Paritätischer fordert „Werte-Umschwung“ bei der Finanzierung ehrenamtlicher Tätigkeit

Ehrenamt GothaGotha - 04.06.2015    Einen „Werte-Umschwung“ bei der Aufstellung von Haushaltsplänen in Land und Kommunen zugunsten ehrenamtlicher Tätigkeit hat der Landesgeschäftsführer des Paritätischen, Reinhard Müller, eingefordert. . Er erinnerte an die Zeit der Banken-Rettung, als viel Geld für das Überleben von Banken ausgegeben wurde, die als „systemrelevant“ eingestuft wurden. „Auch das ehrenamtliche Engagement muss als systemrelevant eingestuft werden, weil es Kitt für die Gesellschaft ist“, so Müller bei einer gemeinsamen Veranstaltung der Paritätischen BuntStiftung und der Volkssolidarität Gotha im Klub Galletti in Gotha unter dem Titel „Ehrenamt fördern – Alles nur Sonntagsreden?“

Ines Feierabend, die Staatssekretärin im Thüringer Arbeits- und Sozialministerium, zeigte sich von der Arbeit des Klubs begeistert.  Seit gut einem halben Jahr ist sie jetzt in Thüringen politisch aktiv.  „Aber solch einen Klub habe ich vermisst“, sagte sie anerkennend und blickt sich im Gothaer Klub Galletti um. Klubs dieser Art kennt sie aus ihrer Berliner Zeit. Vor ihrem Wechsel nach Thüringen war Feierabend  stellvertretende Bürgermeisterin und Bezirksstadträtin für Arbeit, Soziales und Gesundheit im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick.  Ernst-Martin Stüllein vom Verein „L’amitié“ machte in der Runde darauf aufmerksam, dass es noch eine ähnliche Einrichtung dieser Art in Gotha gebe – das multikulturelle Begegnungszentrum von Stadt und Kreis Gotha bei „L’amitié“.

 Dr. Heide Wildauer von der Volkssolidarität Gotha hatte zuvor die Arbeit des Klubs „Galletti“ vorgestellt und für 2014 eine beeindruckende Bilanz präsentiert: 849 Veranstaltungen fanden dort statt,  fast 10.900 Besucher wurden gezählt.  Aber beim Blick auf die Finanzen ist nicht alles eitel Sonnenschein, erfährt Ines Feierabend. Denn der Klub braucht dringend weitere finanzielle Unterstützung. Dr. Heide Wildauer hofft hier auf Hilfe des Landes, aber auch auf mehr Geld als bisher von der Stadt. „Klubs wie dieser sind für das Leben in einer Kommune unabdingbar und ein wichtiges Element“, findet sie bei Ines Feierabend Unterstützung. Die Staatssekretärin lobt auch den „Kampfeswillen“, mit dem die Verantwortlichen für die Existenz des Klubs streiten.

Das umfangreiche Angebot an Veranstaltungen im Klub Galletti, die vom Singekreis über politische Diskussionen bis hin zu Reisevorträgen und Gesundheits-Tipps reichen, kann nur durch ehrenamtliches Engagement aufrechterhalten werden.  „Die Arbeit im Klub macht Spaß“,  sagte Heide Wildauer. Und Spaß und Freude an der Tätigkeit sind ein wesentliches Kriterium ehrenamtlichen Engagements.

Das kam auch bei der Diskussionsveranstaltung heraus, die Ines Feierabend an diesem Tag nach Gotha geführt hat. Die Paritätische BuntStiftung und die Volkssolidarität Gotha diskutierten mit hochkarätigen Gästen darüber, wie das Ehrenamt in Thüringen gefördert werden kann. Eine Ehrenamtsstudie, die der Paritätische Thüringen in Auftrag gegeben hatte, zeigt, wie hoch die Bedeutung ehrenamtlichen Engagements von den Thüringern eingeschätzt wird. Gleichzeitig fordern sie aber auch eine gezielte Förderung ein. „Wir müssen in die Menschen investieren“, sagte Reinhard Müller, der Landesgeschäftsführer des Paritätischen.  Die Rechtsform des Vereins als Ausdruck zivilgesellschaftlichen Engagements habe sich bewährt und stelle sich auf neue Herausforderungen ein. Eine davon: Die Nachfolge der jetzt in den Vereinen Aktiven müsse geregelt werden. „Die Zeiten der ersten Gründer gehen zu Ende, jetzt müssen die Nachfolger gefunden werden“, so Müller. Der Vorsitzende der Volkssolidarität, Frank Michael Pietzsch machte klar, was ohne Ehrenamt in Thüringen alles fehlen würde. „Ehrenamt ist für die Menschen da“, sagte er.

Vision Engagement heißt ein Projekt, das die Paritätische BuntStiftung, unterstützt von der Glücksspirale, angestoßen hat. Ziel ist es, das Ehrenamt in Thüringen zu stärken. Denn ohne ehrenamtliches Engagement von Zehntausenden in Thüringen würden viele Vereine und Organisationen ihre Arbeit einstellen müssen. Die Bedeutung der Vereine in Thüringen unterstrich auch die Geschäftsführerin der Thüringer Ehrenamtsstiftung, Brigitte Mahnke. Sie wies darauf hin, dass Thüringen die höchste Vereinsdichte in Deutschland habe. „Der Verein ist nicht überholt“, sagte sie in der Runde.

Stark investieren auch die Mitgliedsorganisationen des Paritätischen in das Ehrenamt, unterstrich Reinhard Müller. Die Symbiose von Haupt- und Ehrenamt nannte er einen „Paradigmenwechsel“, den man derzeit erlebe. Auch er unterstrich die Bedeutung der Vereine, die sich auf neue Herausforderungen einstellten

Staatssekretärin Feierabend kündigte in der Veranstaltung auch ein neues Landesprogramm für das Zusammenleben der Generationen an. Aus diesem Programm kann dann auch ehrenamtliches Engagement unterstützt werden. Das Programm wird derzeit erarbeitet, wird aber nicht vor 2018, also im übernächsten Doppelhaushalt, finanziell verankert und damit wirksam werden.

 

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