Wertekonferenz in Leipzig: Die "PS" (Paritätische Stärken) ausspielen

Elisa Grahmann erläuterte in Leipzig das Projekt Schau HINLeipzig/Neudietendorf, 25. September 2015. „Stellen Sie sich folgende Situation vor: Elternversammlung in einer Kita. Für den Posten des Sprechers kandidiert ein stadtbekanntes NPD-Mitglied, ein Bekannter von ihm soll Stellvertreter werden. Was tun?“ Mit dieser Frage konfrontierte Elisa Grahmann (Bild) vom Thüringer Projekt „Schau HIN“ die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Wertekonferenz der Landesverbände Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Das vom Paritätischen Thüringen und vom Bildungswerk Blitz getragene Beratungsnetzwerk gegen Ideologien der Ungleichwertigkeit und für demokratische Teilhabe war eines der Projekte, die bei der Konferenz in Leipzig als  Beispiele vorgestellt wurden, wie Paritätische Werte in die Öffentlichkeit getragen werden. Mit der Ausbildung der Beratungsmanagerinnen und Beratungsmanager erhalten Vereine und Organisationen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, die über das nötige Rüstzeug verfügen, um rechtsextreme Argumentationsmuster zu erkennen und ihnen zu widerstehen.


Was bedeuten uns die Paritätischen Werte heute? Müssen Sie vielleicht ergänzt werden? Welche Rolle spielen sie in der Öffentlichkeit? Das waren die Themen der Konferenz, an der der Paritätische Thüringen mit einer etwa 30 Personen starken Delegation teilnahm. „Wir müssen unsere Paritätischen Werte offensiv vertreten“, mahnte Rolf Höfert, der Vorsitzende des Paritätischen Thüringen an. „Wir müssen nicht nur Widerstand leisten, sondern sollten uns als Sprachrohr und Interessenvertreter im sozialen System verstehen“, so Höfert.
Auch Landesgeschäftsführer Reinhard Müller rief dazu auf, die Paritätischen Werte wie Toleranz und Vielfalt in der Öffentlichkeit positiv zu besetzen. „Wir müssen uns so aufstellen, dass wir dafür kämpfen können“, sagte er. Und das bedeutet für ihn vor allem, gute Beispiele zu geben, sich interessant zu machen und sich nicht nur als Mahner zu begreifen, sondern auch als eine positiv gestaltende gesellschaftliche Kraft.
Stefan Werner, stellv. Direktor der Paritätischen BuntStiftung war einer der Moderatoren bei der Wertekonferenz. Hier interviewt er Barbara Stolterfoht, rechts daneben der Thüringer Landesvorsitzende des Paritätischen, Rolf Höfert.„Selbstbewusst werden“, diese Forderung der früheren Paritätischen Bundesvorsitzenden Barbara Stolterfoht (Bildmitte, im Interview mit dem stellv. Direktor der Paritätischen BuntStiftung, Stefan Werner, rechts der Thüringer Landesvorsitzende Rolf Höfert) zog sich wie ein roter Faden durch die Diskussionen. „Die Politik verliert oft den Blick für die Wirklichkeit“, sagte Stolterfoht, die selbst vor ihrem Wechsel zum Paritätischen Politikerin war. „Es führt kein Weg daran vorbei, sich mit der Politik anzulegen“, legte sie den Teilnehmenden ans Herz. Für dieses Bohren dicker Bretter brauche man aber einen langen Atem und viel Geduld. „Es gibt aber keine Alternative dazu, wenn die Werte gelten sollen“, erklärte sie.
Die Paritätische Stärke definierte sie so: „Die anderen haben das Geld, wir haben die Menschen und unsere Werte.“ Diese im Kürzel „PS“ zusammengefasste Paritätische Stärke gelte es, auch in neuen Bündnissen auszuspielen. Oder wie Rolf Höfert es in Erinnerung an seinen Vater, der Bergmann war, es ausdrückte: „Mein Vater hat immer gesagt, wenn es im Gebälk knistert, hat man zwei Möglichkeiten: Entweder das Gebälk abzustützen oder wegzulaufen.“ Und energisch fügte der Thüringer Landesvorsitzende hinzu: „Ich bin dafür abzustützen, nicht wegzulaufen.“

Tags: Stefan Werner, Schau HIN, Wertekonferenz, Elisa Grahmann, Rolf Höfert

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