Alkohol im Betrieb: Kleine und mittlere Unternehmen brauchen Hilfe

Erfurt. Klein- und Mittelbetriebe benötigen bei der Lösung von Alkoholproblemen in ihren Unternehmen mehr Unterstützung. „Den Führungskräften sollte über Kammern und Innungen Hilfen vermittelt werden“ sagte Herbert Ziegler, Geschäftsführer des Therapiehofs Sotterhausen bei einer Tagung des Präventionszentrums „Suchthilfe in Thüringen“. In Thüringen sind nach Schätzung von Experten etwa 40 000 Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen alkoholabhängig. Da Thüringens Wirtschaft zu 90 Prozent aus kleinen und mittleren Unternehmen besteht, trifft das Problem diese Firmen mit voller Wucht.

Während in größeren Unternehmen für Themen wie „Gesundheitsförderung“ oder „Sucht am Arbeitsplatz“ häufig entsprechende Strukturen wie Betriebsvereinbarungen, Arbeitskreise oder sogar Suchtbeauftragte vorhanden sind, fehlen diese in den kleineren Unternehmen vollständig. „Die Firmenchefs und Führungskräfte auch der kleinen und mittleren Unternehmen müssen lernen, lösungsorientiert mit diesem Problem umzugehen“, so Ziegler.
Er wünscht sich von den Kammern und Innungen, dass sie diese Problematik stärker in ihren Angeboten berücksichtigen.Nach Zieglers Einschätzung kommt bei den kleinen und mittleren Unternehmen ein weiterer Faktor hinzu: „Dort herrscht oft fast schon eine familiäre Atmosphäre, so dass es auch für die Firmenchefs schwierig ist, das Thema offensiv anzusprechen.“ Nach Angaben des Präventionszentrums sind fünf Prozent der Arbeitnehmer bundesweit alkoholabhängig. Überträgt man diese Zahl auf Thüringen, kommt man auf 40 000 alkoholabhängige Arbeitnehmer. Diese werden auch für die Betriebe wirtschaftlich zu einer Belastung. Denn alkoholkranke Arbeitnehmer fehlen 16-mal häufiger und erleiden 3,5-mal häufiger Arbeitsunfälle. Bei ihnen tritt ein etwa 25-prozentiger Verlust der Arbeitsleistung auf. 26,7 Milliarden Euro sind bundesweit alkoholbezogene Kosten für die Unternehmen.
Herbert Ziegler macht den Firmenchefs ihre Verantwortung sehr deutlich: „Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Mitarbeiter während der Arbeitszeit alkoholisiert ist oder andere Suchtmittel konsumiert hat, dürfen Sie ihn – zu ihrem und zu seinem Schutz – nicht mehr weiterarbeiten lassen. Organisieren Sie auch den Heimweg, schicken Sie ihn auf keinen Fall allein nach Haus.“ Weitere Tipps hat der Fachverband Sucht in einer Broschüre zusammengestellt (www.sucht.de).
In Thüringen wird das Thema „Alkohol im Betrieb“ von einem breiten Netzwerk angegangen, in dem seit 2010 Arbeitgeber, Innungen, Kammern, Sozialverbände und Krankenkassen zusammenarbeiten. „Toll vernetzt und breit aufgestellt“, lobte Dr. Martina Rummel vom Institut für betriebliche Suchtprävention in Berlin das Thüringer Modell. Sie wies in ihrem Beitrag darauf hin, dass Prävention vor allem heißen muss, die Arbeitsbedingungen gut auszugestalten.
Weitere Informationen zum Thema gibt es beim Präventionszentrum Thüringen, Tel. 0361/2128080

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