Kindersprachbrücke: Politiker unterstützen vorgeschlagene Modellprojekte

Die mehr als 1000 Kinder aus Flüchtlingsfamilien, die derzeit jährlich nach Thüringen kommen, sollen schnelleren und besseren Sprachunterricht erhalten. Der Vorschlag der Kindersprachbrücke Jena, zwei Modellprojekte dazu in Thüringen auf die Beine zu stellen, ist im politischen Raum auf große Resonanz gestoßen. Unterstützt wird der Vorstoß sowohl von Migrationsminister Dieter Lauinger (Grüne) wie auch der Landtagsvizepräsidentin Astrid Rothe-Beinlich (Grüne). Im Bildungsministerium verwies man auf den noch ausstehenden Haushalt, um ein solches Projekt auch finanziell zu verankern.

Der Geschäftsführer der Kindersprachbrücke, Wolfgang Volkmer, hatte zwei Modellprojekte im Freistaat angeregt, eins in einer ländlichen und eins in einer städtischen Region. Sie sollten noch in diesem Jahr anlaufen. Im nächsten Jahr könnte der Sprachunterricht nach dem Modell der Kindersprachbrücke dann flächendeckend im Freistaat eingeführt werden. Kinder aus Flüchtlingsfamilien brauchen vor allem in der Anfangszeit schnell guten Sprachunterricht, unterstreicht Volkmer.

Migrationsminister Dieter Lauinger (Grüne) unterstützt dieses Vorhaben nachdrücklich, sagte er dem Paritätischen. Er machte sich bei einem Vor-Ort-Besuch in einer Jenaer Schule bereits ein Bild von der Arbeit der Sprachbrücke. Das in Jena in Zusammenarbeit mit der Kindersprachbrücke bewährte Konzept, Kinder von Migranten erst nach einer guten Sprachförderung in den regulären Unterricht zu schicken, ist für Lauinger das richtige Prinzip. "Es macht überhaupt keinen Sinn, Kinder ohne Deutschkenntnisse in die Klassen zu nehmen. Das nervt die Kinder selbst, weil sie nichts verstehen, überfordert und nervt aber auch Lehrer und Mitschüler", so der Minister bei seinem Besuch in Jena.

Zustimmung kommt auch von der Bildungsexpertin der Grünen und Landtagsvizepräsidentin Astrid Rothe-Beinlich. „Sehr gern und mit Nachdruck unterstützen wir das Vorhaben, die Kindersprachbrücke als Modellprojekt anzulegen und auszuweiten, wissen wir doch alle, dass Sprache der Schlüssel für Teilhabe und Integration schlechthin ist“, sagte sie dem PARITÄTISCHENB. „Zudem gilt, dass Investitionen in Bildung hohen Folgekosten vorbeugen.
Im Bildungsministerium verwies Sprecher Gerd Schwinger auf den noch nicht vorliegenden Landeshaushalt. Deshalb könne zu möglichen Modellprojekten auch noch nichts Abschließendes gesagt werden.
Bei dem Projekt der Sprachbrücke sollen ausgebildete Fachkräfte auf Honorarbasis bzw. bei Trägern angestellt und unterstützt von qualifizierten Ehrenamtlichen ein flächendeckendes und kostengünstiges Unterstützungssystem nach dem Modell der Kindersprachbrücke schaffen. Vorbereitungsklassen an Schwerpunktschulen – wie z.B. in Sachsen üblich – könnten den Kindern beim Einstieg helfen.
In Jena wird durch die Kindersprachbrücke mit ausgebildeten Fachkräften auf Honorarbasis und Ehrenamtlichen bereits ein flächendeckendes und kostengünstiges Unterstützungssystem mit zwölfjähriger Erfahrung vorgehalten. 2014 wurden durch den Verein über 200 Kinder gezielt gefördert. Mit Erfolg: Die Kinder finden sich schneller im Unterricht zurecht und lernen, sich auch im Alltag zu verständigen. Voraussetzung für diese Erfolge der Kindersprachbrücke sind die enge Zusammenarbeit mit Schulen und Schulamt, der Integrationsbeauftragten sowie dem Jugend- und Sozialamt.
Dieses Modell könnte für ganz Thüringen Pate stehen, wenn sich das Land darauf einlassen würde, die Schulen mit Budgets auszustatten, um Fachkräfte in der Schule einzusetzen. Die neuen Koalitionspartner haben in ihrem Vertrag bereits festgehalten, dass die Sprachförderung gewährleistet werden soll. Nach Berechnungen der Kindersprachbrücke würden 1,5 Millionen Euro im Jahr ausreichen, um jedes neuzugewanderte Kind in Thüringen ausreichend zu fördern. Denn: „Der Preis für ,sprachlose‘ Kinder ist ungleich höher, so Volkmer

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