„Farbiger Schrei der Seele“ Neue Ausstellung mit abstrakter Kunst im Haus der Parität in Neudietendorf

Bodo BuschBodo BuschNeudietendorf, 09. Juni 2015.  Wenn Bodo Busch nach der Lieblingscharakterisierung für seine Bilder gefragt wird, dann fällt ihm sofort ein Zitat aus einer Vernissage von vor ein paar Wochen ein: „Seine Bilder sind ein farbiger Schrei der Seele.“ Bodo Busch  redet nicht gerne über sich selbst, er zitiert lieber andere. Aber eins ist auch klar: Seine Bilder entstehen aus dem Bauch heraus, es sind „Themen, die mich anspringen“, sagt der Ilmenauer. Seine Bilder lassen viel Raum für Interpretation, sie sollen zum Nachdenken anregen und Mitgefühl erzeugen.

Einige der Werke von Bodo Busch sind in den nächsten Wochen beim Paritätischen in Neudietendorf zu sehen. Beispielsweise das Bild der jungen Solange, einer Afrikanerin, die in rotem Umhang auf dem Boden kauert. Ihre Geschichte ist schrecklich. Ihre Familie wurde bei einem Militärputsch im heimischen Benin ermordet, weil sie zum falschen Stamm gehörten. Solange unternahm eine Odyssee durch ganz Afrika bis zur Elfenbeinküste. Dort heiratete sie und fand Arbeit. Sie glaubte Ruhe gefunden zu haben, wurde aber bitter enttäuscht. Denn auch in der Elfenbeinküste gab es Bürgerkrieg. Dabei wurde  die Familie ihres Mannes umgebracht, Solange flüchtete weiter nach  Tunesien. Seit einem Dreiverteljahr hat Busch keinen Kontakt mehr mit ihr, seit dem Tag, an dem IS-Terroristen einen blutigen Anschlag auf ein Museum in Tunis verübten. „Ich hoffe, dass Solange noch lebt“, so Busch mit einem wehmütigen Blick auf das Bild.

Ein anderes Bild sticht ebenfalls sofort ins Auge. Es ist der Entsetzensschrei eines Menschen vor gelbem Hintergrund – Ausdruck der Angst vor den Folgen der Atomkatastrophe von Fukushima.  So lässt sich zu fast jedem Bild eine Geschichte erzählen, auch zu dem der Frau in Rot. Sie hat jahrelang unter ärztlichen Fehldiagnosen gelitten, der Hirntumor, der unterdessen wuchs, wurde zu spät entdeckt. Im Alter von 35 Jahren ist sie verstorben.

Bodo Busch lebt seine Bilder, in jedem von ihnen steckt ein Stück persönliche Lebenserfahrung.  Er drückt seine Gefühle und Empfindungen in Farbe aus. Der Künstler ist Autodidakt. Er war in der Umweltbewegung der DDR tätig und Mitbegründer des Neuen Forums und der Grünen. Auf vielen Ausstellungen in ganz Thüringen hat er seine Bilder schon zeigen können. „Mittlerweile  brauche die Öffentlichkeit“, sagt er. Denn er will über seine Bilder, die ja auch seine Gefühlswelt widerspiegeln, reden. Derzeit arbeitet er an einem Bild, das den IS-Terror aufgreift.

Ob er denn auch schon mal eine Idee nicht hat umsetzen können? Bodo Busch muss nicht lange überlegen. „Laut Genwissenschaftlern ist der Mensch mit seinen Genen nur drei Prozent vom Schimpansen entfernt. Und wir glauben, wir sind die Krone der Schöpfung.“ Diesen Widerspruch würde er gerne in einem Bild festhalten. Allein: „Wie kriege ich das rüber, ohne dass es zu flach wird“, sagt er und sein Blick schweift nachdenklich in die Ferne.

Die Bilder von Bodo Busch sind im Haus der Parität in Neudietendorf während der Bürozeiten zu sehen.  Die Ausstellung läuft bis September.

Tags: Ausstellung, Bodo Busch, Malerei

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