Vision: Aids 2020 beenden

Aids Hilfe Weimar OstthüringenWeimar, 9. Juni 2015. Die Krankheit Aids als letztes Stadium einer HIV-Infektion könnte sich in Deutschland durch rechtzeitige Diagnose und Therapie bereits heute fast immer vermeiden lassen. Wenn der Weg der Aufklärung und der Prävention konsequent weiter beschritten werden, könnte die Krankheit Aids 2020 der Vergangenheit angehören. Diese Vision jedenfalls haben alle, die aktiv in der Aids-Hilfe engagiert sind. Ihren Optimismus schöpfen sie vor allem aus dem medizinischen Fortschritt, der bei der Behandlung der HIV-Infektion in den vergangenen Jahren erreicht wurde.

„Allerdings stecken die Vorurteile gegenüber der HIV-Infektion und den HIV-Infizierten noch immer in den Köpfen der Menschen drin, sagte Silvia Urban von der Deutschen Aidshilfe bei einer Diskussionsveranstaltung in Weimar. Anlass: Die Aidshilfe Weimar und Ostthüringen e.V. feiert in diesen Tagen ihr 25-jähriges Bestehen. „Wir müssen einen Wandel in den Köpfen erreichen“, wurde sie von Madlen Nagel von der Aidshilfe Weimar unterstützt. Die Aidshilfe ist eine Mitgliedsorganisation des Paritätischen.
Der medizinische Fortschritt der vergangenen Jahre hat die Behandlung von Aids gegenüber den Anfangsjahren der Aidshilfe enorm verändert. Kranke können heute mit ihrer Krankheit leben und überleben. Allerdings sterben trotzdem noch jedes Jahr mehr als 500 Menschen in Deutschland an den Folgen von HIV. Der Hauptgrund ist die Diskriminierung dieser Menschen. Die befürchtete Ausgrenzung macht Angst vor dem HIV-Test und verhindert damit einen rechtzeitigen Therapiebeginn, so Silvia Urban. Veraltete Bilder von HIV als rasch tödlicher Erkrankung werden so manchmal zu einer selbst erfüllenden Prophezeiung, ergänzte Madlen Nagel.
Deshalb fordert die Aidshilfe anonyme lebensweltnahe HIV-Test-Angebote und qualifizierte Beratung für besonders stark von HIV betroffene Gruppen wie schwule Männer. Die Prävention müsse passgenauer gestaltet werden, so Nagel. Allerdings seien den ExpertInnen der Beratungsstellen häufig genug die Hände gebunden, weil die Förderrichtlinien sehr eng gefasst seien. Hier wünschte sich Nagel mehr Handlungsfreiheit.
Außerdem müsse die Aufklärungsarbeit konsequent fortgesetzt werden, hieß es bei der Diskussion in Weimar, die von Hartmut Kaczmarek, Profiler des Paritätischen, geleitet wurde. Stefan Werner, der stellvertretende Direktor der Paritätischen BuntStiftung, forderte ein flächendeckendes Engagement der Landkreise und kreisfreien Städte in Thüringen in dieser Frage. Der Verweis allein auf die Arbeit der Gesundheitsämter dürfe dabei nicht ausreichen.
Die Finanzierung der Arbeit der Aidshilfe ist immer noch ein großes Problem. Denn durch den verspäteten Landeshaushalt sind bislang nur Abschläge gezahlt worden. Außerdem hat die Stadt Weimar bislang eine Stelle gesperrt, so dass die Arbeit hier in der Schwebe hängt. Die Absicherung einer kontinuierlichen Finanzierung der Arbeit des Vereins steht deshalb derzeit an oberster Stelle.
Zum 25-jährigen Bestehen der Aidshilfe sind in dieser Woche noch weitere Veranstaltungen geplant. So gibt es am Freitag, 12. Juni, ab 16 Uhr ein Sommerfest im Papiergraben in Weimar. Und am Sonntag, 14. Juni, wird um 13 Uhr im Kino der Gedenkstätte Buchenwald der Film „Rosa Winkel“ gezeigt. Damit soll den Opfern der Konzentrationslager gedacht werden, die den „Rosa Winkel“ aus Brandmarke tragen mussten. Bereits an diesem Mittwoch werden Weimarer Schulklassen zu Beratungseinrichtungen in Weimar geschickt. Bei dieser „Beratungsstellen-Rallye“ können die Schülerinnen und Schüler in lockerer Atmosphäre die Schwellenängste gegenüber den Einrichtungen abbauen und lernen deren Tätigkeitsfelder kennen.

Tags: Aidshilfe, Aids, Stefan Werner

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