Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus in Thüringen wird enger geknüpft

Kooperation zwischen Paritätischem und Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland unterzeichnet

Neudietendorf 01.12.2014 Das Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus in Thüringen wird enger geknüpft. Rechtsextremistischen und demokratiefeindlichen Parolen soll entschieden entgegen getreten werden. Dafür wollen der Paritätische in Thüringen und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland die Thüringer noch mehr als bisher sensibilisieren. Deshalb schlossen sie am 1. Dezember 2014 eine Kooperationsvereinbarung, das die beiden Projekte „Schau hin" (Parität) und Perspektivwechsel (ZWT) eng miteinander verzahnt.

In den nächsten Wochen und Monaten werden mehr Flüchtlinge und Asylbewerber in Thüringen aufgenommen. Rechtsextreme Kräfte mobilisieren bereits seit Wochen gegen die Einrichtung neuer Wohnheime für Migranten. Auch versuchen Rechtsextremisten verstärkt, ihre Ideologie über Engagement in Vereinen und Bürgerinitiativen zunächst subtil zu verbreiten.

Genau hier die rechtsextremistischen, rassistischen und menschenfeindlichen Einstellungen und Parolen zu erkennen und ihnen auch offensiv sowie wirksam entgegenzutreten, ist eines der Hauptanliegen der beiden Wohlfahrtsverbände mit ihren breitgefächerten Fort- und Weiterbildungsprojekten, die jetzt ihre Tätigkeiten in Thüringen noch enger verzahnen. „Wir wollen die Thüringerinnen und Thüringer dafür sensibilisieren, klare Positionen gegen demokratiefeindliche Argumente und gegen die Verbreitung rechter Weltbilder zu unterstützen", sagte Reinhard Müller, der Geschäftsführer des Paritätischen Landesverbandes bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung. Benjamin Bloch, Direktor der ZWST, unterstrich die Bedeutung von sensibilisierenden Bildungsangeboten, die Menschen motivieren können, gegen jede Form von Intoleranz und Diskriminierung einzutreten und selbstverantwortlich zu handeln. „Die ZWST ist seit vielen Jahren aktiv und setzt sich neben ihren sozialen Aufgaben auch für die Entwicklung einer gerechten und demokratischen Gesellschaft ein. Im Rahmen dieses Engagements entstand das Projekt „Perspektivwechsel", das derzeit vor allem in Thüringen umgesetzt wird. Unterstützt durch Bund und Land, in enger Kooperation mit dem Thillm, bietet es Fort- und Weiterbildungen im Bereich der gesellschaftspolitisch orientierten Bildungs- und Sozialarbeit an. Wir arbeiten in Städten, aber auch in ländlichen Regionen und sind froh so viele engagierte und treue Partner für das gemeinsame Vorhaben vorweisen zu können.

Beide Träger verstehen sich in diesem Kontext als ein Forum, das sich diesem Thema annimmt, Haltungen der Beteiligten stärkt und vor allem Kontakt-, Informations- und Unterstützungsangebote unterbreitet, um Berater und Beraterinnen für Vereine und Organisationen auszubilden und auf ihre neue Funktion vorzubereiten. Die Berater und Beraterinnen können ihr Wissen erweitern, Argumentationskompetenzen aneignen und wirksame Gegenstrategien entwickeln. Denn dieses Engagement ist nicht nur für die Arbeit gegen Rechtsextremismus wichtig, sondern im Hinblick auf die interkulturelle Öffnung von Strukturen zukunftsweisend. Müller verwies beispielsweise auf eine erst in der vergangenen Woche veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung, in der nachgewiesen wird, dass Zuwanderer nicht nur kulturell und gesellschaftlich, sondern auch ökonomisch eine Bereicherung für Deutschland und Thüringen seien.

Drucken