnitt in Ostdeutschland beträgt 19,8
Prozent.
Als in jeder Hinsicht alarmierend bewertet der Paritätische Wohlfahrtsverband den
sprunghaften Anstieg der Armut auch in Thüringen. Der Landesverband des Paritätischen sieht in der Armutsbekämpfung einen wesentlichen Baustein für die Arbeit der neuen Landesregierung. Erschreckend sei die Tatsache, dass immer mehr ältere Menschen nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes als armutsgefährdet gelten, so der Landesgeschäftsführer des Paritätischen, Reinhard Müller. Das ist seiner Einschätzung nach vor allem darauf zurückzuführen, dass immer mehr Ältere mit sehr gebrochenen Erwerbsbiografien in den Rentenbezug kommen. Die aktuellen Zahlen sind nach Einschätzung des Verbandes nur der Vorbote einer Lawine der Altersarmut, die in 10 Jahren auf Deutschland zurollen werde.
Auf Bundesebene verlangt der Paritätische von der Bundesregierung einen Masterplan
zur Armutsbekämpfung. „Wer diesen Trendstoppen will, braucht mehr als Mindestlöhne. Die Bundesregierung darf dieser Entwicklung nicht tatenlos zusehen, sondern muss einen echten Masterplan zur Armutsbekämpfung auf den Weg bringen", so der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Ulrich Schneider. Ein solcher Masterplan müsse unter anderem eine Reform des Familienlastenausgleichs, Maßnahmen zur Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit sowie eine durchgreifende Reform der Altersgrundsicherung umfassen.
Als armutsgefährdet gelten gemäß der Definition der Europäischen Union
Menschen, die mit weniger als 60 % des mittleren Einkommens der Bevölkerung in Privathaushalten auskommen müssen. Nach den Ergebnissen des Mikrozensus galten
im Jahr 2013 beispielsweise Einpersonenhaushalte mit einem monatlichen Einkommen von weniger als 892 Euro als armutsgefährdet.

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