Kinder- und Jugendpreis 2015 verliehen: 19.500 Euro für Brückenbauer zwischen Jung und Alt - Hauptpreis an Talisa Erfurt

 FRK6826Erfurt, 3. November 2015. In Thüringen gibt es jede Menge Brückenbauerinnen und Brückenbauer zwischen den Generationen. Das zeigen die zahlreichen Bewerbungen zum diesjährigen Kinder- und Jugendpreis der Sparkassen Finanzgruppe Hessen-Thüringen und der Paritätischen BuntStiftung. 49 Projekte wurden für den Preis nominiert, sechs von ihnen wurden bei einer Festveranstaltung ausgezeichnet. Der Hauptpreis, dotiert mit 10 000 Euro, geht an das Projekt „Vom Nebeneinander zum Miteinander“ der Thüringer Arbeitsloseninitiative (Talisa). Das Projekt leistet vorbildliche Integrationsarbeit im Erfurter Stadtteil „Wiesenhügel“.

In seiner Laudatio ermunterte Ministerpräsident Bodo Ramelow dazu, viele Projekte dieser Art ins Leben zu rufen, um den Weg vom Nebeneinander zum Miteinander voranzutreiben. Kinder aus Erfurter Familien und Kinder aus Flüchtlingsfamilien lernen zusammen, spielen zusammen und haben zusammen Spaß. So werden schon im Kindesalter Berührungsängste genommen und Verständnis füreinander geweckt. Das Projekt nutzt das gute Netzwerk vor Ort mit Jugendclub, dem Altenheim der Caritas wie auch der Gemeinschaftsunterkunft mit sozialer Betreuung durch den Familyclub. Handwerklich begabte Senioren werkeln gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen oder es wird generationenübergreifend gekocht, auch ein Erzählcafe erfreut sich bei Jung und Alt großer Beliebtheit.

Ausgezeichnet wurden im Rahmen der Festveranstaltung fünf weitere Projekte. 5000 Euro erhielt die Volkssolidarität Gotha für das Projekt der Kinder- und Seniorenakademie. Hier lernen Kinder und Senioren voneinander . Dazu gibt es Vereinbarungen mit den beiden in der Nähe der Begegnungsstätte „Klub Galletti“ arbeitenden Kindergärten „Spatzennest“ und Fröbelkindergarten. Die Palette der behandelten Tehmen reicht von „Afrika“ über Erkundungstouren durch die eigene Stadt bis zu einer Veranstaltung „Der Arzt und seine Instrumente“.

Einen Sonderpreis in Höhe von 2000 Euro erhielt der Großelterndienst Erfurt. Dieser vermittelt auf ehrenamtlicher Basis junge Familien oder Alleinerziehende mit Kindern an junggebliebene Senioren, die Freude daran haben, Kinder durch regelmäßige Treffen zu begleiten. Mindestens einmal wöchentlich verbringen die Wunschgroßeltern einen Nachmittag mit den Kindern und begleiten auf gegenseitigen Wunsch die gesamte Familie. Über 60 Wunschgroßeltern zählt der Großelterndienst.

Zwei weitere Sonderpreise in Höhe von jeweisl 1000 Euro gingen an die Bürgerstiftung Jena für das Projekt „Komm, wir finden (d)einen Schatz“ und an das staatliche regionale Förderzentrum Sonneberg für das Projekt „Computerkurs für Senioren“. Bei letzterem Vorhaben unterstützen die Schülerinnen und Schüler des regionalen Förderzentrums Sonneberg die Senioren des Wohngebiets Wolkenrasen in Sonneberg und gestalten mit den Snioren gemeinsam Computerkurse. Bei der Bürgerstiftung Jena engagieren sich Erwachsene aller Alters- und Berufsgruppen als „Schatzheber“ ehrenamtlich als Paten für Kindergartenkinder in Jena. Die „Schatzheber“ besuchen regelmäßig Jenaer Kitas und vermitteln in Kleingruppen Wissen aus den unterschiedlichsten Bereichen wie beispielsweise Naturwissenschaft, Musik, Technik oder Sport.

Ein weiterer Sonderpreis in Höhe von 500 Euro geht an die Kita „Seidelhaus“ aus Jena für das Projekt „Wohnt Oma schon im Himmel?“ Gemeinsam mit den Eltern, ehrenamtlichen Helfern und der Palliativstation der Uniklinik Jena wurden die Kinder kreativ, behutsam und durch offene Gespräche an das Thema herangeführt. Das Projekt endete mit einer Vernissage von Kunstwerken zum Thema, die auf der Palliativstation des Universitätsklinikums in Jena zu sehen sind.
Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Verleihung des diesjährigen Kinder- und Jugendpreises+Ministerpräsident Bodo Ramelow, der selbst Mitglied der Jury war, dankte ausdrücklich allen, die Projekte für den Kinder- und Jugendpreis eingereicht hatten. „In der Jury mitzuarbeiten, war ein hartes Los“, so der Regierungschef. „Es war alles toll – und die Auswahl der Siegerprojekte ist uns sehr schwer gefallen.“
Ramelow erinnerte in seiner Festrede daran, dass früher jedes Haus ein generationenübergreifendes Projekt gewesen sei. Er erzählte von seiner eigenen Kindheit und erinnerte sich an seine Großeltern, die mit im Elternhaus gewohnt hatten. Der große Garten hinter dem Haus wurde gemeinsam bewirtschaftet. Und er schlug den Bogen zu den Problemen von heute: Brücken bauen sei in der heutigen Zeit notwendiger denn je. „Wir müssen in der Gesellschaft auf die Schwächeren achten, ihnen eine Chance geben, keinen ausgrenzen, dem Nachbarn helfen“, so der eindringliche Appell des Regierungschefs. In einer „Zeit, in der die Welt in Unordnung geraten ist“, sei dieser Aspekt hochaktuell. Auch die nach Thüringen kommenden Flüchtlinge sind ein „Teil unserer Nachbarschaft.“ Es gelte jetzt, sich unterzuhaken und die Probleme gemeinsam zu bewältigen. Ramelow fragte in die Runde, was die Hl. Elisabeth, die Familie Bach, die Heilige Radegunde, Goethe und Schiller gemeinsam hätten. „Ja, sie sind Teil der Thüringer Hochkultur“, gab er selbst die Antwort. „Aber sie sind auch Flüchtlinge“. Die Heilige Elisabeth sei aus Thüringen geflohen, nachdem sie als Kind schon zwangsverheiratet worden sei, die Heilige Radegunde sei entführt und zwangsverheiratet worden, Goethe sei ein Arbeitsmigrant gewesen, Veit Bach sei wegen seines Glaubens aus seiner Heimat nach Thüringen geflohen und Schiller sei ein politisch Verfolgter gewesen.

Thomas Wagner, der Verbandsgeschäftsführer der Sparkassen Finanzgruppe Hessen-Thüringen und die Präsidentin der Paritätischen BuntStiftung Evemarie Schnepel würdigten in der von Andy Schulze moderierten Veranstaltung das Engagement der vielen Thüringer Vereine, Organisationen und Initiativen, die in Thüringen Brücken zwischen Jung und Alt bauen. Mit dem diesjährigen generationsübergreifenden Ansatz des Preises soll ein Beitrag zur Gestaltung des demografischen Wandels geleistet werden. „Es sind tolle, einfache und geniale Ideen, die wir heute präsentieren“, unterstrichen Wagner und Schnepel.

Tags: Kinder- und Jugendpreis

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