Paritätischer Ehrenamtspreis verliehen: 700.000 Thüringerinnen und Thüringer sind ehrenamtlich aktiv

Die PreisträgerInnen und Laudatoren des Paritätischen EhrenamtspreisesNeudietendorf, 1. Dezember 2015. In Thüringen sind etwa 700.000 Menschen ehrenamtlich aktiv. Das hat die Geschäftsführerin der Thüringer Ehrenamtsstiftung, Brigitte Manke, anlässlich der Verleihung des Paritätischen Ehrenamtspreises am heutigen Nachmittag in einem Interview mit der Zeitschrift des Paritätischen, Pari-News, gesagt. Im kommenden Jahr wird es nach ihren Angaben verlässliche Daten geben. Denn Thüringen ist eines von 14 Bundesländern, das sich an der bundesweiten Erhebung eines „Freiwilligen Survey“ beteiligt. Ein Absinken des ehrenamtlichen Engagements sei im Freistaat nicht zu verzeichnen, zeigte sich Manke zuversichtlich, dass auch in Zukunft sich genügend Thüringerinnen und Thüringer ehrenamtlich engagieren. Als positiv schätzte sie es ein, dass die gesellschaftliche Anerkennung ehrenamtlicher Tätigkeit in Thüringen gewachsen ist.


Manke rief dazu auf, gerade in der Arbeit mit Flüchtlingen die Ehrenamtlichen, die ihre Sache durchweg gut machten, nicht allein zu lassen. Es müsse eine gute Anleitung und Betreuung durch Hauptamtliche geben. Außerdem sei es wichtig, Ehrenamtler auch weiter zu qualifizieren. Dabei wies sie auf die Ausbildung zu Flüchtlingspaten, die der Paritätische anbietet. Aber die öffentliche Diskussion über ehrenamtliches Engagement dürfe sich nicht auf den Bereich der Flüchtlingshilfe fokussieren, mahnte sie. Auch in anderen Bereichen werde gute und wertvolle Arbeit geleistet.
Drei Einzelpersonen und drei Projekte wurden in Neudietendorf mit dem Paritätischen Ehrenamtspreis ausgezeichnet. Damit wird herausragendes ehrenamtliches Engagement in Thüringen geehrt. In der Kategorie Junger Star ging der Preis an Carola Deppler, die sich in der Rettungshundestaffel des ASB Ostthüringen engagiert. Als „Regiestar“ wurde die Vorsitzende des Landesverbandes der Pflege- und Adoptivfamilien, Vera Schade, aus Wenigensömmern ausgezeichnet. Und der Preis in der Kategorie „Weise Stars“ ging an Manfred Appelt, der sich in der Volkssolidarität Mittelthüringen engagiert.
Bei den Projekten ging der Preis in der Kategorie „Ideenreiche Köpfe“ an die Deutsche Soccer-Liga, die ihren Sitz in Erfurt hat. Mit ihrer Fairplay-Akademie transportiert sie über den Sport den Gedanken des Fair Play in die Gesellschaft hinein. Der Management-Preis ging an Arbeitsloseninitiative TALISA aus Gotha für ihr umfangreiches und nur von Ehrenamtlern getragenes Hilfsangebot für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten, wie beispielsweise Obdachlosen. Der diesjährige Themenpreis Integration schließlich wurde an die Bürgerstiftung Jena verliehen für ihr Projekt „Integration durch Ehrenamt“. Damit wird ehrenamtliches Engagement von Menschen ausländischer Herkunft in Jena gefördert.
In seiner Festrede „Atmen auf zwei Lungenflügeln – Professionalität und Ehrenamt in der Sozialarbeit“ unterstrich der Erfurter Altbischof Dr. Joachim Wanke das notwendige Zusammenspiel zwischen ehrenamtlicher und hauptamtlicher Tätigkeit. Das eine könne ohne das andere nicht erfolgreich sein.

Die Preisträger im Einzelnen – jeweils mit Kurzbegründung

Junger Star: Carola Deppler

Wenn Carola Deppler mit ihrem Hund Lucky gerufen wird, ist die Lage ernst. Meist werden Personen gesucht. Und bei der Suche nach diesen Vermissten zählt jede Minute. Carola Deppler und ihr Hund Lucky sind ein eingespieltes Team. Sie bilden ein Flächensuchhundeteam und sind seit 2012 offiziell für die Suche nach vermissten Personen geprüft. Das Training erfordert viel Einfühlungsvermögen, Liebe zum Tier und kostet viel Zeit für die zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche. Aber damit nicht genug. Carola Deppler setzt sich auch in der Öffentlichkeitsarbeit und dem Fundraising für den Rettungshundezug beim ASB Regionalverband Ostthüringen ein.

Regiestar: Vera Schade

Das Wohl des Kindes steht bei der Arbeit von Vera Schade immer im Mittelpunkt. Sie engagiert sich seit 1997 aktiv im Landesverband der Pflege- und Adoptivfamilien Thüringen. Seit 2000 ist sie im Vorstand des Verbandes, seit 2002 die Vorsitzende. Obwohl es ein Ehrenamt ist, ist Vera Schade oft 40 Stunden und mehr in der Woche für den Landesverband tätig. Kindern eine Zukunft geben, ein Zuhause und eine Familie ist nicht nur das Motto des Landesverbandes, sondern Herzensangelegenheit und Lebensmotto von Vera Schade.

Weiser Star: Manfred Appelt

Das Engagement von Manfred Appelt hat im Regionalverband Mittelthüringen der Volkssolidarität deutlich neue Impulse gesetzt. Denn der ehrenamtlich tätige Manfred Appelt leitet mit viel Engagement und Begeisterung zwei Ortsgruppen und ermöglicht so das weitere Bestehen dieser Ortsgruppen, deren Vorsitzende aus alters- und gesundheitlichen Gründen ihr Amt niederlegen mussten. Ab dem nächsten Jahr wird er eine dritte Ortsgruppe weiterführen.

Ideenreiche Köpfe – der Anschubpreis: Fairplay Akademie im Verein der Deutschen Soccer-Liga

Fairplay – fair miteinander umgehen. Das hat sich die Soccer-Liga mit ihrem Projekt „Fairplay Akademie im Verein“ auf die Fahnen geschrieben. In Sportvereinen wird Fairplay theoretisch und praktisch vermittelt – sowohl den Erwachsenen, Eltern und Trainern, wie auch Kindern und Jugendlichen. Und das jeweils alltagsgerecht. Über das Einüben von Fairplay auf dem Fußball-Spielfeld kann man auch Fairplay für das alltägliche Leben vermitteln. Das Konzept der Soccer-Liga hat auch überregional schon große Anerkennung gefunden.

Der Management-Preis: Projekt Soziale Verantwortung von TALISA Gotha

Ein umfangreiches Angebot für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten bietet Talisa an. Das reicht von Betreuung, Begleitung und Beratung bei Ämtern, Behörden, Krankenkassen bis hin zu Wohnungs- und Arbeitssuche, Begleitung beim Arztbesuch oder der Organisation von Möbeln aus den Möbellagern. Auch Schuldnerberatung steht auf dem Programm. In diesem Jahr konnte Talisa schon 32 Menschen aus Gotha und dem Landkreis helfen. Das Projekt wird von Ehrenamtlern getragen.

Der Themenpreis: Integration durch Ehrenamt der Bürgerstiftung Jena

Mit dem Projekt wird Menschen ausländischer Herkunft geholfen, sich in Jena gut einzuleben. Das Projekt fördert das freiwillige Engagement in dieser Bevölkerungsgruppe und ermutigt dazu, diese Möglichkeit des Brückenbauens zwischen den Kulturen aufzugreifen. Für die Betroffenen entsteht so die Möglichkeit, zu Menschen Kontakt zu knüpfen und sie kennen zu lernen, auch wenn sie nicht zu ihrem täglichen Umfeld gehören. Und sie, die häufig gezwungen sind, Hilfe von anderen anzunehmen, werden durch ein Ehrenamt zu Gebenden und erfahren Wertschätzung.

Tags: Ehrenamtspreis, Ehrenamtliches Engagement

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