"Ich wollte Politiker oder Koch werden" - Einblicke in die Biografie von Reinhard Müller

Reinhard Müller im Gespräch mit Heide WildauerGotha, 2. Oktober 2015. Für Reinhard Müller stand sein Berufswunsch schon früh fest: „Entweder werde ich Politiker oder Koch.“ Er ist weder das eine noch das andere geworden, obwohl seine derzeitige Aufgabe als Landesgeschäftsführer des Paritätischen dem des Politikers sehr nahe kommt: Reinhard Müller ist viel in der politischen Szene unterwegs, er stößt an, regt an, ist bei Gesetzesvorhaben mit eingebunden und sein Rat wird auch von vielen PolitikerInnen in Thüringen geschätzt und gesucht. Und Koch? Er kocht mit Leidenschaft privat. Zu Hause gibt es fast jeden Abend eine frisch zubereitete warme Mahlzeit.


Diesen und andere Einblicke in die Biografie von Reinhard Müller vermittelte eine Talkrunde im „Club Galletti“ der Volkssolidarität in Gotha. Heide Wildauer fühlte dabei dem PARITÄTER auf den Zahn, ließ ihn schlaglichtartig seine Biografie erzählen und entlockte ihm auch so manche private Dinge. „Schon mit zehn oder elf stand meine Berufswahl fest“, berichtete Müller. Aufgewachsen in West-Berlin lag es nahe, dass er sich für politische Entwicklungen interessierte. Seine letzten Schuljahre am Gymnasium und seine Zeit als Politologie-Student am Otto-Suhr-Institut in Berlin standen ganz im Zeichen des 68er Aufbruchs in Westdeutschland, einer Zeit, in der die Jugend Westdeutschlands aufbegehrte, von der Vätergeneration einen ehrlichen Umgang mit der eigenen Vergangenheit einforderte. Es war eine Zeit, in der Autoritäten angezweifelt und gegebenenfalls auch vom Sockel gestoßen wurden. Und Reinhard Müller war bei vielen dieser Veranstaltungen und Proteste mittendrin. Ob bei der Demonstration gegen den Schah-Besuch in West-Berlin oder bei Sit-Ins vor den Lehrerzimmern der Schule.
Trotz aller Proteste und des außerparlamentarischen politischen Engagements absolvierte er seine Studienzeit relativ schnell, war nach acht Semestern plus Prüfungssemester fertig. Schon während seines Studiums hatte er einem anderen seiner Hobbys gefrönt, dem Reisen. „Ich habe mit Trampen die Welt kennengelernt“, später besserte er als Reiseleiter seine bescheidenen finanziellen studentischen Verhältnisse auf. So kam er auch in Kontakt zum Internationalen Christlichen Jugendaustausch, wo Müller seine erste Anstellung fand. Jugendbegegnungen wurden organisiert. Und gemeinsam mit einigen anderen realisierte er dann 1983 ein Sozialprojekt in Biedenkopf in Hessen und schuf mit dem „Cafe Horch“ (Müller: „Damals wusste ich noch nicht, dass der Name Horch in der DDR ganz anders belegt war“) ein Bildungs- und Sozialzentrum. Nach der Wende boten die MitarbeiterInnen des Zentrums dem benachbarten Thüringen Hilfe bei der Aus- und Fortbildung in den Bereichen Sozialmanagement und Suchtberatung an. Und da das hessische Projekt im dortigen Paritätischen Mitglied war, waren schnell auch in Thüringen die Fäden geknüpft.
Nein, Angst vor neuen Herausforderungen hat Müller nicht, wie er in der Gesprächsrunde bekennt. „Ich bin eher ein Typ, der relativ furchtlos ist.“. Mit ihren etwa 80 000 hauptamtlichen Mitarbeitern sind die Mitgliedsverbände der LIGA ein starker sozialpolitischer Player und stellen etwa zehn Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, so Müller – ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Heide Wildauer merkte an: „Wir sind uns manchmal unserer Größe nicht bewusst.
Und wie entspannt Reinhard Müller nach einem stressigen Tag? „Beim Kochen, der Gartenarbeit und beim Lesen. Und wenn ich unseren Kater verwöhne.“

Tags: Reinhard Müller, Heide Wildauer, Volkssolidarität Gotha

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