Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen: 940 Frauen suchen jedes Jahr in Thüringen Beratung und Hilfe

Thüringens Sozialministerin Heike Werner (Linkspartei)Neudietendorf, 25. November. Die Öffentlichkeit soll für das Thema Gewalt an Frauen stärker sensibilisiert werden. Dazu haben anlässlich des heutigen internationalen Tages die Thüringer Sozialministerin Heike Werner (Linkspartei) und die Gleichstellungsbeauftragte des Landes, Katrin Christ-Eisenwinder, aufgerufen. Allein in den vier Thüringer Interventionsstellen suchen pro Jahr rund 940 Frauen Beratung und Hilfe. Etwa 1000 Kinder müssen unter dieser Gewalt leiden. Die Thüringer Polizei registriert pro Jahr etwa 3000 Einsätze in Situationen häuslicher Gewalt. In den 14 Frauenhäusern und Schutzwohnungen in Thüringen suchten 2013 rund 500 der betroffenen Frauen Schutz und Zuflucht. 65,6 Prozent davon waren erstmals in einem Frauenhaus. „Das zeigt, dass erlebte Gewaltsituationen oft verschwiegen werden“, so Christ-Eisenwinder. Ministerin Werner: „Gewalt an Frauen ist kein Einzelphänomen und kann in einer modernen Gesellschaft wie der unsrigen nicht hingenommen werden. Wir dürfen dieses Thema nicht tabuisieren, sondern müssen viel stärker darauf aufmerksam machen.“


Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen werden am 25. November jeden Jahres Aktionen durchgeführt, die dieses tabuisierte Thema in die Öffentlichkeit bringen, den Zugang zu Hilfsangeboten sichtbar machen sollen sowie eine Sensibilisierung des Bewusstseins der Menschen zu betreiben. In diesem Jahr findet mit Kooperationspartnerinnen und -partnern die Aktion „Wir brechen das Schweigen“ statt. Das bundesweite Hilfetelefon rief bereits zum Mitmachen an dieser Aktion auf.

Die Folgekosten von Männergewalt werden in der Bundesrepublik auf etwa 14,5 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Enthalten sind in diesen Schätzungen auch Kosten für Polizei und Justiz, genauso wie ärztliche Behandlungen, Therapien sowie Ausfallzeiten an Arbeitsplätzen.

Der Paritätische weist anlässlich des Tages auf Schutzlücken für von Gewalt betroffene AsylbewerberInnen hin. Nach einem Gutachten des Verbandes gibt es erhebliche Zugangslücken zu Schutz- und Hilfseinrichtungen für von Gewalt betroffene Flüchtlingsfrauen in Deutschland. Zuständigkeitskonflikte zwischen Behörden, aufenthaltsrechtliche Beschränkungen und nicht zuletzt sehr unterschiedliche Handhabungen in den einzelnen Bundesländern führten zu massiver Rechtsunsicherheit und Schutzlücken. Der Verband fordert den Gesetzgeber auf, durch entsprechende Klarstellungen, den Zugang zu Zuflucht und Hilfe für alle von Gewalt betroffenen Frauen und ihre Kinder in Deutschland zu garantieren.

„Es darf nicht vom Zufall des Wohnortes und des Aufenthaltsstatus abhängen, ob eine Frau in diesem Land Schutz vor Gewalt erhält oder nicht“, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. Die derzeitige Rechtslage führe zu der Situation, dass eine Asylbewerberin im akuten Ernstfall nur unter Verstoß gegen die so genannte Residenzpflicht vor Gewalt fliehen könne. Zugang und Finanzierung eines Frauenhausaufenthaltes seien für Asylbewerberinnen davon abhängig, ob eine Behörde sich zuständig fühle, der Flucht vor Gewalt im Einzelfall zustimme und sich zu einer Finanzierung des Aufenthaltes im Frauenhaus bereit erkläre. „Wer vor Gewalt Schutz sucht, muss unbürokratische sofortige Hilfe erwarten können. Derzeit müsste eine Asylbewerberin, die in einer Schutzeinrichtung Zuflucht sucht, juristisch sogar Sanktionen fürchten. Eine Klarstellung durch den Gesetzgeber ist ein Gebot von Humanität und Vernunft zugleich“, so Schneider.

Der Paritätische fordert konkret gesetzliche Klarstellungen unter anderem dazu, welche Behörde bei einer Flucht in ein Frauenhaus zuständig ist, welcher Kostenträger die Kosten für den Aufenthalt zu übernehmen hat und dass Sanktionierungen für betroffene Personen ausgeschlossen sind.

Tags: Frauenzentrum, Gewaltprävention

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